ABB: Strategische Übernahme katapultiert den Konzern in Spitzenposition

Seit Jahren versucht der Schweizer Elektrokonzern ABB seinen Rückstand auf den Platzhirschen Siemens im Bereich Industrie-Automatisierung zu verkürzen.

Bislang hatte der deutsche Großkonzern hier nämlich die Nase vorn. Jetzt aber könnte der Erzrivale ABB wieder Boden gut machen.

Denn mit der Übernahme des österreichischen Steuerungs-Herstellers Bernecker & Reiner (B&R) – immerhin der größte Deal seit 2012 – werden die Karten neu gemischt.

Der Zukauf könnte sich als strategisch ausgesprochen kluger Schachzug herausstellen und ist Balsam für die Seele der Anleger.

Denn zuletzt mussten die Aktionäre Nerven zeigen; ein eher durchwachsenes Jahres-Ergebnis und ein Betrugsfall in Südkorea stellten die Geduld der Anleger auf die Probe.

Übernahmeziel ist eine Wachstums-Perle

Die Nachricht kam wie ein Paukenschlag und dürfte ein Meilenstein in der Firmen-Geschichte von ABB werden:

Denn mit dem Zukauf von B&R legt sich der Großkonzern eine wahre Wachstums-Perle ins Portfolio.

Das 1979 gegründete Unternehmen ist in den vergangenen zwanzig Jahren um durchschnittlich 11% pro Jahr gewachsen.

Für Sie zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum hat der Markt für Industrie-Automation gerade einmal um 4% pro Jahr zugelegt.

B&R bietet Lösungen für die Maschinen- und Fabrik-Automation für diverse Industriekunden an.

Mehr als 4.000 Maschinenbauer beliefert der Konzern mit seinen speicherprogrammierbaren Steuerungen, die digital programmiert und zur Steuerung und Regelung von Maschinen eingesetzt werden.

Die Steuerungs-Geräte mit der passenden Software bilden quasi das „Gehirn“ der Maschinen und sind für eine roboterbasierte Fertigung unerlässlich.

In den letzten Jahren ist die Firma dazu übergegangen, Endkunden wie Nestlé oder BMW direkt mit Fabrik-Automations-Geräten und Software zu beliefern.

Mittlerweile beschäftigt der Familien-Betrieb in 4. Generation rund 3.000 Mitarbeiter und ist in mehr als 70 Ländern aktiv.

Rosige Zukunfts-Aussichten – Lücke im Produkt-Portfolio wird geschlossen

Der Jahres-Umsatz von B&R lag zuletzt bei 600 Mio. €. Beim  Vorsteuer-Gewinn erreichte die Firma 75 Mio. €. Das entspricht einer Vorsteuer-Marge von immerhin 12,5% (vs. ABB: 8,83%).

Nach der lupenreinen Erfolgsgeschichte der vergangenen Jahre bleibt die Konzernführung auch für die Zukunft zuversichtlich:

Innerhalb von 5 Jahren soll die Milliarden-Marke beim Umsatz geknackt werden.

Zusammen kommt ABB mit B&R auf einen Umsatz von rund 14 Mrd. € in der Industrie-Automation. Marktführer ist Siemens, die Nr. 3 ist Emerson aus den USA.

Mit dem Deal setzt ABB v. a. auch auf die starken Kundenbeziehung im der Nahrungsmittel- und Autobranche. Zugleich wird die hohe Abhängigkeit von der Öl- und Gas-Industrie spürbar verringert.

Hohe Synergie-Effekte erwartet

Über den Kaufpreis des in Familienbesitz befindlichen Unternehmens wurden keine genauen Angaben gemacht.

Wenn Sie aber branchenübliche Multiplikatoren unterstellen, dann dürfte ABB für B&R etwa gut 2 Mrd. € auf den Tisch legen.

Der Deal soll bereits im Sommer abgeschlossen sein und sich auch auf der Kostenseite deutlich bemerkbar machen.

Laut ABB-Firmenchef Ulrich Spiesshofer peilen die Schweizer Synergieeffekte von rund 8% des Umsatzes an.

Weitere Zukäufe geplant

Mit der Transaktion könnte ABB wieder einen kleinen Schritt Richtung Wachstum machen, denn die zurückliegenden Jahre waren eher durchwachsen:

Seit 2013 schrumpften die Umsätze von 41,8 Mrd. Dollar auf zuletzt 33,8 Mrd. Dollar. Im Gegenzug sank die Gewinnspanne um 1% auf 5,61%.

Bis zu alten Rekordwerten ist es also noch ein weiter Weg.

Konzernchef Spiesshofer hat daher bereits angekündigt, dass der Milliardendeal nicht die letzte Übernahme gewesen ist, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.

5. April 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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