5,5% Dividende – klarer Kauf?

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Dividendenkönige sind an der Börse stets beliebt. Doch wie ist das bei Enel? Wir haben die Aktie für Sie analysiert. (Foto: Sara Sette / shutterstock.com)

Versorger sind nicht zuletzt wegen der jüngsten Proteste rund um den Hambacher Forst in die Kritik geraten. Auch der bisweilen große Fokus auf Atomenergie und fossile Brennstoffe stößt nachhaltig denkenden Kunden oft sauer auf. Aus diesem Grund boomen auch Stromtarife mit Ökostrom. Doch noch immer können viele Versorger mit einer satten Dividende aufwarten.

Was bedeutet das für Anleger? Augen zu und durch? Wir glauben: Es kommt auch künftig auf die Details an. Aus diesem Grund haben wir den Dividendenkönig Enel für Sie unter die Lupe genommen. Sehen Sie, ob es sich lohnt, die 5,2% Dividendenrendite einzustreichen.

Nettogewinn legt um 9% zu

Enel ist der größte Stromversorger Italiens und befindet sich zum Teil noch in Staatsbesitz. Der Konzern richtet seine Aktivitäten durch Beteiligungen und Kooperationen zunehmend international aus. Kerngeschäftsfelder sind die Strom- und Gasversorgung. Enel ist bereits in 30 Ländern präsent und beliefert über 62 Mio Kunden.

Enel konnte im 1. Halbjahr nicht überzeugen. Der Umsatz lag um 1% unter dem Vorjahreswert. Der operative Gewinn konnte dank steigender Margen im Endkundengeschäft sowie dem Wachstum mit erneuerbaren Energien noch auf Vorjahreshöhe gehalten werden. Der Nettogewinn wurde durch geringere Finanzierungskosten und Steuern um 9% gesteigert.

Wachsen die Schulden Enel über den Kopf?

Mit der Übernahme des brasilianischen Energiekonzerns Eletropaulo hat Enel seine Marktposition in Südamerika gestärkt. Damit wechseln 7,2 Mio Haushalte in Sao Paulo ihren Stromanbieter. Im Gegenzug ist der Schuldenberg auf über 55 Mrd € angestiegen. Wir sehen das finanzielle Risiko damit als deutlich erhöht an, denn nach Abzug der Sachinvestitionen und Dividenden bleibt kaum noch etwas vom Cashflow für den Schuldendienst übrig.

Damit besteht auch die Gefahr für eine Verschlechterung der Bonitätseinstufung durch die Ratingagenturen und dies könnte die Finanzierungskosten wieder in die Höhe treiben. Standard & Poors bewertete die Bonität zuletzt noch mit BBB+, womit Enel schon nicht mehr zu den sichersten Anlagen zählte. Die Kapitaldienstfähigkeit wurde demnach als noch ausreichend bewertet, war aber nicht mehr vor negativen Entwicklungen gefeit.

Die Entwicklung von Umsatz und operativem Ergebnis konnte im 1. Halbjahr nicht überzeugen. Zudem weist Enel eine steigende und zunehmend besorgniserregende Verschuldung auf. Angesichts der nicht überzeugenden Fundamentaldaten haben wir eher durchwachsene Kursaussichten. Sie sehen, eine hohe Dividende ist noch lange nicht alles! Bleiben Sie bei Enel besser außen vor!


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.