Ölpreis: 5 Gründe für den Abwärtstrend seit Anfang Juli

Der Ölpreis kämpft schon lange mit Turbulenzen, doch seit Anfang Juli ist der Verfall erneut dramatisch. Binnen weniger Tage rauschten die Preise in die Tiefe.

Mehrere Faktoren kamen dabei zusammen und sorgten gemeinsam für einen weiteren Erdrutsch am Ölmarkt.

USA, Opec, Iran – steigendes Angebot

Erstens: Die USA steigern ihre Vorräte. Nachdem sich die Preise leicht erholt hatten, wurde in den Vereinigten Staaten wieder mehr gefördert. Erstmals seit Beginn des Jahres wurde wieder mehr Öl produziert. Die höheren Fördermengen sorgten für einen Anstieg der eingelagerten Ölbestände.

Zweitens: Die Opec-Staaten fördern immer mehr Öl. Die Organisation Öl exportierender Staaten (Opec) hat im Juni so viel Öl produziert wie zuletzt im August 2012. Branchenbeobachter zeigen sich schon seit einiger Zeit beunruhigt über die Tendenz, dass die Opec-Staaten angesichts des Preisverfalls ihre Fördermengen nicht etwa drosseln, sondern im Gegenteil sogar noch steigern – und damit die Abwärtsspirale noch weiter beschleunigen.

Drittens: Auch der Iran darf womöglich bald wieder mitmischen. In Wien verhandeln iranische Vertreter derzeit mit westlichen Außenministern über ein Atomabkommen. Sollte es zu einer Einigung kommen, könnten westliche Sanktionen gegen den Iran gelockert oder aufgehoben werden, sodass das Land wieder Öl exportieren könnte.

Binnen kürzester Zeit würde dann eine erhebliche zusätzliche Menge Öl auf den Weltmarkt gespült. Allerdings gestalten sich die Gespräche schwierig. Nach einer kurzfristigen Einigung sah es zuletzt eher nicht aus.

Angst um Griechenland und China – sinkende Nachfrage

Viertens: Angst um die Euro-Zone. Das Griechenland-Drama hat seit Wochen nicht nur die politische Bühne bestimmt, sondern auch an den Aktien- und Rohstoffmärkten für Furore gesorgt. Griechenland selbst gilt als relativ kleine Volkswirtschaft und Ölkonsument zwar nicht als ausschlaggebend.

Allerdings befürchteten Ökonomen Ansteckungstendenzen und eine mögliche Rezession im Euro-Raum. Die gröbsten Sorgen dürften nach den Brüsseler Beschlüssen vom Montag vorerst vom Tisch sein, doch solange sich die wirtschaftliche Lage in Griechenland nicht nachhaltig stabilisiert, schwebt die Krise als Damoklesschwert über der Währungsunion.

Fünftens: Chinas Wirtschaft schwächelt. Das Reich der Mitte ist der weltweit zweitgrößte Ölimporteur. Die anhaltende wirtschaftliche Schwäche, die sich zuletzt auch mit einem erheblichen Kursrückgang an den Aktienmärkten in Fernost bemerkbar machte, schlägt inzwischen auch auf die Ölnachfrage durch.

Im Mai importierte China 10 Prozent weniger Erdöl als im Vorjahreszeitraum. Allerdings erwarten Experten keinen weiteren Nachfragerückgang, sondern eher eine einsetzende Gegenbewegung. Die derzeit niedrigen Preise könnten demnach zu Vorratskäufen animieren.

Analysten senken Jahresprognosen

Zusammenfassend lässt sich der neuerliche Preisverfall am Ölmarkt also mit einem Mix aus Überangebot und schwächelnder Nachfrage erklären – und der Angst vor dem, was in nächster Zukunft womöglich noch kommen mag.

Erste Analysten haben daraufhin bereits ihren Daumen gesenkt und ihre Preisprognosen nach unten korrigiert. Rechneten sie bislang mit einem Preis von 60 Dollar je Barrel der Sorte Brent beziehungsweise 55 Dollar je Barrel der Sorte WTI bis zum Ende des laufenden Jahres, wurden diese Vorhersagen zuletzt um jeweils 5 Dollar gesenkt. Aktuell bewegen sich die Preise für beide Sorten zwischen 50 und 60 Dollar.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt jedoch: Nach dem heftigen Absturz Anfang Juli hat sich der Preis in beiden Fällen wieder gefangen und seit dem Tiefpunkt Mitte vergangener Woche etwas zugelegt.

14. Juli 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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