3D Systems: Wie es nach den schwachen Zahlen weitergeht

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3D Systems: Wo ist das Wachstum geblieben? Die Aktie sucht des 3D-Druckspezialisten sucht nach schwachen Zahlen weiter ihren Boden. Anleger müssen sich auf volatile Zeiten einstellen. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Hochgelobt und tief gefallen. Das Sprichwort passt auf die Aktie des Spezialisten für 3D-Drucktechnologien 3D Systems wie die Faust aufs Auge. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Hype, der vor gut 10 Jahren rund um den 3D Druck aufkam und der für wahre Kursexplosionen sorgte. Allein von 2009 bis 2014 schoss die Aktie des US-Konzerns 3D Systems von 1,30 auf über 96 Dollar in die Höhe.

Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Die großen Erfolge und satten Gewinne lassen weiter auf sich warten. Selbst die Marktführer 3D Systems und Stratasys tun sich schwer, ihre Geschäftsmodelle zu monetarisieren. Zudem hat sich die Konkurrenzsituation deutlich verschärft. Inzwischen dümpelt der Kurs der 3D Systems-Papiere bei 8 Dollar, womit der Börsenwert wieder die magische Marke von 1 Milliarden Dollar nach unten durchschritten hat.

Doch wie steht es jetzt um den Zukunftsmarkt? Was sagt das aktuelle Zahlenwerk des US-Konzerns und wie schätzen die Analysten das Potenzial in den nächsten Jahren ein?

3D-Systems im Porträt

Das Unternehmen 3D-Systems wurde bereits 1986 vom Erfinder des 3D-Drucks (Rapid-Prototyping-Systems) Charles („Chuck“) Hull gegründet. Heute gehört 3D-Systems zu den führenden Unternehmen im 3D-Druck. Das Unternehmen erstellt Produktkonzeptmodelle, Präzisions- und Funktionsprototypen, Mustervorlagen für Werkzeuge sowie Produktionsteile für die direkte digitale Fertigung. Es nutzt dabei eigene Prozesse, um physische Objekte mithilfe von computergestützter Entwurfs- und Fertigungssoftware oder 3D-Scanning- und 3D-Sculpting-Geräten herzustellen.

Die Einsatzbereiche sind unglaublich vielfältig

Was verbirgt sich eigentlich hinter der zukunftsträchtigen Technologie? Kurz zur Erklärung: Der Begriff 3D Druck beschreibt ein Fertigungsverfahren, bei dem dreidimensionale Werkstoffe und Produkte durch das schichtweise Aufbringen von Materialien hergestellt werden. Durch den Vorgang lassen sich komplexe Werkstücke auf Basis von vorgegebenen CAD-Grafiken herstellen. Gegenüber Spritzgussverfahren oder anderen herkömmlichen Herstellungsprozessen hat der 3D-Druck den Vorteil, dass man beim Fertigungsprozess nahezu ohne Materialverlust und ohne aufwändige Zwischenschritte wie die Herstellung von Gussformen auskommt.

Für den Fertigungsprozess im Bereich 3D-Druck werden vor allem Polymere, Kunstharze, Kunststoffe, Keramik aber auch Metalle verwendet. Aktuell existieren verschiedene 3D-Druckverfahren wie etwa Lasersintering, Electronic Beam Melting, Stereolithographie, oder Digital Light Processing, wobei der Einsatz dieser Verfahren meist durch das jeweils verwendete Grundmaterial vorgegeben wird.

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Anwendung findet das 3D-Druckverfahren mittlerweile in vielen Bereichen der industriellen Fertigung, wobei diese additive Produktionsverfahren unter anderem zur Herstellung von Flugzeugteilen, medizinischen Implantaten, Plastik-Teilen, oder Komponenten für die Automobilindustrie verwendet werden.

Vier Verlustjahre in Folge

So innovativ und flexibel die neue Drucktechnologie auch ist, so schwierig scheint es für die Konzerne zu sein, damit richtig Geld zu verdienen. In den letzten vier Jahren steigerte 3D Systems seine Umsätze lediglich um 3,2% von 666,2 auf 687,7 Millionen Dollar. Zugleich sind die Gewinnmargen kräftig unter Druck. Fiel die Gewinnmarge schon von 2010 bis 2014 von 12,24% auf 1,78%, rutschte 3D Systems im Anschluss sogar in die Verlustzone. In den vergangenen vier Jahren verbrannte der US-Konzern kumuliert 805 Millionen Dollar.

Umsatzrückgang von 8,4% zum Jahresstart

Die schwache Entwicklung setzte sich im ersten Quartal ungebrochen fort und brachte den Aktienkurs weiter unter Druck. Die im Mai vorgelegten Zahlen offenbarten einen Umsatzrückgang von 8,4% auf 151,98 Millionen Dollar im ersten Jahresviertel. Damit wurden die Analystenerwartungen um satte 12,71 Millionen Dollar verfehlt. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 24,4 Millionen Dollar in den Büchern.

Fazit: Unbestritten ist das enorme langfristige Marktpotenzial. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt das Marktvolumen für den 3D-Druck im Jahr 2025 auf 180 bis 490 Milliarden Dollar. Allerdings ist fraglich, ob die beteiligten Firmen das kolportierte Marktwachstum auch in entsprechende Gewinne ummünzen können. Das Segment gilt als hochumkämpft und stark fragmentiert. Neben zahlreichen kleinen Playern forcieren auch Industriegiganten wie HP und GE ihre Aktivitäten im 3D Druck-Bereich.

Die Analysten rechnen bereits im kommenden Jahr bei 3D Systems mit dem Erreichen der Gewinnschwelle (15 Cent Gewinn je Aktie erwartet). Das durchschnittliche Kursziel liegt momentan bei 9,31 Dollar und damit gut 15% über dem aktuellen Kursniveau. Sollte die Trendwende aber nicht zeitnah gelingen, könnte sich die Konsolidierung des Aktienkurses noch weiter fortsetzen. Mit hohen Schwankungen sollten die Anleger bei der Aktie aber in jedem Fall rechnen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.