88% Aufschlag: Nächster Prämienhammer bei einer Biotech-Übernahme

In der Biotechbranche dreht sich das Übernahme-Karussell immer schneller. Und wieder sind Aktionäre des Übernahme-Ziels die großen Gewinner. (Foto: Denis Linine / Shutterstock.com)

Biotech-Investoren hatten es im Zuge des schwachen ersten Quartals von Technologie-Aktien nicht leicht. Über 10% fiel der iShares Biotech-ETF vom 12. März bis zum vergangenen Freitag zurück. Besonders kleine und mittelgroße Biotech-Unternehmen kamen spürbar unter Druck.

Dem schwachen Branchentrend konnte sich auch die Avexis-Aktie nicht widersetzen. Koatete die Aktie Anfang März noch 137 Dollar, wurden am Freitag weniger als 116 Dollar je Aktie gezahlt – ein Minus von mehr als 15%.

Wer sich von der Talfahrt jedoch unbeeindruckt zeigte, für den hat sich das Durchhaltevermögen gelohnt. Denn heute schießt das Papier im vorbörslichen Handel um über 80% nach oben. Grund: Übernahme!

Avexis-Langfristinvestoren mit über 1.000% Gewinn in 3 Jahren

Der Schweizer Pharma-Konzern Novartis einigte sich über das Wochenende mit dem Avexis-Management auf einen Deal im Volumen von 8,7 Mrd. Dollar. Je Aktie bietet Novartis 218 Dollar – eine Prämie von 88% auf den Vortagesschlusskurs und eine Prämie von 72% auf den 30-Tages-Durchschnittskurs.

Während das bereits ein überragender Erfolg für die Aktionäre des Biotech-Übernahme-Kandidaten ist, haben die bereits längerfristig investierten Anleger eine Traumrendite von über 1.000% erzielt. Noch im Frühjahr 2016 kostete die Aktie gerade einmal 16 Dollar.

Hohe Übernahme-Prämien in 2018 auch bei anderen Biotech-Deals

Es ist nicht die erste Milliarden-Übernahme eines US-Biotech-Übernahme-Kandidaten, bei dem eine hohe zweistellige Prämie fließt und bei dem es sich gelohnt hat, trotz fallender Kurse investiert zu bleiben.

Aktionäre des australischen Biotech-Unternehmens Viralytics kamen vor wenigen Wochen in den Genuss einer 184% hohen Übernahme-Prämie, als der US-Pharma-Riese Merck zuschlug. Zuvor hatte die Aktie über 30% an Wert eingebüßt.

Weitere Beispiele aus diesem Jahr beinhalten den US-amerikanischen CAR-T-Spezialisten Juno Therapeutics mit 90% Prämie und den belgischen Übernahme-Kandidaten Ablynx, bei dem nach einem Bieterkampf eine Prämie von über 100% fällig wurde.

Novartis könnte im Gentherapie-Bereich weiter zukaufen

Novartis baut mit Avexis sein Gentherapie-Geschäft aus und es wird erwartet, dass dieser Deal nicht der letzte der Schweizer in dem Bereich war. Nach dem Verkauf seines Joint Venture-Anteils für rezeptfreie Mittel hat der Konzern noch viele Milliarden in der Kasse, um aktiv zu werden.

Die Investoren begrüßen den Kurs, wurde Novartis unlängst noch mangelnde Innovationskraft vorgeworfen. Mit Übernahmen lässt sich dieses Problem jedoch lösen – speziell wenn dem Hauptmedikament des Übernahme-Kandidaten Blockbuster-Potenzial (> 1 Mrd. Dollar Umsatz) nachgesagt wird.

So sind die Novartis-Investoren auch trotz der hohen Prämie zufrieden mit dem Deal und greifen zu. Die Aktie verteuert sich am Vormittag um 0,5%.

Biotech-Investitionen mit hohen Gewinnchancen – aber auch schwankungsstark und risikoreich

In den kommenden Tagen werden natürlich Spekulationen ins Kraut schießen, welchen Gentherapie-Übernahme-Kandidaten Novartis als nächstes übernehmen könnte. Ein genauerer Blick könnte sich also lohnen – aber auch abseits dieses Spezialfelds gibt es große Gewinnchancen.

Denn für 2018 wird der kompletten Biotech-Branche ein Übernahme-Boom prognostiziert – und die Prämien auf den Aktienkursen sind im Falle eines Deals äußerst attraktiv. Da Biotech-Investitionen allerdings sehr schwankungsstark und vergleichsweise auch risikoreicher (Forschungsmisserfolg) sind, bietet sich nicht für jeden Anleger der Einstieg in Einzeltitel an.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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