ACE und Chubb: Milliardendeal in der Versicherungsbranche

Jetzt ist die Übernahmewelle auch auf den Versicherungsmarkt übergeschwappt. Für rund 28 Mrd. US Dollar will der US-Schweizer-Versicherer ACE den Konkurrenten Chubb schlucken. Laut Unternehmensangaben sind sich die Manager der beiden Firmen bereits einig.

ACE-Chef Evan Greenberg tritt in die Fußstapfen seines Vaters

Der Milliardendeal ist die bisher größte Transaktion in der Versicherungsbranche. Zugleich ist der Zukauf wohl das Highlight der Karriere des 60-jährigin ACE-Chefs Evan Greenberg. Dieser stieß vor 11 Jahren zu ACE und hat den in den Achtzigern gegründeten Versicherer vor allem durch Zukäufe groß gemacht.

Damit eifert er seinem Vater Maurice „Hank“ Greenberg nach, der über Jahre den Versicherungsriesen AIG gelenkt und zum weltgrößten Versicherer aufgebaut hat. Sohn Evan Greenberg war selbst 25 Jahre für AIG tätig und wurde lange Zeit als Nachfolger seines Vaters gehandelt.

Zukauf soll Margen verbessern

Der Deal hat vor allem ein Ziel. ACE will seine Abhängigkeit von Versicherungen für Naturkatastrophen reduzieren. Denn hier wurde der Konzern zuletzt ordentlich in die Zange genommen. Insbesondere in Nordamerika geriet ACE unter Druck, denn schwere Stürme oder Erdbeben blieben aus.

Zudem drangen immer mehr Wettbewerber in den einst so lukrativen Markt. Insbesondere aggressive Investoren, die selbst Katastrophenanleihen begeben haben nahmen den Versicherern Marktanteile ab.

Mit Chubb setzt der US-Versicherer auf einen Traditionskonzern, der bereits 1882 gegründet wurde. Die Firma ist sehr breit aufgestellt. Besonders stark ist der Konzern als Anbieter von Haftpflicht-Versicherungen für Manager (D&O) und Policen gegen Entführung und Erpressung.

Der fusionierte Konzern würde schon alleine auf seiner Größe seine Wettbewerbsposition gegenüber AIG und Berkshire Hathaway deutlich verbessern. Prämien können zukünftig stärker erhöht werden. Zudem ist der Produkt-Mix deutlich besser und das Cross-Selling-Potenzial durch den Verkauf von Chubb-Policen erheblich.

Übernahme soll sich schnell bezahlt machen

Die Offerte von ACE im Gegenwert von 28,3 Milliarden US Dollar soll zur Hälfte in Aktien und in bar erfolgen. Konkret erhalten Chubb-Aktionäre 62,93 US Dollar je Aktien und 0,6019 ACE-Anteile. Damit halten die Chubb-Anteilseigner nach dem Deal 30% an dem fusionierten Unternehmen.

Mit der Übernahme entsteht einer der weltweit größten Schaden- und Unfallversicherer. Dabei macht der Deal durchaus Sinn. Überschneidungen im Geschäft gibt es so gut wie keine. Dennoch soll es massive Kosteneinsparungen geben.

Die Konzernführung schätzt die Synergien auf 650 Mio. US Dollar innerhalb von drei Jahren. Zudem soll sich der Zukauf bereits im ersten Jahr positiv auf den Gewinn je Aktie auswirken.

Anleger feiern den Deal

An der Börse stießen die Fusionspläne auf einhellige Begeisterung. Chubb -explodierten um über 30% auf 126 US Dollar. Auch die Aktien des Käufers ACE notierten in der Gewinnzone. Dies hat wohl zwei Gründe.

Erstens: Der Deal macht wahrhaftig Sinn. Die Kombination von ACE (21.000 Mitarbeiter; 18 Mrd. US Dollar Nettoprämien) und Chubb (10.200 Mitarbeiter; 13 Mrd. US Dollar Nettoprämien) schafft einen neuen Branchenriesen.

Zugleich hat ACE einen hervorragenden Track Record. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ACE diverse Konzerne einverleibt und mühelos integriert. Über die letzte Dekade hat ACE seinen Anlegern eine leicht zweistellige Rendite geliefert (10,7%) während der Wettbewerber AIG auf gerade mal knapp 4% kommt.

Auch die Finanzierung des Deals ist kein Problem. Zwar nimmt ACE für die Transaktion 5,3 Mrd. US Dollar an Schulden auf. Im Verhältnis zu dem starken freien Cash Flow von 5,6 Mrd. US Dollar des fusionierten Unternehmens aber locker verkraftbar.

Die Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 ist ebenfalls moderat. Sollte das erfahrene Management weiter so ein glückliches Händchen haben, dann dürfte die Erfolgsstory von ACE noch lange nicht zu Ende sein.

6. Juli 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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