3M-Aktie: Mischkonzern will Geschäfte mit Milliarden-Zukauf wieder ankurbeln

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3M schluckt Wundversorger Acelity für 6,7 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs ist nach schwachen Zahlen und verhaltener Prognose unter Druck. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Die Nachrichtenlage bei dem breit aufgestellten Technologiekonzern 3M war zuletzt ausgesprochen mau. Zahlen unter den Erwartungen, ein schwacher Ausblick und ein drastischer Arbeitsplatzabbau bestimmten das Bild. Der Aktienkurs legte Ende April den größten Tagesrückgang seit 31 Jahren hin. Seit Jahresbeginn hält die Aktie mit einem knapp 10%-igen Kursrückgang die rote Laterne im Dow Jones Index, der im gleichen Zeitraum einen Wertzuwachs von über 11% verzeichnete.

Da half auch die Nachricht über einen milliardenschweren Zukauf im Gesundheitsbereich dem Kurs nicht auf die Sprünge. Am vergangenen Freitag gab der US-Konzern bekannt, mit Acelity einen der führenden Anbieter für die moderne Wunderversorgung übernehmen zu wollen.

Traditionskonzern mit mehr als 25.000 Patenten

Der Multitechnologiekonzern 3M wurde 1902 in Minnesota, USA, gegründet und zählt heute zu den innovativsten Unternehmen weltweit. 3M ist mit 93.000 Mitarbeitern in 200 Ländern vertreten und erzielte 2018 einen Umsatz von 33 Milliarden Dollar. Grundlage für seine Innovationskraft ist die vielfältige Nutzung von 46 eigenen Technologieplattformen.

Heute umfasst das Portfolio mehr als 55.000 verschiedene Produkte für fast jeden Lebensbereich. 3M hält über 25.000 Patente und macht rund ein Drittel seines Umsatzes mit Produkten, die weniger als fünf Jahre auf dem Markt sind. Das Produktportfolio reicht von der Gesundheitsvorsorge und Sicherheitsprodukten über Büroartikel bis hin zu optischen Filmbeschichtungen für LCD-Displays und Hochleistungs-Elektronikkomponenten.

Umsatz und Gewinn rückläufig

Zuletzt sorgte der Technologieriese mit seiner Geschäftsentwicklung für eine massive Enttäuschung. So gingen die Umsätze des Herstellers von Post-it-Noten, Industriebeschichtungen, Keramik und anderen Konsumgütern im ersten Quartal um 5% auf 7,9 Milliarden Dollar zurück. Das um verschiedene Sondereffekte bereinigte Ergebnis je Aktie schmolz zeitglich um fast 11% auf 2,23 Dollar zurück.

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Prognose wird zurechtgestutzt

Parallel zu den schwachen Ergebnissen hat der Konzern seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr ordentlich zurechtgestutzt. Das Unternehmen erwartet nun für 2019 einen bereinigten Gewinn in einer Bandbreite von 9,25 bis 9,75 Dollar pro Aktie. Für Sie zum Vergleich: Bisher ging der Konzern noch von 10,45 bis 10,90 Dollar je Aktie aus. Jetzt setzt der Technologieriese auf ein umfangreiches Sparprogramm. So sollen beispielsweise 2.000 Stellen gestrichen und die operativen Einheiten von 5 auf 4 reduziert werden.

Übernahme soll Gesundheitsbereich stärken

Trotz aller Sparmaßnahmen setzt der US-Konzern auch auf gezielte Übernahmen, die wieder für Wachstum sorgen sollen. Vor wenigen Tagen gab 3M den Kauf des Medizinproduktherstellers Acelity für rund 4,4 Milliarden Dollar bekannt. Inklusive Schulden bewertet die Transaktion die Firma mit 6,73 Milliarden Dollar. Acelity ist ein führendes, weltweit tätiges Medizintechnikunternehmen mit einem Fokus auf moderne Wundversorgung und chirurgische Spezialanwendungen, die unter der Marke KCI vertrieben werden. 2018 erzielte Acelity einen Umsatz von 1,5 Milliarden Dollar.

Auf Basis des Kaufpreises zahlt 3M rund das 11-Fache des für dieses Jahr erwarteten Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA). Bereinigt um Bilanzanpassungen für den Kauf und erwartete Einmalkosten im Zusammenhang mit der Transaktion, soll der Zukauf in den ersten 12 Monaten 0,25 Dollar zum Ergebnis je Aktie beitragen. Finanziert werden soll der Deal mit einer Mischung aus Eigen- und Fremdkapital. Den Abschluss plant der Konzern in der zweiten Jahreshälfte.

Ehemaliger Eigentümer verdreifacht seinen Einsatz

Der Deal markiert einen Kurswechsel für Acelity. Der Eigentümer Apax hatte zusammen mit dem Canada Pension Plan Investment Board und PSP Investments mit Beratern nämlich zuletzt noch über einen möglichen Börsengang des texanischen Unternehmens in San Antonio gesprochen. Freuen dürfte sich Apax trotzdem. Laut Zeitungsberichten dürfte der Finanzinvestor Apax mit dem Verkauf seinen ursprünglichen Einsatz mehr als verdreifacht haben.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.