90%-Zustimmung: Jetzt können nur noch die Behörden Cignas Deal stoppen

Der Markt glaubt nach der Zustimmung der Aktionäre, dass die Express Scripts-Übernahme in trockenen TÜchern ist, doch das Justizministerium hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die Übernahme des US-Pharma-Benefit Managers Express Scripts durch den US-Krankenversicherer Cigna hat eine weitere Hürde genommen. Am vergangenen Freitag wurde der Übernahme-Plan den Aktionären beider Lager zur Abstimmung vorgelegt und diese votierten mit überwältigender Mehrheit für die Transaktion.

Von den anwesenden Cigna-Aktionären wählten 90% für die 67 Mrd. Dollar schwere Übernahme, bei der parallel verlaufenden Express Scripts-Versammlung stimmten sogar 99% für den Deal.

Hohe Zustimmung trotz berechtigter Icahn-Kritik

Die sehr hohe Zustimmungsquote ist dann doch eine positive Überraschung für das Cigna-Management. Anfang August mischte sich Übernahme-Aktivist Carl Icahn in die Übernahme-Pläne ein und versuchte den Deal zu torpedieren.

Icahn deckte sich mit Short-Positionen auf den Übernahme-Kandidaten Express Script ein und führte dann verschiedene Gründe an, warum der Deal überteuert ist. Die Kritikpunkte waren im Kern berechtigt, doch die einseitig ausgefallene Kampagne konnte die großen Investoren in dem sehr kleinen Zeitfenster nicht mehr umstimmen.

Nachdem Beratungsgesellschaften für institutionelle Investoren sich auf die Seite des Managements begaben, stoppte Icahn dann auch den Versuch, die Übernahme zu Fall zu bringen.

Doch nach der bereits erfolgten Icahn-Kritik wäre es nicht verwunderlich gewesen, wenn sich mehr als 10% der Cigna-Investoren gegen die Übernahme gestellt hätten. Die jetzt sehr große Unterstützung zeigt, dass viele Investoren vom Mehrwert der Transaktion überzeugt sind. 

Aktie des Übernahme-Kandidaten nur noch 4% unter Angebotspreis

An der Börse reagierten die Aktien der beiden Gesellschaften mit kleinen Aufschlägen auf die Abstimmungsergebnisse. Heute Morgen kostet die Express Scripts-Aktie im frühen US-Handel 87,90 Dollar und notiert damit weniger als 5% unter dem rechnerischen Angebotspreis.

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Der Markt rechnet also mit einem reibungslosen Dealabschluss, der für Ende dieses Jahres vorgesehen ist. Doch noch ist es nicht soweit. Die Übernahme unterliegt der Zustimmung der Justizbehörde und dass die – wie vom Markt angenommen – den Deal einfach nur abnickt, ist nicht sicher.

Arbitrage-Jäger sollten nicht mehr einsteigen

Seitdem die Wettbewerbsbehörden die Time Warner-Übernahme durch AT&T genehmigt haben, sind viele Investoren der Ansicht, dass vertikale Übernahmen – also entlang der Wertschöpfungskette – es einfacher haben.

Bei horizontalen Übernahmen – also der Übernahme eines Konkurrenten – ist die Prognostizierbarkeit, ob eine Übernahme genehmigt wird, häufig gut möglich. Der Prozess hat sich in den vergangenen Jahren auch nach einem Politwechsel nicht wesentlich verändert, die Kennzahlen zur Marktkonzentration, auf die die Behörde schaut, sind gleich.

Die herkömmlichen Kriterien bei vertikalen Übernahmen gibt es jedoch nicht. Auch spielt bei solchen Deals die politische Farbe eine wichtigere Rolle. Da Cigna und Express Script versprechen, die Kosten für die Patienten zu reduzieren, ein erklärtes Ziel der Trump-Politik, wird damit gerechnet, dass der Deal freigegeben wird.

Die Übernahme soll Synergien von über 600 Mio. Dollar mit sich bringen. Viel Geld, dass wirklich den Patienten zugute kommen könnte. Doch was ist, wenn das Justizministerium befürchtet, dass sich die beiden Übernahme-Partner lediglich das Geld in die eigenen Taschen stecken? Dann wird die Bewilligung alles andere als ein Selbstläufer.

Es sieht zwar gut aus für den Deal und eine Genehmigung ist wahrscheinlich. Für rund 5% Gewinnchance (in etwa 4 Monaten) ist aus Sicht des Übernahme-Sensors das Restrisiko für den jetzigen Aufbau einer Position allerdings zu groß.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.