Abercrombie & Fitch: Angeschlagene Modekette setzt nach starken Zahlen Erholungskurs fort

Abercrombie & Fitch-Aktie: Totgesagte leben länger. Überraschend starke Zahlen sorgen für Kursfeuerwerk. Modelabel auf dem Weg zum Comeback (Foto: DeymosHR / Shutterstock.com)

Eine Achterbahnfahrt ist nichts gegen die Kursentwicklung des US-Modekonzerns Abercrombie & Fitch. Nachdem sich die Papiere von 1997 bis 2008 mehr als verzehnfachten, ging es anschließend auf Talfahrt. Innerhalb weniger Monate rauschten die Papiere von knapp 85 Dollar bis auf 20 Dollar in die Tiefe. Die folgende Erholungsbewegung brachte die Aktie zwar wieder über die 75 Dollar-Marke, aber die Euphorie hielt nur kurz an.

Eine schwache Geschäftsentwicklung und Probleme in der Konzernausrichtung schickten den Kurs wieder in den Keller. Im Sommer vergangenen Jahres markierte die Aktie bei unter 9 Dollar ein Rekordtief bevor eine Trendwende einsetzte. Jetzt gibt es auch operativ wieder erste Lichtblicke. Starke Zahlen heizten die positive Stimmung an und schoben zuletzt den Kurs bis auf beinahe 24 Dollar in die Höhe.

Der Aufstieg und Fall der einstigen Kultmarke

Abercrombie & Fitch ist ein Paradebeispiel für den schnellen Wandel der Modebranche. In den 90iger Jahren erlebte die Marke einen kometenhaften Aufstieg. Die Umsätze explodierten regelrecht von 335 Millionen Dollar (1997) bis auf 3,74 Milliarden Dollar im Jahr 2008. Das Label entwickelte sich zum Top-Label für Teenager.

Läden mit lauter Musik und auf einer Bühne tanzenden Teenies, Parfümduft und ein populäres Logo wurden weltweit zum Erfolg. Das machte sich auch in der Gewinnentwicklung bemerkbar. Mit einem Jahresgewinn von 475 Millionen Dollar erzielte Abercrombie & Fitch in 2008 immerhin eine Gewinnmarge von 12,69%.

Doch mit der übermäßigen Präsenz verlor die Marke an Appeal. Offenbar hatten sich die Teenies satt gesehen und wendeten sich ab.

Die großen Fehler des Modelabels

Die Ausrichtung auf eine spitze Zielgruppe der unter 30-jährigen erwies sich im Nachhinein als nicht nachhaltig erfolgreich. Zusätzlich sorgte der Firmenchef mit überheblichen Äußerungen, die Kundengruppen diskreditierten, die nicht in sein optisches Käuferschema (jung und attraktiv) für Gegenwind. Auch Berichte über fragwürdige Arbeitsbedingungen in den Fabriken in Asien sorgen für Unmut.

Zugleich entpuppte sich die Expansion nach Europa als ein schlechter Schachzug. Lebte die Attraktivität der Marke zuvor von einer künstlichen Verknappung, da die Klamotten lange Zeit nur in den USA zu kaufen waren, gab es nun ein Überangebot. Mittlerweile wurden die zuvor sehr hochpreisig angebotenen T-Shirts in Supermärkten verramscht.

Rückläufige Umsätze und schrumpfende Gewinne….

In der Summe purzelten daher die Umsätze von 2013 bis 2017 um 26% auf 3,32 Milliarden Dollar. Von den einst üppigen Gewinnen blieb nicht viel übrig. Die Gewinnmarge sank schrittweise bis auf 0,12% im zurückliegenden Geschäftsjahr.

….aber Trendwende in Sicht

Hoffnung machte aber zuletzt die Entwicklung in den vergangenen drei Monaten. Erstmals seit langem konnten die sogenannten Verkäufe auf vergleichbarer Fläche, eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung von Einzelhandelsfirmen, wieder gesteigert werden. Mit einem Zuwachs von 5% ging es deutlich nach oben. Analysten waren nur von einem Plus von 2,5% ausgegangen.

Bezogen auf den Gesamtkonzern erzielte Abercrombie & Fitch ein Umsatzwachstum von 9% auf 1,19 Milliarden Dollar. Beim Gewinn blieb mit 1,38 Dollar je Aktie blieb 18% mehr hängen als von den Analysten zuvor erwartet worden war.

Für das Gesamtjahr zeigt sich der Konzern optimistisch und erwartet weitere Zuwächse. Es bleibt also spannend und abzuwarten, ob der Modekonzern mit 126-jähriger Firmengeschichte nachhaltig auf den Erfolgspfad zurückkehren kann.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.