3D-Systems: Kursfeuerwerk nach den Zahlen

3D-Druckspezialist 3D Systems ist nach Zahlen im Höhenflug. Die Aktie dürfte aber volatil bleiben und eignet sich eher für Spekulanten. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

Die Aktien von 3D-Druckherstellern sind nichts für schwache Nerven. Nehmen Sie 3D-Systems, der US-Konzern, der sich selbst gerne als Marktführer präsentiert. Der absoluten Euphorie folgte ein langes Tal der Tränen. Von 2009 bis Anfang 2014 kannte die Aktie nur einen Weg – steil nach oben. Von unter 1,3 Dollar explodierten die Papiere regelrecht bis auf 96 Dollar in der Spitze.

Doch mit schwachen Geschäftsergebnissen polterte der Kurs anschließend bis auf 6,42 Dollar in den Keller. Danach erlebten die Anleger ein Wechselbad der Gefühle. So ging der Kurs im letzten Jahr erst 50% nach oben, nur um danach um 63% abzutauchen.

Seit letztem Herbst hat die Aktie mit einem Kursplus von über 50% wieder einen neuen Erholungsversuch gestartet, der sich nach Vorlage der Zahlen zuletzt beschleunigt hat. Ist das Comeback der Aktie gerechtfertigt? Wie steht es um die langfristigen Prognosen und wie schätzen die Analysten das Potenzial der Aktie momentan ein?

3D-Systems im Porträt

Das Unternehmen 3D-Systems wurde bereits 1986 vom Erfinder des 3D-Drucks (Rapid-Prototyping-Systems) Charles („Chuck“) Hull gegründet. Heute gehört 3D-Systems zu den führenden Unternehmen im 3D-Druck. Das Unternehmen erstellt Produktkonzeptmodelle, Präzisions- und Funktionsprototypen, Mustervorlagen für Werkzeuge sowie Produktionsteile für die direkte digitale Fertigung.

Es nutzt dabei eigene Prozesse, um physische Objekte mithilfe von computergestützter Entwurfs- und Fertigungssoftware oder 3D-Scanning- und 3D-Sculpting-Geräten herzustellen.

Der Siegeszug des 3D-Druck

Was verbirgt sich eigentlich hinter der zukunftsträchtigen Technologie? Kurz zur Erklärung: Der 3D-Druck ist ein Verfahren, bei dem Material Schicht für Schicht aufgetragen und so dreidimensionale Gegenstände (Werkstücke) erzeugt werden. Dabei erfolgt der schichtweise Aufbau computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen .

Typische Werkstoffe für das 3D-Drucken sind Kunststoffe, Kunstharze, Keramiken und Metalle. Inzwischen wurden auch Carbon- und Graphitmaterialien für den 3D-Druck von Teilen aus Kohlenstoff entwickelt. Mittlerweile werden 3D-Drucker in zahlreichen industriellen Fertigungsbereichen eingesetzt. Ob Flugzeugteile, Implantate oder die schnelle Erstellung von Musterteilen – die Einsatzbereiche sind unglaublich groß.

Geschäftsergebnisse schlagen Analystenerwartungen

Der Grund für den jüngsten Kurssprung finden Sie in den vorgelegten Geschäftszahlen, die über den Markterwartungen gelegen haben. So kletterte der Umsatz im Schlussquartal um 6,8% auf 177 Millionen Dollar. Für Sie zum Vergleich: Die Analysten waren im Vorfeld lediglich von 163 Millionen Dollar ausgegangen. Im gesamten zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte der Druckerspezialist einen Umsatz von 646,1 Millionen Dollar. Das lag zwar nur 2% über dem Vorjahrsniveau, aber 15 Millionen Dollar über den Erwartungen der Experten.

Der Sprung in die Gewinnzone gelang dem US-Konzern allerdings nicht. Das bereinigte Ergebnis lag bei -2 Cent je Aktie (Analystenschätzungen: -5 Cent je Aktie). Besonders der Vergleich mit dem Vorjahr macht deutlich, dass nicht alles rund läuft bei 3D-Systems. Denn damals konnte noch ein Gewinn in Höhe von 0,46 Dollar je Anteilsschein eingefahren werden.

Partnerschaft mit Onkos Surgical

Unterdessen versucht das US-Unternehmen den Einsatzbereich seiner Technologien zu erweitern. Erst vor wenigen Tagen hat 3D-Systems eine Partnerschaft mit dem Krebsunternehmen Onkos Surgical geschlossen. Der Deal sichert Onkos Surgical vorrangigen Zugang zu der orthopädischen Virtual Surgical Planning (VSP) Lösung von 3D Systems für chirurgische Planung, sowie zu 3D-gedruckten anatomischen Modellen. Zudem werden die beiden Vertragspartner sich für zukünftige Freigaben für 3D-gedruckte Implantate und Instrumente bei Tumor-Rekonstruktionen zusammenschließen.

Fazit – Eine Schwalbe macht noch lange keinen Sommer

Die Konkurrenzsituation im Markt für 3D-Druck hat sich mit der Produktoffensive des Rivalen HP deutlich verschärft. Trotz der Marktführerschaft stehen die großen Firmen wie 3D-Systems und Stratasys unter Druck. Hohe Investitionen, überschaubares Umsatzwachstum und Verluste sind nicht der Cocktail, den die Investoren wünschen.

Dass es sich beim 3D-Druck für die Industrie um eine revolutionäre Zukunftstechnologie handelt, steht außer Frage. Aber wann sich die Investitionen auszahlen und die Firmen damit satte Gewinne erwirtschaften, ist momentan vollkommen ungewiss. Eine konkrete Planung für den weiteren Jahresverlauf hat 3D Systems bislang nicht veröffentlicht. Die Analysten zeigen sich mit einem Kursziel von 9,95 Dollar (akt. Kurs: 12,64 Dollar) sehr zurückhaltend. 3D-Systems ist vorerst in der Bringschuld. Die Aktie dürfte weiterhin hochvolatil bleiben und eignet sich daher nur für ausgesprochen spekulative Anleger.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.