ABB-Aktie: Satz mit X….

Etwaige Erfolge des Unternehmens-Umbaus werden beim riesigen Schweizer Industriekonzern ABB nur langsam sichtbar. Hier alle Details für Sie: (Foto: Jinning Li)

Das ging schnell: Mit einem Mal waren die 2-istelligen Kursgewinne von ABB seit Jahresbeginn wieder dahin.

Denn mit dem gerade vorgelegten Zahlenwerk konnte der Schweizer Industriebetrieb seine Anleger nicht überzeugen.

ABB: Transformation dauert länger als gedacht

Sie kennen ABB vielleicht noch als riesigen Industriekonzern, der v. a. für Infrastruktur-Projekte und -Dienstleistungen im Energiebereich steht.

Nach wie vor stellt ABB Maschinen für die Energieversorgung her – von der kleinen Diode bis zum großen Transformer.

Doch das Unternehmen befindet sich seit einiger Zeit in einem tiefgreifenden Wandel; das Schlagwort Industrie 4.0 zieht sich durch alle Geschäftsbereiche.

Mit Sensoren und Prozessoren bestückt sollen die Maschinen intelligent werden und untereinander kommunizieren.

Sinkender Umsatz und schrumpfende Gewinne

Aber bislang spiegelt sich die Umstrukturierung nur unzureichend in der Geschäfts-Entwicklung wider.

So musste der Schweizer Großkonzern im 2. Quartal einen Umsatz-Rückgang um 3% auf 8,45 Mrd. Dollar ausweisen.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf den Firmenwert (EBITA) sank sogar um 7% auf 1,04 Mrd. Dollar.

Damit reduzierte sich die konzernweite EBITA-Marge um 0,5 Prozentpunkte auf 12,4%.

Analysten waren im Vorfeld der Zahlen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn von höheren Werten ausgegangen.

Gestiegene Rohstoffkosten und Überkapazitäten sorgen für Gegenwind

Die Gewinnspanne wurde dabei insbesondere durch die gestiegenen Rohstoffpreise und Überkapazitäten negativ beeinflusst.

Auch das nachlassende Wachstum in den Schwellenländern sorgte für Bremsspuren. Das dürfte sich auch so schnell nicht ändern.

Firmenchef Ulrich Spiesshofer zeigt sich auf für den weiteren Jahresverlauf ausgesprochen zurückhaltend:

Die anhaltend niedrigen Ölpreise dürften dafür sorgen, dass die Förderfirmen aus der Öl- und Gas-Branche weniger in neue Technik investieren.

Zugleich sieht Spiesshofer möglichen Gegenwind durch negative Effekte aus der Währungs-Entwicklung.

Auftrags-Eingang liefert Silberstreif am Horizont

Aber es gab nicht nur Schatten in der Bilanz: Der Auftrags-Eingang blieb stabil bei 8,35 Mrd. € und überraschte damit positiv.

Die Basis-Bestellungen zogen sogar um 3% an, was einen positiven Wendepunkt darstellen könnte.

Großaktionär schweigt sich aus

Das vorgelegte Zahlenwerk dürfte dem Großaktionär Cevian allerdings gar nicht gefallen haben.

Denn seine Forderung an den Vorstand, den Aktienkurs auf 35 Schweizer Franken zu heben, rückt in immer weitere Ferne (aktueller Kurs: 22,54 CHF).

Die Schweden waren vor gut 2 Jahren zu Kursen um 21 Schweizer Franken eingestiegen und hatten sich 5,5% aller Aktien gesichert.

Sie fordern vehement, dass sich ABB von seiner Stromsparte trennt und auf die verbliebenen 3 Geschäftsbereiche fokussiert.

ABB muss jetzt liefern

Nach den wenig überzeugenden Ergebnissen müssen die Schweizer jetzt liefern.

Um den Kurs nach oben zu treiben, muss der Konzern vor allen Dingen an seiner Gewinnrendite arbeiten.

Bis zum Jahr 2020 will ABB die obere Bandbreite seiner operativen Zielmarge von 11 – 16% erreichen.

Sollte diese nicht gelingen, dürfte der Firmenchef immer stärker ins Kreuzfeuer der Großinvestoren geraten.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.