DAX30: Die meisten Unternehmen planen zu vorsichtig

Der deutsche Aktien-Leitindex DAX ist heute nur hauchdünn an der 12.000-Punkte-Marke gescheitert. Das Tageshoch lag bei 11.990 Punkten.

Dieses Spitzen-Niveau konnte der DAX nicht ganz halten, aber ein Tages-Plus von über 1% kann sich sehen lassen.

Was mich positiv stimmt: Weder die Anleger noch die Unternehmen sind in Feierlaune. Das spricht gegen eine Blasen-Bildung am Aktienmarkt.

Wir befinden uns derzeit mitten in der aktuellen Berichts-Saison, in der die deutschen Unternehmen ihre Zahlen für das Jahr 2016 vorlegen und einen 1. Ausblick auf 2017 geben.

In vielen Fällen können Sie ein bestimmtes Muster erkennen: die 2016er Zahlen liegen über den Erwartungen, aber die Prognosen für 2017 sind eher verhalten.

Da die Investoren an der Börse die Zukunft handeln, wird ein vorsichtiger Ausblick oft mit einem Kursrücksetzer „bestraft“.

Aber ist diese Skepsis tatsächlich berechtigt? Nach meinen Analysen ist das nicht der Fall. Ich möchte das auch begründen:

Unabhängige Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Firmen in wirtschaftlich wichtigen Ländern wie den USA, Deutschland oder Japan die Gewinne im laufenden Jahr dynamisch steigern werden.

Ein Gewinn-Wachstum von 5% gilt als gut erreichbar. In der Spitze kann es in einigen Ländern auch ein knapp 2-stelliges Gewinn-Wachstum geben.

Das würde die entsprechenden Aktienkurse deutlich nach oben treiben.

Vorsichtige Prognosen aufgrund unsicherer Gesamtlage

Dennoch sind die Unternehmen offiziell mit den Prognosen recht vorsichtig. Der Grund: die Politik sorgt für Verunsicherung.

Um nur einige Stichworte zu nennen:

  • Türkei-Krise,
  • Russland-Krise,
  • BrExit,
  • Schuldenkrise Griechenland,
  • politisch brisante Wahltermine 2017 in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland,
  • die (noch) unberechenbare Politik des neuen US-Präsidenten Donald Trump,

Gleichzeitig gibt es jedoch einige Faktoren, die den Geschäfts-Verlauf vieler deutscher Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit beflügelt haben und auch weiterhin beflügeln werden.

So z. B. das nach wie vor sehr niedrige Zinsniveau (stärkt beispielsweise die Immobilien- und Baubranche) und der schwache Euro (stärkt die Export-Werte).

24 Prognose-Verfehlungen in 12 Monaten

Die Folge der politischen Unsicherheiten und der gleichzeitig vorhandenen positiven Einflussfaktoren für die Realwirtschaft: Prognosen sind für die Unternehmen schwieriger geworden.

Das zeigt sich auch in den Ergebnissen einer aktuellen Studie der Beratungs- und Prüfungs-Gesellschaft Ernst & Young (EY).

EY hat ermittelt, dass im vergangenen Jahr 19 der 30 DAX-Unternehmen ihre Prognosen im Jahresverlauf korrigieren mussten – teilweise sogar mehrfach.

Unter dem Strich waren das mehrheitlich sogar positive Korrekturen. In 16 Fällen wurde die Prognose erhöht, 8x ging es nach unten.

24 Prognose-Verfehlungen innerhalb von nur 12 Monaten haben die Vorstände der DAX-Konzerne noch nervöser gemacht. Daher werden in die Prognosen 2017 Sicherheitspuffer eingebaut.

Das Motto lautet: Mit einer Anhebung der Prognose kann der Markt gut leben, eine Senkung wird hart bestraft.

Fazit

Lassen Sie sich in diesen Tagen nicht von den relativ moderaten Prognosen der börsennotierten Unternehmen irritieren.

Bleibt im Jahresverlauf ein externer Schock aus, werden viele Prognosen im Jahresverlauf nach oben verschoben. Die Aktienkurse werden dann diesem positiven Trend folgen.

21. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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