AB Inbev-Aktie: Weltgrößter Bierbrauer prüft Börsengang seiner Asien-Sparte

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

Brauereiriese AB Inbev prüft Teilverkauf seines Asiengeschäfts. Der enorme Schuldenberg könnte dadurch reduziert werden. Anleger treiben die Aktie nach Spekulationen nach oben. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Auf dem Markt für Übernahmen und Fusionen geht es seit Jahresbeginn wieder heiß her. Nachdem wir zahlreiche Deals im Pharmasektor gesehen haben, machten vergangene Woche Spekulationen um den weltgrößten Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev die Runde. Der Konzern prüft offenbar einen Teilverkauf seine Asien-Geschäfts über die Börse. Was sich auf den ersten Blick vielleicht nicht sonderlich spannend anhört, hat es aber durchaus in sich.

Laut Angaben des Nachrichtendienstes Bloomberg peilt der Brauereigigant nämlich eine Bewertung von 70 Milliarden Dollar an. Im Umkehrschluss könnte der Teilverkauf satte 5 Milliarden Dollar in die Firmenkasse spülen. Kein Wunder also, dass sich die Aktie in der Spitze um mehr als 7% verteuerte.

Für die Anleger dürfte die jüngste Kursreaktion dennoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Im vergangenen Jahr enttäuschten die Papiere die Investoren mit einem satten Kursverlust von 38%.

AB Inbev – der König der Biere

Bevor ich auf den möglichen Deal eingehe, möchte ich Ihnen aber erst einmal AB Inbev näher vorstellen. Vielleicht ist Ihnen der Name gar kein Begriff, aber die Produkte des Konzerns kennen Sie bestimmt. Immerhin ist Anheuser Busch Inbev eine der größten Brauereien der Welt, die 2008 aus der Fusion der belgischen InBev-Gruppe mit der amerikanischen Anheuser-Busch entstand.

Nach der Übernahme im Oktober 2016 der SABMiller für mehr als 100 Milliarden Dollar beinhaltet das Produktportfolio des Konzerns über 400 Marken wie beispielsweise Budweiser, Corona, Stella Artois, Beck’s, Leffe, Pilsner Urquell und Jupiler. Mit Produktionsstätten und Niederlassungen in Europa, Asien-Pazifik, Mexiko, Nordamerika und Lateinamerika ist der Konzern international aktiv.

Mittlerweile ist die Größe des Konzerns wirklich beeindruckend. Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei dem Bierspezialisten 56,44 Milliarden Dollar an Umsatz durch die Bücher. Unterdessen belief sich der Jahresgewinn zuletzt auf 7,99 Milliarden Dollar, was einer Gewinnspanne von 14,16% entspricht.

Milliarden-Deal zum Schuldenabbau

Auch wenn es sich bislang nur um Spekulationen handelt, die Dimensionen eines möglichen Börsengangs des Asiengeschäfts sind imposant. Allerdings wurde die in den Raum gestellte Bewertung des Geschäfts von Brancheninsidern bereits als deutlich überzogen eingestuft. Sollte der Konzern wirklich 5 Milliarden Dollar an Zufluss erhalten, dürfte das Geld vornehmlich in den Abbau der Schulden fließen. Sie müssen wissen: Über Jahrzehnte hat der in Belgien ansässige Brauer InBev einen Wettbewerber nach dem anderen geschluckt. Vor zehn Jahren war es der Amerikaner Anheuser-Busch.

Zwar stammt mittlerweile jedes dritte weltweit verkaufte Bier aus dem Konzern, aber die Expansion hat sich deutlich in der Bilanz niedergeschlagen. Mit Schulden von 109 Milliarden Dollar ist AB Inbev so stark verschuldet wie kein anderer in der Lebensmittelbranche.

Asien liefert 14% der Gesamtumsätze

Unter dem Strich steht das im Raum stehende Asien-Geschäft für 14% der Umsätze des Gesamtkonzerns und steuerte zuletzt 12% zum operativen Ergebnis bei. Im dritten Quartal 2018 legte der Absatz in Asien-Pazifik im Vorjahresvergleich um 0,8 % zu. Die Umsätze kletterten um 5,2 % und die EBITDA-Marge erhöhte sich um gut 3% auf 36,8 %.

Asien gilt unter Insidern als ein hart umkämpfter Schlüsselmarkt für die Brauereikonzerne, da der Konsum in Nordamerika und Europa seit Jahren sinkt. Rund ein Drittel des Gewinns, den der Konzern in Asien-Pazifik macht, kommt aus China. Den größten Teil trägt allerdings der australische Markt bei.

AB Inbev mit schwachen Zahlen

Zuletzt hatten Investoren das Management von AB Inbev hart kritisiert, nachdem die Ergebnisse die Erwartungen verfehlt hatten und das Unternehmen die Dividende aufgrund der Absatzschwäche in den Kernmärkten USA und Brasilien halbiert hatte. In den ersten drei Quartalen 2018 sanken die Umsätze im Gesamtkonzern um 3,5%. Bei den Gewinnen ging es sogar um 15,2% in den Keller.

Ein großer Deal mit einem satten Cash-Zufluss zum Schuldenabbau käme den Investoren daher gerade recht. Denn in Zeiten steigender Zinsen könnte sich der Schuldenberg als großer Bremsklotz erweisen.

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

Encavis AG: Erneuerbare Energien der soliden ArtInvestments in erneuerbare Energien müssen nicht immer mit hohem Risiko behaftet sein. Dies zeigt sich bei der Encavis AG.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.