5,7 Mrd. Euro: Übernahmeangebot für Scout24

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Der größte Buy-Out Deutschlands zeichnet sich ab. Zwei Private-Equity-Gesellschaften wollen Scout24 übernehmen. Zu einem hohen Preis. (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Nun ist es also doch passiert: Der Internetportalbetreiber Scout24, bekannt für seine Immobilien- und Autoportale, wird übernommen. Diesbezügliche Gerüchte schwirrten schon seit Wochen durch die Zeitungen. Deshalb ist allein die Größenordnung des Buy-outs überraschend: Die beiden Private-Equity-Gesellschaften Blackstone und Hellman & Friedman, die vor Jahren schon einmal bei dem Anzeigenportalbetreiber investiert waren, bewerten Scout24 mit 5,7 Milliarden Euro.

Größter Buy-Out Deutschlands – doch wie lange?

Auch das Management unterstützt diesmal das Angebot. Das zuvor abgegebene, um 2,50 Euro je Aktie niedrigere Übernahmeangebot, hatte der Vorstand noch für unzureichend erklärt.

Dieser kann sich damit immerhin auf die Fahne schreiben, Vorstand des größten börsennotierten Unternehmens Deutschlands zu sein, das je von einem Finanzinvestor übernommen wurde. Fraglich ist indes, ob sich das Internetunternehmen lange mit diesem Titel schmücken können wird. Denn die nächste Mega-Übernahme steht offenbar bereits bevor: Osram. Das Münchner Unternehmen hat zuletzt Gerüchte bestätigt, dass die Private-Equity-Investoren Bain und Carlyle den schwächelnden Leuchtenhersteller ins Visier genommen haben.

Angebot mit Hintertür

Allerdings kommt das Übernahmeangebot von Scout24 mit einigen Nebenbedingungen: Übernommen wird Scout24 nämlich nur, wenn eine Mindestannahmeschwelle in Höhe von 50% plus einer Aktie erreicht wird. Darüber hinaus wird das Übernahmeangebot eine “Market MAC”-Klausel beinhalten.

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Hinter der dreibuchstabigen Abkürzung verbirgt sich die „Material Adverse Change“-Klausel, also eine Regelung, die eintritt, wenn zwischen Abschluss und Vollzug eines Vertrags eine wesentliche nachteilige Änderung beim Zielunternehmen oder in seinem Marktumfeld eintritt. In diesem Fall haben sich die Bieterunternehmen das Recht eingeräumt, von ihrem Kaufangebot zurückzutreten, wenn der DAX bis zum Abschluss der Transaktion – in der Regel umfasst die Annahmefrist vier bis zehn Wochen – um mehr als 27,5% zurückgeht.

Damit vermeiden es die Käufer, einen Kaufpreis zahlen zu müssen, der sich im Nachhinein als zu hoch erweist. Dass dabei die Verkäufer, also die freien Aktionäre, einseitig benachteiligt werden, ist Teil des Spiels. So geht M&A eben heute.

Hohe Bewertung

Was sich die beiden Beteiligungsgesellschaften von der Übernahme versprechen, ist unklar. Denn weder soll Scout24 von der Börse genommen noch ein Beherrschungsvertrag abgeschlossen werden. Gleichzeitig ist die Übernahme alles andere als ein Schnäppchen. Bewertet wird Scout24 mit dem 17,6-fachen des für 2019 geschätzten operativen Ergebnisses (EBITDA). Nach oben wird die Luft also dünn.

Dennoch ist fraglich, ob der Übernahmepreis hoch genug war. Denn auch strategische Bieter wollen Scout24 als mögliches Übernahmeziel ausgemacht haben. So werden in den Medien immer wieder Axel Springer, die norwegische Schibsted-Gruppe oder Naspers, der größte Medienkonzern Afrikas als mögliche Interessenten geführt. Angesichts der bereits erreichten Bewertung ist es allerdings wenig ratsam, auf eine deutlich höhere Übernahmeofferte zu spekulieren.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.