A.S.-Création-Aktie: Tapetenhersteller nach Kartellstrafe auf Talfahrt

Die Anleger des Tapetenherstellers A.S. Création haben im Moment wirklich nichts zu lachen. Hier erfahren Sie alles über die Probleme: (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Anleger des Tapetenherstellers A.S. Création haben im Moment wirklich nichts zu lachen:

Erst drückte die operative Geschäfts-Entwicklung die Aktie in die Knie, jetzt sorgte die gemeldete Kartellstrafe für zusätzlichen Abwärts-Schwung.

Seit Jahresanfang notieren die Papiere mittlerweile 25% im Minus und liegen damit weit abgeschlagen hinter dem breiten Aktienmarkt.

Indizes für deutsche Nebenwerte wie der MDAX haben im gleichen Zeitraum um 16% an Wert zugelegt, der TECDAX konnte sogar um 37% an Wert gewinnen.

A.S. Création: Führender Tapetenhersteller Europas

Vielleicht ist Ihnen die Firma A.S. Création gar kein Begriff, aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie die Produkte des Unternehmens schon einmal in den Händen hatten.

Denn trotz des geringen Börsenwerts von gerade einmal 60 Mio. € ist A.S. Création der größte Tapetenhersteller Europas.

Beeindruckend: Die Gummersbacher Firma ist für mehr als 30% der Tapeten-Umsätze in Deutschland verantwortlich.

Deutschland und Frankreich sind die wichtigsten Märkte und stehen zusammen für deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes.

In der EU insgesamt werden mehr als 80% des Umsatzes erzielt.

Breites Sortiment wird auf zahlreichen Vertriebswegen angeboten

In enger Zusammenarbeit mit seinen Tochter-Gesellschaften in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Russland bietet der Konzern ein breites Sortiment an.

Dabei werden die verschiedenen Produkte über ein eigenes Vertriebsnetz an Fachhändler und Einrichtungshäuser, aber auch an Privatkunden verkauft.

Über den firmeneigenen Onlineshop können die Kunden unter einer breiten Auswahl unterschiedlichster Tapeten und Dekorstoffe wählen und diese nach Hause liefern lassen.

Neben Eigenmarken wie living walls, AS Creation, innova oder Fuggerhaus unterhält der Konzern auch Kooperations-Partnerschaften mit Esprit, Schöner Wohnen oder XXL Wallpaper.

Rückläufiger Umsatz und sinkende Gewinne

In den vergangenen Jahren lief es allerdings nicht wirklich rund für den Gummersbacher Konzern. Denn A.S. Création wurde gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen:

Zum einen schwächte sich die Nachfrage nach Tapeten in Westeuropa schrittweise ab.

Zum anderen brachten die entstandenen Überkapazitäten und steigende Rohstoffpreise den Tapetenhersteller in eine schlechte Verhandlungs-Position.

Die Preissetzungsmacht war gering. Verschlimmert wurde die Situation noch durch die Rubel-Schwäche, welche die Export-Aussichten für den Absatz nach Russland deutlich eintrübte.

Kartellstrafe fällt höher aus als erwartet

Als wäre das nicht genug, wurde der Konzern jetzt noch als Mitglied des sogenannten „Tapeten-Kartells“ zu einer saftigen Geldstrafe von 13,9 Mio. € verurteilt.

Mit seinen Geldbußen ging der Kartell-Senat z. T. deutlich über die Strafen hinaus, die 2014 vom Bundeskartellamt verhängt wurden.

Die Kartellbehörde sieht es als erwiesen an, dass A.S. Création 2006 und 2008 an Preisabsprachen mit anderen Tapetenherstellern beteiligt war.

Gegen den Bußgeld-Bescheid war das Unternehmen juristisch vorgegangen. Maßgeblich für die höhere Strafe war insbesondere Folgendes:

dass der Senat für die Bemessung des höchstmöglichen Bußgeldes den weltweiten Umsatz derFirmen zugrunde gelegt hat und nicht nur denjenigen, der von den Preis-Absprachen betroffen war.

Strafe könnte zu kräftigen Liquiditäts-Abfluss führen

Dass auch der Tapetenhersteller nicht mit diesem Urteil gerechnet hat, zeigt Ihnen ein Blick in die Bilanz.

Denn A.S. Création hatte die im Jahr 2013 gebildete Rückstellung von 2 Mio. € bereits im Jahr 2014 an die Behörde gezahlt.

Sollte die Klage rechtskräftig werden, dürfte der Konzern nochmals 11,9 Mio. € an Aufwand und Liquiditäts-Abfluss zu verzeichnen haben.

Keine schnelle Trendwende in Sicht

Für Anleger gibt es aktuell keinen Grund auf eine schnelle Trendwende zu setzen.

Zwar läuft der Bau der neuen Fabrik in Weißrussland nach Plan und dürfte im nächsten Jahr fertiggestellt sein. Damit kann der Konzern mit dem Einstiegssegment einen neuen Markt bedienen.

Die Überkapazitäten dürften aber vorerst anhalten und der Druck auf die Preise daher nicht spürbar abnehmen.

Bis sich die Gewinnmargen stabilisieren, dürfte es noch einige Zeit dauern. Mögliche Erholungen in der Aktie dürften daher eher spekulativen Charakter haben.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.