Aareal Bank ist auf den Radarschirm aktivistischer Investoren

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Die Aareal Bank ist auf den Radarschirm aktivistischer Investoren geraten. Die Aktie ist daraufhin deutlich angesprungen. (Foto: unknown)

Immer häufiger machen in Deutschland aktivistische Investoren von sich reden. Sie werden aktivistisch genannt, weil sie – anders als normale Fondsgesellschaften – aktiv und häufig mit lautem Getöse die Entscheidungen des Vorstands kritisieren und Alternativen einfordern.

Sie rechtfertigen ihre Kritik häufig damit, dass der Vorstand nicht das tut, wofür er bezahlt wird, nämlich den Shareholder Value, also das Aktionärsvermögen, zu maximieren, sondern aus Faulheit, Hybris oder Unvermögen das ihm anvertrauten Konzernvermögen nicht optimal verwaltet. In diesem Fall wären die einzelnen Teile eines Unternehmens mehr wert als die aktuelle Marktkapitalisierung. Aktivistische Investoren fordern daher die Zerschlagung in seine Einzelteile oder zumindest Abspaltung von Unternehmensteilen.

Meist große Unternehmen im Visier

Für ihre Attacken suchen sich die aktivistischen Investoren meist angeschlagene Großkonzerne heraus. Der schwedische Hedgefonds Cevian Capital etwa, der sich, unterstützt von der Wall Street-Legende Carl Icahn, in nur wenigen Jahren zum größten aktivistischen Investor Europas entwickelt hat, beschreibt sein Vorgehen auf seiner Webseite so, dass im Fokus des Interesses gesunde Unternehmen stehen, die „übersehen, missverstanden oder bei den Investoren in Ungnade gefallen sind”.

In der Vorgehensweise unterscheiden sich die aktivistischen Investoren nicht voneinander. Zunächst kaufen die Hedgefonds unauffällig Aktien des Zielunternehmens auf. Später werden die Bestände aufgestockt und nach dem Überschreiten der 3%-Schwelle, die der BaFin gemeldet werden muss, Forderungen nach einer Änderung der Unternehmensführung gestellt.

Diese Forderungen werden nach und nach immer lauter und von einer umfassenden Marketingkampagne begleitet, zum Beispiel durch Interviews etwa in den führenden Finanzzeitschriften. Um den Druck auf die Geschäftsleitung zu erhöhen, wird dem Vorstand sogar mit Schadensersatzklagen gedroht, sollte er sich nicht den Forderungen fügen.

Fehlende Synergieeffekte

Nun ist auch die deutsche Aareal Bank ins Visier von aktivistischen Investoren geraten. Das im MDAX gelistete Unternehmen, das bis 2002 als DePfa Deutsche Bau- und Boden Bank firmierte, ist nach eigenen Angaben ein führender Anbieter von smarten Finanzierungen, Software-Produkten und digitalen Lösungen für die Immobilienbranche und angrenzende Industrien. Damit offenbart sich bereits der Anknüpfungspunkt für einen Hedgefonds: Denn zwischen IT-Consulting und Immobilienfinanzierungen können auf den ersten Blick nicht wirklich Synergieeffekte ausgemacht werden.

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Das hat auch der aktivistische Hedgefonds Teleios Capital Partners erkannt, der nun die Herauslösung der IT-Tochter Aareon aus dem Aareal-Bank-Konzern fordert. Laut einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Brief, aus dem die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert, unterscheidet sich Aareon stark vom Mutterunternehmen. Sollte die IT-Tochter weiterhin im Aareal-Konzern verbleiben, würde sie möglicherweise nicht ihr „volles Potenzial“ ausschöpfen.

Bis zu 60% des Marktwertes

Auch die aktuelle Vorstandsstrategie, an Aareon festzuhalten und sich möglicherweise mit einem strategischen Minderheitsinvestor zusammenzutun, würde nicht im Interesse der Aktionäre liegen. Schätzungen von Teleios Capital Partners zufolge könnte eine Einzelbewertung von Aareon bis zu 60 % der Marktkapitalisierung von Aareal betragen.

Denn die Aareon Gruppe, die sich selbst als das führende Beratungs- und Systemhaus für die Immobilienwirtschaft in Europa bezeichnet und in Deutschland einen Marktanteil von 60 % bei sogenannten ERP-Lösungen zur Steuerung der in der institutionellen Wohnungswirtschaft ablaufenden Geschäftsprozesse, ist mit einem operativen Halbjahresergebnis von 17 Millionen Euro in der Tat kein unbedeutender Player im Softwaremarkt.

Der Kurs hat bereits reagiert

Die Aareal Bank reagierte, wie erwartet. Zunächst hat ein Unternehmensvertreter am Freitag den Erhalt des Briefes bestätigt. Natürlich pflege man einen „konstruktiven Dialog“ mit seinen Investoren, und auch dass der Vorstand fortlaufend wertschaffende strategische Optionen im „Interesse aller Stakeholder“ überprüft, war in der Vergangenheit so ähnlich bereits von anderen Unternehmen zu hören gewesen, nachdem sie in das Interesse aktivistischer Investoren geraten waren.

Der Kurs hat daraufhin bereits reagiert. Am Freitag zählte die Aktie der Aareal Bank mit einem Plus von 5,2% zu den Tagesgewinnern in Deutschland.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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