Accenture wird nicht gekauft, sondern kauft selbst

Im Übernahme-Geschäft ist eine wichtige Einflussgröße für Investitions-Entscheidungen die Bewertung von Übernahme-Gerüchten.

Und aktuell brodelt die Gerüchteküche gleich an mehreren Stellen – wen wundert es!?

Wie ich Ihnen am vergangenen Freitag schrieb, lag das weltweite Übernahme-Volumen im 1. Quartal bei rund 1 Bio. US-Dollar.

Ist die Deal-Aktivität hoch, dann kochen logischerweise auch öfter Übernahme-Gerüchte hoch. Dies liegt daran:

Es kann sowohl für den Bieter als auch für den Übernahme-Kandidaten sinnvoll sein, Verhandlungen über die Presse nach außen zu tragen, um Druck auf die Gegenpartei auszuüben.

Nicht selten laufen Übernahme-Gerüchte jedoch auch ins Leere. Und wenn sich ein Gerücht als falsch herausstellt, kann die Aktie schnell nachgeben.

Besonders bei finanziell angeschlagenen Unternehmen sollten Sie bei Übernahme-Gerüchten vorsichtig sein!

Fragen Sie sich, wie sich Ihre Investition darstellt, wenn es keinen Deal gibt! Gute Übernahme-Kandidaten haben auch dann noch Kurs-Potenzial.

Logik des Deals wurde nur grob umrissen

In der vergangenen Woche machten Gerüchte die Runde, dass der US-Software-Riese Oracle ein Auge auf die britische Accenture geworfen hat.

Mit Verweis auf Insider wurde in den britischen Medien von Gesprächen im frühen Stadium berichtet. Doch offenbar fallen hier einmal mehr Wunsch und Wirklichkeit auseinander:

Die Verbindung zwischen Accenture und Oracle wurde darin gesehen, dass die beiden Firmen seit Jahren zusammenarbeiten.

In einigen Artikeln wird die Logik des Deals mit einem Wandel zum digitalen Zeitalter begründet.

Das Argument wird bei Übernahme-Gerüchten im IT-Sektor seit über 10 Jahren verwendet. Daraus eine Übernahme abzuleiten, ist schon sehr abenteuerlich.

Wenn wenigstens angeführt worden wäre, dass Oracle neue Wachstums-Quellen erschließen wolle oder der Deal die Konkurrenten Salesforce und SAP vor gewaltige Probleme stellen würde, hätte sich ein schlüssigeres Bild gezeigt.

So aber wurden nur die ganz allgemeinen Gründe angeführt: Oracle hätte das Geld für den 90 Mrd. Dollar+X-Deal und ein Deal wäre (wie auch immer) positiv.

Oracle weist Spekulationen zurück

Heute folgte dann auch von Oracle das Dementi: „Man habe nicht einmal darüber nachgedacht“, so heißt es von Oracle.

Wenn die Gerüchte zum Ziel hatten eine Stellungnahme zu bekommen, dann ist das wenigstens aufgegangen.

I. d. R. gehen Firmen nicht auf Marktspekulationen ein – was sehr vernünftig ist, da sie ansonsten immer wieder drauf eingehen müssen oder später bei Schweigen etwas Falsches hineininterpretiert wird.

Dieses 90 Mrd. Dollar-Gerücht war Oracle allerdings dann doch zu groß. Vielleicht wollte der IT-Riese nervöse Anleger beruhigen.

Die Unterstellung einer kerngeschäftsfremden Mega-Übernahme hat vielleicht Fragen bei wichtigen Investoren aufgeworfen.

Ein Anzeichen dafür ist, dass nach dem Gerücht der Aktienkurs unter Druck geriet.

Accenture ist kein Übernahme-Kandidat

Nach der heutigen Klarstellung kann die Oracle-Aktie wieder ein wenig Boden gut machen; im frühen, leicht festeren US-Markt notiert das Papier 0,7% im Plus.

Für die Accenture-Aktie ging es dagegen vorbörslich um 2,3% nach unten, und auch zum Handelsbeginn notiert die Aktie schwächer.

Das vorbörsliche Minus ist vermutlich auf die verflogene (kleine) Übernahme-Chance zurückzuführen.

Etwas später gab Accenture jedoch auch selbst eine Übernahme bekannt:

Für eine unbekannte Summe soll die britische Genfour übernommen werden, um den Geschäftsbereich Intelligent Automation zu stärken.

Accenture kauft also weiter zu und dürfte auch aktiv auf der Suche nach Übernahme-Chancen bleiben.

Ist der Konzern Übernahme-Ziel von Oracle oder einem Dritten? – Wir meinen: Nein!

3. April 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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