Enel verkauft seine Anteile am Glasfasernetz-Betreiber Open Fiber

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Der italienische Energieversorger Enel will seine 50%igen-Anteile an dem Glasfaser-Betreiber Open Fiber verkaufen. Das sind die Gründe und Folgen. (Foto: Sara Sette / shutterstock.com)

Der führende italienische Energieversorger Enel S.p.A. (Società per azioni – deutsch: Aktiengesellschaft) hat am Freitag bekannt gegeben, dass es sich von seiner 50%igen Beteiligung an dem italienischen Glasfasernetz-Betreiber Open Fiber S.p.A. trennen wird.

10% der Open Fiber-Anteile übernimmt der staatliche Kreditgeber Cassa Depositi e Prestiti S.p.A. (CDP). Die restlichen 40% der Anteile gehen an die australische Fondsgesellschaft Macquarie Infrastructure & Real Assets (Mira).

Deal mit längerer Vorgeschichte

Bereits am 17. September 2020 hatte Enel mitgeteilt, dass ihr ein Angebot der australischen Fondsgesellschaft Macquarie für seine Beteiligung an Open Fiber vorliege. Darin wurde das Glasfaserunternehmen insgesamt mit 7 Mrd. Euro (8,3 Mrd. US-Dollar) bewertet.

Das von Mira vorgelegte verbindliche Angebot für die 50%ige Beteiligung belief sich auf einen Wert von insgesamt 2,65 Mrd. Euro (ohne Schulden). Die damalige italienische Regierung unter Ministerpräsident Conte begrüßte zwar das Angebot der Australier, bestand aber darauf, dass Mira weniger als die Hälfte der Anteile des italienischen Unternehmens erhalten sollte.

Die Conte-Regierung wollte die Kontrolle über das strategisch wichtige Breitbandnetz nicht gänzlich aus der Hand geben und verwies darauf, dass der zweite Anteilseigner der Open Fiber, die staatliche CDP, in jedem Fall ein Vorkaufsrecht hätte.

Open Fiber bleibt mehrheitlich in italienischem Besitz

Daraufhin hat die staatseigene CDP dem Energieriesen Enel ein Angebot für einen 10%igen Anteil an Open Fiber unterbreitet. In dieser Offerte hat sich die staatliche Förderbank bereit erklärt, für das Zehntel 530 Mio. Euro an Enel zu zahlen. Dieses Angebot wurde am vergangenen Freitag vom Enel-Vorstand akzeptiert.

Durch diesen Deal wird die CDP, die bisher ebenfalls 50% der Open Fiber-Anteile gehalten hat, mit einer nunmehr 60%igen Beteiligung Mehrheitsaktionär der Open Fiber. Parallel zum Verkauf an CDP veräußert Enel seine verbleibenden 40% an Open Fiber zu den gleichen Bedingungen an Macquarie.

Der Preis beinhaltet die Übertragung eines Gesellschafterdarlehens, das Enel an Open Fiber gewährt hat. Darüber hinaus wurde vereinbart, dass Enel einen Anspruch auf eine erfolgsabhängige Zusatzzahlung (Earn-Out) hat, falls Open Fiber einen anhängigen Rechtsstreit gegen die Telefongesellschaft Telecom Italia gewinnt.

Deal könnte zu einer Zusammenlegung der italienischen Glasfasernetze führen

Die Transaktion könnte dazu führen, dass die von der Conte-Regierung forcierte Zusammenlegung des italienischen Glasfaserausbaus in eine Hand realisiert wird. Dadurch könnten unnötige Doppel-Investitionen in den Glasfaserausbau vermieden werden.

Der führende Glasfasernetz-Betreiber Italiens ist der Telefonkonzern Telecom Italia S.p.A. CDP ist mit knapp 10% an der Telecom Italia beteiligt und somit der zweitgrößte Aktionär des ehemaligen Telefonmonopolisten.

Als künftiger Mehrheitsaktionär bei Open Fiber und Großaktionär der Telecom Italia könnte die CDP auch die gewünschte Fusion der beiden Glasfasernetz-Betreiber vorantreiben. Unklar ist jedoch noch, wie die neue Draghi-Regierung zu dieser Fusion steht.

Auf eine mögliche Fusion der beiden italienischen Glasfaser-Betreiber spekulierten zumindest die Investoren. So sprang der Kurs der Telecom-Italia-Papiere an der Mailänder Börse am vergangenen Freitag um stolze 3,92% nach oben und ging mit 0,4563 Euro ins Wochenende.

Enel geht davon aus, dass der Verkauf seiner Open-Fiber-Anteile an CDP und Macquarie bis Ende November 2021 abgeschlossen werden kann.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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