Aramco: Größter Börsengang aller Zeiten?

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Saudi Arabien bringt Aramco für den geplanten Börsengang in Stellung. Es könnte die größte Platzierung aller Zeiten werden. (Foto: testing)

Es war das beherrschende Thema an den Börsen zum Wochenauftakt: Saudi Arabien will den schon seit längerem angekündigten Börsengang des weltgrößten und bislang rein staatlichen Ölkonzerns Aramco vorantreiben. Möglicherweise werden bereits im Dezember die ersten Papiere zu haben sein.
Zwar will das Königshaus nur ein paar Prozent des Unternehmens in den Streubesitz geben, doch schon das dürfte Milliarden einbringen. Die Einnahmen will das Land nutzen, um in andere Wirtschaftszweige zu investieren und somit langfristig unabhängiger zu werden von seinen Rohstoffreserven, die bislang den Reichtum der Golfstaaten sichern.

Nachfrageentwicklung: Bleibt die Welt öldurstig?

Schon entbrennen Debatten darüber, wie sich der Durst des Westens nach dem Öl in den kommenden Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird. Einerseits setzen immer mehr Staaten auf erneuerbare Energien: Solarpanels, Windräder, Wasserkraftanlagen sind auf dem Vormarsch, der Spritverbrauch der Autos sinkt und soll mit dem Wechsel vom Verbrennungsmotor zu alternativen Antriebsformen mittelfristig ganz verschwinden. Dies könnte potenzielle Anleger davon abschrecken, ausgerechnet in die saudische Ölindustrie zu investieren.
Andererseits jedoch gab die Organisation Öl exportierender Staaten (OPEC) gerade erst eine aktuelle Prognose heraus, wonach sie davon ausgeht, dass der Bedarf nach dem Rohstoff in den kommenden beiden Jahrzehnten stetig wachsen wird und Öl auf absehbare Zeit global betrachtet der wichtigste Energieträger bleiben wird.

OPEC rechnet mit Anstieg um 25 Prozent

Zwar sorgt die Konjunkturflaute für ein schwieriges Marktumfeld, doch perspektivisch dürften vor allem die Entwicklungs- und Schwellenländer deutlich höheren Bedarf anmelden, allen voran die bevölkerungsreichsten Staaten der Erde: China und Indien. Hier lebt zusammengenommen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung – und beide Länder sind dabei, wirtschaftlich massiv an Bedeutung zu gewinnen, was auch zu einer steigenden Konsumkraft und Nachfrage in der jeweiligen Bevölkerung beiträgt.
Für die kommenden 20 Jahre rechnet die OPEC daher mit einem Anstieg der Ölnachfrage um rund 25 Prozent – bei Aramco dürften demnach die Einnahmen sprudeln.

Imagepflege für Saudi Arabien?

Das ist ganz im Sinne des saudischen Königshauses, das unter anderem den Tourismus stärker ankurbeln will. Zu diesem Zweck werden innerhalb kürzester Zeit riesige Freizeitparks aus dem Boden gestampft, die Rechte der Frauen gestärkt, die beispielsweise neuerdings selbst Auto fahren dürfen, und massive Imagekampagnen gefahren. Der Ruf des Golfstaats ist nicht der beste und hat nicht zuletzt durch den Mord an dem kritisch berichtenden Journalisten Jamal Khashoggi im vergangenen Jahr noch einmal deutlich gelitten.
Der Börsengang von Aramco könnte dennoch Geschichte schreiben. Schätzungen zufolge könnte es einer der größten Börsengänge aller Zeiten werden. Den Rekord hält bislang der chinesische Konzern Alibaba, dessen Börsengang vor fünf Jahren 25 Milliarden Dollar erzielte. Je nachdem, wie viel Prozent von Aramco letztlich platziert werden, könnte diese Marke geknackt werden.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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