Abwehrstrategien im Übernahme-Geschäft: Die Pac-Man-Verteidigung

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Nicht immer entscheiden sich Übernahme-Kandidaten zur Abwehr einer feindlichen Offerte für eine Giftpille. Auch eine aggressive Abwehr mit der PacMan-Strategie steht zur Auswahl. (Foto: Rio Tinto)

In meinem gestrigen Beitrag haben ich Ihnen von der sogenannten “Giftpille“ berichtet. Sie haben erfahren, wie ein Unternehmen im Übernahmekampf mit Hilfe von einer Giftpille den Käufer in die Flucht schlagen oder zumindest einen höheren Preis erzielen kann.

Dabei ist die Giftpille nur eine Abwehr-Strategie im Übernahme-Geschäft. Neben den unterschiedlichen Arten der Giftpille gibt es auch noch andere Verteidigungsstrategien. Heute  möchte ich Ihnen die sogenannte „Pac-Man“-Verteidigung vorstellen.

Diese kann ebenfalls von Konzernen ausgespielt werden, die nicht übernommen werden möchten.

Bei der Pac-Man-Strategie, die – für die meisten unter Ihnen wohl unschwer zu erkennen – vom Helden des gleichnamigen Computerspiels abgeleitet ist, wird der Jäger zum Gejagten. Denn verwendet ein Übernahme-Kandidat diese Strategie, erfolgt ein Übernahme-Angebot an die Aktionäre des Unternehmens, das zuerst ein Angebot vorgelegt hat – also an den eigentlichen Bieter.

Bieter ist nicht immer das größere Konzern – Geld entscheidet, wer wen übernimmt

Im Übernahme-Geschäft gilt oftmals: Groß frisst Klein. Ein Konzern schnappt sich ein Ziel, um größer und effizienter zu werden. Viele Groß-Konzerne sind so über die Jahre weitergewachsen. Bei der Pac-Man-Strategie ist es jedoch anders herum: Der (kleinere) Übernahme-Kandidat versucht, den eigentlichen Bieter selbst zu schlucken.

Diese Verteidigungsstrategie setzt jedoch voraus, dass der Übernahme-Kandidat eine Reihe von Geldgebern besitzt, die das Gegenangebot auch finanzieren würden. Im Normalfall ist der größere Bieter nämlich auch finanzstärker.

Dennoch ist ein Deal, bei dem der Käufer kleiner ist als der Übernahme-Kandidat nicht ganz ungewöhnlich. In den vergangenen Jahren wurden mehrere Deals eingefädelt, bei denen der Käufer das kleinere Unternehmen war. Dies waren allerdings freundliche Deals, also gewollte Übernahmen.

Zwei aktuelle Beispiel befinden sich im Musterdepot meines Börsendienstes „Der Übernahme-Gewinner“. Sowohl der österreichische Osram-Bieter ams als auch der Schweizer UPC-Bieter Sunrise Communications versucht aktuell, einen jeweils größeren Übernahme-Kandidaten zu schlucken.

Zurück zur Pac-Man-Strategie: Bei der Pac-Man-Strategie als Abwehr einer ungewollten Übernahme geht es oftmals gar nicht darum, den ursprünglichen Bieter wirklich zu übernehmen. Nicht selten soll der Bieter lediglich verscheucht werden.

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Zieht der Bieter sein Angebot zurück, dann wird die selbst angedrohte Übernahme so gut wie immer fallengelassen. Schon einige Firmen erfolgreich mit Hilfe der Pac-Man-Verteidigung gewehrt. Manchmal reichte sogar die bloße Androhung der Pac-Man-Strategie, um eine Übernahme zu verhindern.

Pac-Man-Strategie im Einsatz: Beispiele für eine erfolgreiche Übernahme-Abwehr

Das bekannteste Beispiel einer erfolgreichen Abwehr mit Hilfe der Pac-Man-Strategie ist der US-Konzern Martin Marietta. 1982 erfolgte ein feindliches Übernahme-Angebot vom Konkurrenten Bendix. Daraufhin verkaufte Marietta alle Geschäftsbereiche, die nicht zum Kern des Unternehmens gehörten, nahm sich die Unterstützung von Banken und machte seinerseits ein Übernahme-Angebot.

Martin Marietta überstand diese Übernahme-Schlacht und blieb ein eigenständiger Konzern. Bendix dagegen wurde später selbst Opfer einer Übernahme.

Auch in der Übernahme-Boom-Phase 2007 drohten Firmen, die mit einer feindlichen Übernahme konfrontiert wurden, mit der Pac-Man-Strategie.

So versuchte damals z.B. der australische Rohstoff-Gigant BHP Billiton, den Konkurrenten Rio Tinto feindlich zu übernehmen. Als das Angebot auf wenig Gegenliebe stieß und Rio Tinto drohte, ein Gegenangebot abgeben zu wollen, zog sich BHP schnell wieder zurück.

2014 wurde die Pac-Man-Strategie erfolgreich vom US-amerikanischen Bekleidungshersteller Men´s Wearhouse (MW) genutzt. Im Oktober 2013 hatte der kleinere Rivale Jos A Bank (JAB) bereits versucht das Unternehmen zu übernehmen. Men´s Wearhouse war alles andere als begeistert und legte kurze Zeit später die Pac-Man-typische Gegenofferte auf den Tisch. Das wiederum gefiel Jos A Bank überhaupt nicht.

JAB lehnte ab, ergriff Abwehrmaßnahmen und kündigte an, unter Umständen die Offerte für MW anzuheben. Das gleiche machte auch MW. Im Dezember dann, nachdem MW die Offerte für den einstigen Bieter ein 2. Mal aufgestockt hatte, kündigten beide Unternehmen an, dass sie eine Fusion prüfen würden.

Dass JAB den größeren Konkurrenten übernehmen würde, war zu dem Zeitpunkt bereits vom Tisch. Die Pac-Man-Verteidigung hat also einmal mehr funktioniert.

Anders als bei Rio Tinto und BHP Billiton wurde diese Pac-Man-Strategie allerdings bis zum Ende durchgezogen. Men´s Wearhouse hat am Ende JAB übernommen. Gewinner waren die Aktionäre beider Lager, denn sowohl das JAB- als auch das MW-Papier stieg um über 50%.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.