Abercrombie & Fitch: Deal-Abbruch schickt Aktienkurs auf 17-Jahres-Tief

Die Achterbahnfahrt bei dem US-Modekonzern Abercrombie & Fitch findet kein Ende und dürfte so manchem defensiven Anleger schlaflose Nächte beschert haben.

Denn Timing war bei der Aktie alles. Zwar ging es mit dem Aktienkurs von 1997 – 2007 um über 1.000% bis auf 84 Dollar nach oben.

Wer aber nicht rechtzeitig den Absprung schaffte, musste mit zusehen, wie die Papiere innerhalb von nicht einmal 15 Monaten auf unter 20 Dollar purzelten.

Die anschließende Erholungs-Bewegung trieb den Kurs bis zum Herbst 2011 nochmals auf über 75 Dollar, bevor es unter größeren Schwankungen kontinuierlich bergab ging.

Am Montag erlebte das Unternehmen dann einen rabenschwarzen Tag. Die Anleger flohen in Scharen aus der Aktie und schickten die Papiere um 21%bis auf 9,70 Dollar in den Keller.

Einst die am meisten angesagte Modemarke unter Teenagern weltweit

Die Geschäfts-Entwicklung und der Verlauf des Aktienkurses sind typisch für viele Firmen in der Modebranche.

Oft werden einzelne Marken regelrecht gehyped und gehen innerhalb weniger Jahre durch die Decke.

Dreht die Stimmung der Kunden, kann sich der Trend aber ebenso schnell umkehren und die Firmen nach Jahren starker Expansion an den Rand des Ruins bringen.

So auch bei dem US-Modekonzern Abercrombie & Fitch. Früher pilgerten die Teenager in Scharen zu den Geschäften mit dröhnender Musik.

Dort standen Türsteher mit Model-Maßen, die sich oben ohne mit den Kundinnen fotografieren ließen.

Vor allem T-Shirts und Kapuzenpullis mit dem grßen Firmenlogo verkauften sich zu überteuerten Preisen.

Auch die Umsätze kletterten kräftig nach oben. Immerhin stiegen die Erlöse von 1,59 Mrd. Dollar im Jahr 2003 bis auf 4,51 Mrd. Dollar im Jahr 2013.

Schwerer Absturz mit Folgen

Doch der Erfolg währte nicht ewig. Dabei waren es vor allem Berichte über den arroganten Firmenchef Michael Jeffries, die den Stein ins Rollen brachten.

Zwar hatte er die Modemarkt 1992 übernommen und auf die Erfolgsspur gebracht, aber mit seinen sexistischen und abwertenden Aussagen letztlich die Kunden zu einem Boykott aufgebracht.

In einem öffentlichen Interview beteuerte er, dass die Marke nur für „coole“ und „attraktive“ Menschen gemacht sei. Damit schoss er sich allerdings ein folgenschweres Eigentor.

Konzernführung reagierte zu spät

Die Reaktion der Konzernführung auf die einbrechenden Geschäfte erfolgte mit ziemlicher Verzögerung.

Erst seit 2 Jahren verzichtet der Konzern auf sexistische Werbung und stellte auch Mitarbeiter mit normalen Maßen ein.

Den Geschäften hat das bislang wenig geholfen; seit nunmehr 4 Jahren sind die Umsätze rückläufig.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr setzte der Modespezialist gerade einmal 3,32 Mrd. Dollar ab. Von der einst üppigen Gewinnmarge von 12,72% (In 2007) ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Für Sie zum Vergleich: Im vergangenen Jahr blieben gerade einmal 8 Mio. Dollar an Gewinn hängen. Das entsprach nur noch einer hauchdünnen Gewinnspanne von 0,06%.

Im vergangenen Quartal schaffte das Unternehmen mit einem Verlust von 66 Mio. Dollar nicht einmal mehr den Sprung in die Gewinnzone.

Keiner will die Firma kaufen

Auf Grund der schwachen Entwicklung stellte sich der Konzern im Mai selbst ins Schaufenster und suchte einen Käufer für die Firma.

Doch gestern meldete Abercrombie & Fitch, dass die Verkaufs-Gespräche mit potenziellen Käufern vorerst gescheitert sind. Jetzt will der Konzern die Marke selbst wieder auf Kurs bringen.

Einen Hoffnungsschimmer lieferte die günstige Marke „Hollister“ des Konzerns: Hier kletterten die Erlöse im Mai um 3%, während sie bei der Marke Abercrombie & Fitch um 10% einbrachen.

Der Einbruch des Aktienkurses zeigt Ihnen aber, wie stark die Entwicklung von der Hoffnung auf einen Firmenverkauf getrieben war.

Daran dürfte sich auch in Zukunft wenig ändern. Denn dass die Marke wieder zu ihren alten Höhen findet, darf stark bezweifelt werden.


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12. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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