ABB-Aktie: Elektronik-Riese überwindet Auftrags-Schwäche

Wenn Anleger bei der ABB-Aktie einiges in den vergangenen Jahren ganz besonders benötigt haben, dann war es Geduld.

Denn wirklich rund lief es nicht: Rückläufige Umsätze und erodierende Gewinnmargen hinterließen auch beim Aktienkurs ihre Spuren.

Trotz der Kurs-Erholung in den vergangenen Monaten kommen Anleger auf 5-Jahres-Sicht auf ein eher mageres Kurs-Plus von nicht einmal 15%.

Aber die Investoren scheinen jetzt wieder Hoffnung zu schöpfen – nicht ganz unberechtigt.

Denn mit den gerade vorgelegten Zahlen konnte der Elektronik- und Automatisierungs-Konzern zumindest beim Umsatz die Erwartungen übertreffen.

Zugleich machte Firmenchef Spiesshofer den Anlegern Mut: Erstmals seit 2 Jahren verzeichneten die Schweizer eine Stabilisierung bei den Auftrags-Eingängen auf Quartals-Ebene.

Gesamtjahres-Bilanz durchwachsen

Im 4. Quartal musste der Industrie-Konzern ABB einen Umsatz-Rückgang von 3% auf 8,99 Mrd. Dollar verkraften.

Das operative Ergebnis (EBITA) reduzierte sich im Gegenzug um 4% auf 1,05 Mrd. Dollar und die Marge sank um 20 Basis-Punkte auf 11,7%.

Positive Effekte aus Kosten-Einsparungen und Volumen-Steigerungen sind laut Firmenchef Spiesshofer durch den Geschäftsmix sowie durch operative Währungs-Verluste aufgrund der Währungs-Abwertung in Ägypten wieder zu Nichte gemacht worden.

Im Gesamtjahr stagnierten die Umsätze bei 33,8 Mrd. Dollar. Dank dem harten Sparkurs der Schweizer legte der Gewinn allerdings leicht auf knapp 2 Mrd. Dollar zu.

Licht am Ende des Tunnels

Allerdings konnten die Anleger im Zahlenwerk auch einen Lichtblick entdecken. So konnte der Auftrags-Eingang zum 1. Mal seit 6 Quartalen mit 8,28 Mrd. Dollar stabil gehalten werden.

Um Währungs- und Konsolidierungs-Effekte bereinigt ergab sich sogar ein kleines Plus von 3%.

Hierfür waren insbesondere Großaufträge verantwortlich, die Dank Zukäufe in der Division Stromnetze und Industrieautomation um 35% anzogen.

Vager Ausblick

Beim Ausblick hielt sich die Konzernführung wie üblich bedeckt.

Makroökonomische und geopolitische Unsicherheiten hielten Spiesshofer davon ab, eine präzise Prognose abzugeben.

Positiv äußerte er sich allerdings zur Entwicklung in den USA und in China.

Unterdessen konnte ABB seine Anleger mit einer leichten Dividenden-Erhöhung (die 7. in Folge) auf 0,76 Schweizer Franken (Vorjahr: 0,74 Schweizer Franken) erfreuen.

Das entspricht auf dem aktuellen Kursniveau von 22,71 Schweizer Franken einer Dividendenrendite von 3,3%.

Hoffnung liegt auf Robotik und dem Solar-Geschäft

Während die Hoffnungen des Konzerns v. a. auf dem Robotik und dem Solar-Geschäft liegen, hat ABB im Januar erst einmal einen Großauftrag in Indien an Land gezogen.

Für 640 Mio. Dollar sollen die Schweizer dort eine Stromtrasse zwischen dem Zentrum und dem Süden des Landes errichten. Mit mehr als 1.800 km Länge immerhin die längste Trasse der Welt.

Rund 80 Mio. Menschen sollen von der Leitung profitieren, die Strom aus konventioneller Erzeugung zu den Verbrauchern im Süden leitet, wenn dort kein Wind bläst.

Umgekehrt soll Ökostrom aus den Windfarmen im Süden ins Landesinnere geleitet werden.

Druck auf Firmenchef lässt nach

Damit dürfte auch etwas Druck von Firmenchef Spiesshofer fallen. Er hatte sich nämlich im vergangenen Jahr noch für den Behalt der Sparte ausgesprochen, die rund 1/3 aller Umsätze erwirtschaftet.

Zahlreiche Anleger hatten hingegen auf den Verkauf des Geschäfts gedrängt, insbesondere der schwedische Investor Cevian.

Jetzt scheinen die Zahlen dem Konzern-Lenker Recht zu geben: Ein Umsatz-Plus von 4% und der Anstieg der Auftrags-Eingänge der Sparte von 15% im Schlussquartal sprechen für sich.

Auch wenn erste Lichtblicke erkennbar sind: die Gewinnmarge von zuletzt 5,9% zeigt, dass der Weg Richtung alter Bestwerte von über 12% (2007) noch äußerst lang und steinig werden dürfte.

13. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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