Achten Sie auf das politische Risiko bei Rohstoff-Unternehmen

Was halten Sie von der folgenden Beschreibung eines Rohstoffunternehmens?

Das Unternehmen hat ein erfolgreiches Management-Team, im Vergleich zur Konkurrenz niedrige Produktionskosten, ordentliche Cashreserven und eine geringe Verschuldung und zudem noch viel Wachstumspotenzial durch ein neues erst kürzlich entdecktes Vorkommen.

Zudem sind weitere Übernahmen geplant. Das hört sich wirklich gut an.

Im Grund ist dies ein überdurchschnittliches Rohstoff-Unternehmen, das an der Börse sicherlich gute Chancen hätte. Aber wie eigentlich bei allen Rohstoff-Unternehmen hat auch dieses Unternehmen eine Schwachstelle.

Und die ist so groß, dass eine Anlage hier nicht in Frage kommt: Die Projekte des Beispiel-Unternehmens befinden sich alle in politisch instabilen Regionen.

Damit ist das politische Risiko einfach zu groß. Dieser einzige Faktor sticht alle anderen Faktoren, die für den Erfolg von Rohstoff-Unternehmen auch von Bedeutung sind, klar aus.

In den vergangenen Jahren haben die politischen Probleme im Minensektor massiv zugenommen. Und die Kette der schlechten Nachrichten reißt nicht ab. Hier nur einige Beispiele aus diesem Jahr:

Erst vor wenigen Wochen hat sich Anglo American aus dem Pebble Projekt in Alaska zurückgezogen – und das obwohl das Unternehmen bis jetzt schon 540 Mio. Dollar für dieses Mega-Projekt ausgegeben hatte.

Damit hat Anglo American die Notbremse gezogen, weil sich bei der Genehmigung immer neue Verzögerungen ergeben haben und auch der lokale Widerstand gegen das Kupfer-Gold-Projekt massiv war.

Beim fast schon legendären Fruta del Norte Projekt in Ecuador hat sich Kinross Gold nun zurückgezogen. Durch immer härtere Ansprüche der Regierung in Ecuador hat sich Kinross zu diesem drastischen Schritt durchgerungen.

Und von Problemen beim Pascua Lama Projekt in Argentinien und Chile ist mit Barrick Gold der größte Goldproduzent der Welt betroffen.

Hier haben sich hauptsächlich durch höhere Umweltauflagen die Kosten der Entwicklung von anfangs 2,5 Mrd. Dollar auf jetzt schon 8,5 Mrd. Dollar gesteigert.

Der Widerstand gegen neue Projekte wächst weltweit – Dieser Trend wird wohl anhalten

Sie sehen: Der Widerstand gegen neue Projekte und die Schwierigkeiten beim Aufbau von neuen Projekten wächst immer weiter an – doch diese neuen Projekte sind auch notwendig, um die Reserven wieder aufzufüllen.

Dabei gilt fast immer: Je größer die Projekte, desto größer ist auch der Widerstand.

Das setzt immer mehr Rohstoff-Unternehmen unter Druck. Vor allem bei den großen Konzernen wie Barrick Gold oder Kinross Gold hat es zuletzt vermehrt Probleme bei der Umsetzung von Großprojekten gegeben.

Und dies spiegelt sich auch am Aktienkurs wider. Diese speziellen Probleme bei den neuen Projekten macht es eben in der ohnehin schon angespannten Lage für viele Unternehmen nicht leichter, das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen.

Daher gilt abschließend mein Rat: Achten Sie auf jeden Fall auf das politische Risiko bei Rohstoff-Firmen. Probleme in diesem Bereich können eben komplette Projekte gefährden.

2. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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