Porr: Bau-Unternehmen auf Wachstumskurs

Die Diskussion um hohe Mieten und knappen Wohnraum in Ballungszentren gibt es nicht nur in Deutschland.

Die Baubranche scharrt bereits mit den Hufen und wünscht sich staatlich geförderte Bauprogramme und Subventionen.

Doch schon die hohen Immobilienpreise haben dafür gesorgt, dass es wieder mehr Bauprojekte gibt.

Adressaten sind natürlich eher diejenigen Mieter oder Eigentümer, mit denen auch gut zu verdienen ist.

Doch nicht nur in der Wohnwirtschaft gibt es einen Boom, auch im Bereich der Infrastruktur wird aktuell viel gebaut.

Der Branche geht es eigentlich gut. Wir haben für Sie einen Titel aus Österreich genauer unter die Lupe genommen:

Porr: Tradition verpflichtet

1869 gegründet, gehört Porr heute zu den größten Baukonzernen in Österreich.

Die Leistungen umfassen alle Bereiche der Bauwirtschaft vom Wohnbau bis hin zu komplexen Infrastruktur-Projekten.

Das Unternehmen gliedert sich seit 2016 in die Sparten

  • A-CH-CZ,
  • Deutschland,
  • Internationales,
  • Umwelttechnik/Healthcare & Services
  • sowie Holding.

Standorte befinden sich in 10 Ländern Europas sowie in Saudi-Arabien und Katar.

Die aktuellen Zahlen

Porr ist im 1. Halbjahr akquisitionsbedingt kräftig gewachsen:

Der Umsatz stieg um 17,4%, die Produktions-Leistung um 21,2% auf 2 Mrd. €, der Auftrags-Eingang um 13,5% auf 2,9 Mrd. € und der Auftrags-Bestand um 4% auf den Rekordwert von 5,7 Mrd €.

Der Gewinn brach jedoch nahezu vollständig weg.

Zum einen belastete die Integration von 2 Zukäufen in Deutschland die Ergebnis-Entwicklung, zum anderen verursachten die Sanktionen gegen Katar höhere Kosten in der Logistik.

Die Zukäufe hatten auch negativen Einfluss auf die Bilanz: Aus der Netto-Liquidität von 53,3 Mio. € zu Jahresbeginn wurde eine Netto-Verschuldung von 375 Mio. €.

Wann tragen die Investitionen Früchte?

Im September hat Porr noch die Übernahme der Salzburger Hinteregger Gruppe (Produktions-Leistung 2016: 220 Mio. €) abgeschlossen.

Damit hat man schließlich seine Marktposition in den Bereichen Untertage-, Tief- und Kraftwerksbau gestärkt.

Mithilfe der Übernahme will der Konzern Produktions-Leistung und Auftrags-Bestand in diesem Jahr kräftig steigern. Operatives Ergebnis und Gewinn werden dagegen geringer ausfallen.

Das Management ist aber davon überzeugt, dass sich die Investitionen in externes Wachstum mittelfristig auszahlen werden.

Voraussetzung für eine Trendwende bei der Profitabilität ist aber auch eine rasche Normalisierung der Lage in Katar. Andernfalls sind hohe Abschreibungen auf 3 laufende Großprojekte nicht auszuschließen.

Die Aktie hat seit Februar kräftig an Wert verloren. Noch gibt es keine Anzeichen für eine Trendumkehr.

Das Management muss erst beweisen, dass die Vorteile der Akquisitionen die hohen Investitionen rechtfertigen. Bleiben Sie der Aktie besser noch fern!

16. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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