5 Jahre Lehman-Pleite: Zocken bis zum nächsten Crash

5 Jahre Lehman-Pleite: Zocken bis zum nächsten Crash. Die Zockerei in der Banken-Branche geht weiter. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

In dieser Woche gibt es ein trauriges Jubiläum: Die US-Bank Lehman Brothers hatte am 10. September 2008 verlauten lassen, dass sie, bedingt durch die Immobilienkrise in den USA, Verluste in Höhe von 3,9 Milliarden US-Dollar für das dritte Quartal 2008 erwartet.

Am 15. September 2008 musste schließlich der Insolvenzantrag gestellt werden.

Nachdem die amerikanische Regierung drei große Banken mit mehreren Milliarden US-Dollar gestützt hatte, war der politische Druck, weitere Banken nicht aufzufangen, zu groß geworden.

Der damalige amerikanische Finanzminister Henry Paulson verweigerte Lehman jegliche Staatshilfen.

Das führte, entgegen dem damals inoffiziell gültigen Grundsatz in der Bankenbranche too big to fail (zu groß, um zusammenzubrechen), zur endgültigen Insolvenz von Lehman Brothers.

5 Jahre sind diese Ereignisse jetzt her. Zeit für eine Zwischenbilanz: Was hat sich seitdem getan und gibt es die Gefahr einer erneuten Bankenkrise?

Droht ein neuer Bankencrash?

Laut Henry Paulson, dem ehemaligen amerikanischen Finanzminister, lautet die Antwort leider „ja“. Paulson warnt vor den viel zu großen Banken, die so mächtig seien, dass ihr Scheitern das Weltfinanzsystem erschüttern würde.

Blicken wir exemplarisch auf den amerikanischen Bankenmarkt: Die 5 größten US-Banken kommen heute auf eine Bilanzsumme von umgerechnet 6,3 Billionen Euro. Das sind 1,9 Billionen Euro mehr als noch im Jahr 2007.

Der Derivatemarkt, der als Hauptauslöser der Finanzkrise gilt, ist von 586 Billionen US-Dollar Ende 2007 auf aktuell knapp 633 Billionen US-Dollar gewachsen.

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Weitere Gefahren für das Finanzsystem

Eine weitere große Gefahr stellen die nahezu unregulierten Schattenbanken dar, die unaufhaltsam zu wachsen scheinen.

Genaue Zahlen sind schwierig zu ermitteln, aber die Gesamt-Bilanzsumme der sogenannten Schattenbanken beträgt nach Experten-Schätzungen rund 67 Billionen US-Dollar und ist damit bereits halb so groß wie der reguläre Bankensektor.

Allgemein gesagt, dürfte die Wahrscheinlichkeit, dass Banken und Versicherungen weiterhin risikoreiche Finanzprodukte entwerfen – vor allem auch angesichts der aktuellen Null-Zins-Politik der entscheidenden Notenbanken – äußerst groß bleiben.

Fazit: Es wird weiter gezockt

Die Zockerei geht also weiter. Zwar sind einige Maßnahmen eingeleitet worden, die einen Fall „Lehman 2“ verhindern sollen.

Das Hauptproblem bleibt jedoch bestehen: Es gibt weiterhin zahlreiche Banken, die so groß sind, dass eine Insolvenz den Markt ebenso erschüttern würde wie die Lehman-Pleite.

Die Gefahr einer Insolvenz einer Großbank dürfte mittelfristig u.a. durch die Reform „Basel III“ etwas reduziert werden.

Die Banken sollen mehr Eigenkapital aufbauen und Fremdkapital abbauen. Seit einigen Jahren gibt es von den Banken auch erste Schritte in diese Richtung.

Allerdings erhöhen ausgerechnet die Notenbanken die Risikoneigung der Geschäftsbanken. Angesichts der längerfristigen Null-Zins-Politik der Notenbanken müssen die Geschäftsbanken tricksen und kämpfen, wenn sie hohe Renditen erreichen möchten. Das fördert die Zockerei mit riskanten Finanzprodukten.

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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