3D-Druckhersteller SLM Solutions hat noch viel Luft nach unten

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3D-Druckhersteller SLM Solutions veröffentlicht die dritte Gewinnwarnung binnen eines Jahres. Nun steht die Strategie auf dem Prüfstand. (Foto: Alexander Kirch / shutterstock.com)

Dass eine gehypte Branche nicht nur Gewinner hervorbringt, zeigte sich einmal mehr zu Beginn dieser Woche, als sich der 3D-Druckerhersteller SLM Solutions in die lange Liste derjenigen Unternehmen einreihen musste, die für dieses Jahr ihre Gewinnerwartungen nach unten schraubten.

Eine Tautologie ist keine Begründung

So wurde bekannt, dass das noch vom vorherigen Vorstand für dieses Jahr in Aussicht gestellte Umsatzziel von 95 Millionen Euro bei einem ausgeglichenen operativen Ergebnis (EBITDA) nicht mehr erreicht werden könne. Aus heutiger Sicht würde die aktuelle Planung „erheblich geringer“ ausfallen als ursprünglich prognostiziert, hieß es in der in der Unternehmensmeldung.

Begründet wurde die „schwache Geschäftsentwicklung“ damit, dass die Auftragslage im ersten Halbjahr schwächer ausgefallen war, als ursprünglich erwartet. Wem dies wie eine Tautologie vorkommt, liegt nicht ganz falsch. Wer in der Ad-hoc-Meldung jedoch nach einer genaueren Begründung des TecDax-Unternehmens suchte, wurde nicht fündig.

Eine Reihe setzt sich fort

Besonders prekär dabei ist, dass die Gewinnwarnung nicht die erste war. Schon im vergangenen Jahr hat das Unternehmen die Prognosen nach unten revidieren müssen. Und zwar gleich zweimal. Nun schmeißt der erst seit Anfang letzten Jahres amtierende Vertriebsvorstand das Handtuch, so dass nach dem Ausscheiden des langjährigen Finanzvorstands nun nur noch ein Alleinvorstand übrig bleibt.

Welcher wohlweislich auf eine Guidance verzichtet. Zum einen, weil eine solche abzugeben offensichtlich nicht ganz unproblematisch ist. Zum anderen, weil der CEO selbst erst seit wenigen Monaten im Amt ist und er nach eigenem Bekunden zunächst die Unternehmensstrategie überarbeiten will.

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Dies wiederum verheißt wenig Gutes. Zwar wurde 2019 als Übergangsjahr bezeichnet, doch Strategiekorrekturen sind vor allem eines: Kostspielig. Nicht nur in Bezug auf die erwarteten Abfindungszahlungen für Mitarbeiter und Unternehmensbereiche, deren Verluste man mitzutragen man nun doch nicht mehr bereit ist. Sondern auch in Bezug auf den Ruf des Unternehmens.

Aktie bricht ein

Dabei steckt Unsicherheit auch in der Aktionärsstruktur. Denn der größte Einzelaktionär des Unternehmens ist die US-Hedgefondsgesellschaft Elliot des berühmt-berüchtigten Paul Singer, einem aktivistischen Investor. Ein Blick auf den Aktienchart zeigt, warum: Seit dem Einstieg von Elliot zeigt der Kurs nur in eine Richtung. Allein in dieser Woche ein zweistelliges Minus, auf Sicht von einem Jahr hat sich der Kurs nahezu gedrittelt. Da dürften bei Paul Singer die Alarmglocken läuten.

Hoch bewertet

Dennoch ist die Aktie auch auf dem gedrückten Kursniveau nicht günstig bewertet. Was vor allem daran liegt, dass die aktuellen Consensus-Schätzungen der Analysten immer noch viel zu hoch sind. So wird das unterstellte Umsatzwachstum – die Finanzprognosen sehen in den kommenden fünf Jahren eine Umsatzverfünffachung vor – nicht zu halten sein.

Erwartete Herabstufungen der Analystenprognosen, ein überarbeitetes Geschäftsmodell und Unsicherheiten in der Aktionärsstruktur sind sicher kein guter Cocktail. Der Kurs von SLM Solutions dürfte den Aktionären weiterhin wenig Freude bereiten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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