60% Prämie: Schweizer Galenica übernimmt Relypsa

In der US-amerikanischen Pharma-Branche dreht sich das Übernahme-Karussell mit Höchstgeschwindigkeit weiter.

Diesmal heißt das Übernahme-Ziel Relypsa, ein auf Hyperkaliämie ausgerichtetes Biotech-Unternehmen.

Auf der Käuferseite steht die Schweizer Pharma-Gesellschaft Galenica und die Bieterin zeigte sich außergewöhnlich großzügig. Denn Galenica bietet 1,5 Mrd. Dollar für Relypsa.

Aktionäre freuen sich auf eine hohe Übernahme-Prämie von 60% auf den Schlusskurs vom Freitag.

Analyst: Übernahme-Angebot könnte noch torpediert werden

Die Aktie des Übernahme-Kandidaten zog innerhalb von Sekunden nach der Deal-Ankündigung auf Angebotshöhe – ein Zeichen dafür, dass der Markt eine reibungslose Transaktion erwartet.

Oder wird es vielleicht sogar noch mehr? Spekuliert wird das auch andere Pharma-Konzerne ein Interesse an Relypsa haben und der Preis trotz der hohen Prämie noch Luft hat.

Zu den potenziellen Interessenten gehört der französische Pharma-Konzern Sanofi, der allerdings an anderer Stelle um einen weitaus größeren Deal ringt.

Übernahme-Erfolg hängt von Valtessa-Erfolg ab

Dass Galenica für Relypsa bietet und eine 60% Prämie auf den Aktienkurs zahlt, sorgte für Unmut unter den Galenica-Aktionären. Die Aktie liegt in einem unveränderten Schweizer Gesamtmarkt am Mittag mit 8,5% im Minus.

Dies liegt vermutlich daran, dass der Erfolg des Deals zum Großteil von einem Faktor abhängt: Veltassa.

Das Hauptprodukt von Relypsa enthält nämlich in den USA gesonderte Warnungen, wie etwa, dass 6 Stunden lang kein anderes Medikament eingenommen werden darf und kann daher nur eingeschränkt genutzt werden.

Das Unternehmen wurde von der Einschränkung durch die Zulassungs-Behörde überrascht und versucht bis zur endgültigen Markteinführung die Warnung loszuwerden, doch ist ungewiss ob das gelingt.

Problematisch bleibt aber auch dann, dass von ZS Pharma – inzwischen von AstraZeneca übernommen – ein vergleichbares Medikament auf den Markt drängt, dass häufig als überlegen angesehen wird.

AstraZeneca hat für ZS Pharma einen viel höheren Übernahme-Preis gezahlt, vielleicht weil auch ein klarer Vorteil in dem ZS Pharma-Medikament gegenüber dem Relypsa-Medikament gesehen wurde.

Übernahmen füllen Biotech-Aktionären die Taschen

Dass die Übernahme-Welle durch den Biotech-Sektor so stark weiterrollt, ist schon beachtlich.

Ein Portfolio mit breit gestreuten Biotech-Aktien von Unternehmen, die mehr als einen Hoffnungsträger in der Pipeline  haben, dürfte sich in den vergangenen Jahren hervorragend entwickelt haben.

Dank der hohen Übernahme-Aktivität waren sogar Gewinne von über 1.000% drin. Bei Relypsa müssen sich Aktionäre der ersten Stunde mit 160% Gewinn „begnügen“.

Wer aber beispielsweise vor 5 Jahren in Aktien des Biotech-Unternehmens Medivation investierte, steht aktuell 1.363% im Plus.

Medivation der nächste Milliarden-Deal?

Nach Relypsa wird die Übernahme-Welle im Biotech-Sektor weitergehen:

Medivation wird aktuell sehr hoch gehandelt. Sanofi hatte ein erstes Übernahme-Angebot aufgestockt und prüft aktuell die Pipeline auf Werthaltigkeit. Das gleiche sollen auch die Pharma-Konzerne Celgene und Pfizer machen.

Die Aktie des Unternehmens, die auch Position in meinem Börsendienst American Targets ist, ist infolge der Übernahme-Spekulationen bereits kräftig angestiegen. Gerüchteweise will die Führungs-Spitze des Biotech-Unternehmens 65 Dollar je Aktie für einen Deal.

Kommt es zu einem Bieterkampf stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Forderung des Managements Gehör findet. Kommt es zu keinem Deal, dürfte die Aktie allerdings ziemlich tief fallen.

21. Juli 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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