Achtung! Börsenchaos für den 3. April geplant: Spotify erlaubt Aktienkäufe

Der Musik-Streaming-Dienst Spotify aus Schweden wird erstmals offiziell an der Börse gehandelt. Doch es gibt keine neue Aktien. Das sorgt für Turbulenzen. (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Spektakuläre Börsengänge hatten wir in den vergangenen Jahren viele. Als einer, der in Erinnerung bleibt, war auf jeden Fall Alibaba interessant. Aber auch Facebook hat ordentlich Stimmung in den damaligen Markt gebracht. Was bei vielen Börsenneulingen – damit sind jetzt ausnahmsweise einmal Unternehmen gemeint – identisch ist: Die Aktie fällt nach dem Börsengang (IPO) erst einmal über mehrere Wochen und steigt erst dann nachhaltig an.

Was ist Spotify – welche Zahlen muss ich kennen?

Falls Sie Spotify nicht kennen: Es handelt sich dabei um einen Musik-Anbieter, mit dem Sie die gewünschten Lieder per Stream abspielen können. Das funktioniert einfach per App auf dem Handy oder auch am PC, Tablet und sogar bei einigen Autos wie Tesla und Volvo. Spotify kommt aus Schweden und wurde 2006 in Stockholm gegründet.

Die App kann auch gratis genutzt werden. Dann gibt es einfach ab und zu Werbung zwischen den einzelnen Songs. Wer für die Nutzung zahlt, bekommt das Angebot werbefrei. Ende Februar gab es 71 Millionen zahlende Kunden. Zum Vergleich: Beim Konkurrenten Apple Music sind es nur halb so viele. Insgesamt hat Spotify 159 Millionen User und fast die Hälfte davon bezahlt.

Das ergibt für 2017 einen Umsatz von immerhin 4,1 Milliarden Euro. Allerdings meldet das Unternehmen für dasselbe Jahr einen Verlust von 378 Millionen Euro. 2016 gab es einen Verlust von 349 Millionen Euro. Dennoch wird der Unternehmenswert auf bis zu 20 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Wer steigt denn bei solchen Unternehmenszahlen ein?

Vergessen Sie nicht Facebook. Die waren auch in den roten Zahlen und hatten noch kein richtiges Geschäftsmodell als von einem Börsengang gesprochen wurde und die Anleger Schlange standen. Allerdings läuft es bei Spotify anders.

Kein Börsengang im klassischen Sinne: Direct Placement

Zwar dürfen am 3. April Normalsterbliche dann auch endlich Spotify-Aktien kaufen, aber nur von Investoren, die bereits jetzt Aktien halten. Es wird keine neuen oder zusätzlichen Aktien für den Markt geben. Deshalb läuft diese Art von Börsengang auch nicht über Banken, die einen Durchschnittspreis ermitteln. So kann quasi jeder Aktionär sich einen Preis für eine Aktie überlegen und diese am 3. April anbieten.

Positiv ist dabei allerdings, dass extrem viel Geld gespart wird, wenn der Handel nicht über die Banken läuft. Jetzt können erstmalig eben Großinvestoren und Vorstände Aktien des Unternehmens verkaufen. Vielleicht wird auch der ein oder andere Mitarbeiter, der mit Aktien bezahlt wurde, diese jetzt abstoßen. Es wird auf jeden Fall ein turbulenter Tag für die Aktie von Spotify.

Wie teuer wird die Spotify-Aktie ungefähr sein?

Bei den IPOs von Facebook und Alibaba war irgendwann abzusehen, wie viel Sie pro Aktie zahlen müssen. Bei Spotify wird das Glücksrad gedreht. Die privat gehandelten Aktien haben sich in den letzten Monaten zwischen etwa 90 und 130 US-Dollar bewegt. 2017 lag der Bereich zwischen 37,50 und 125 US-Dollar.

Der Bandbreite wird also enger und der Preis mag auch etwas steigen. So könnten Sie die Aktie am 3. April sicherlich für über 100 US-Dollar kaufen, wenn Sie bereit sind, so viel dafür zu bezahlen – für ein Unternehmen, dass sich noch in die Gewinnzone kämpfen muss.

Sie merken schon, das wird hier keine Kaufempfehlung. Nicht nur, dass der Börsengang von Spotify ausschließlich von bisherigen Aktionären durchgeführt werden kann – die Preisfindung am ersten offiziellen Börsentag wird chaotisch verlaufen. Das ist so gesehen aber ganz normal und für das Direct Placement, das Banken umgeht, in gewisser Weise Standard.

Was soll ich beim Börsengang von Spotify machen?

Es gibt Sachen, die Sie machen können und andere, die es zu vermeiden gilt. Sie dürfen auf jeden Fall zuschauen und aus dem bunten Treiben Ihre Schlüsse ziehen. Sie dürfen das alles auch komplett ignorieren und am nächsten Tag einfach eine kurze Zusammenfassung lesen.

Was Sie nicht machen sollten: Eine oder mehrere Spotify-Aktien am 3. April kaufen. Gehen Sie davon aus, dass die Kurse ab 4. April sich etwas beruhigen werden und es auch in den Wochen danach noch reichlich bessere Möglichkeiten gibt Unternehmensanteile zu erstehen.

Wie gesagt, das Unternehmen macht aktuell Verluste und auch dieses Jahr wird es wohl nicht anders sein. Ein normaler Börsengang spült Geld in die Taschen des Unternehmens, weil es Anteile verkauft. Beim Direct Placement werden die Anteile aber nur verschoben. Sie sollten also das Geschäftsmodell genau verstehen, bevor Sie investieren. Doch selbst dann ist Spotify kein Garant dafür, dass die Kurse in den nächsten Jahren unbedingt steigen müssen.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.