Achtung, Revolution: Die Blockchain-Technik und Ihr Immobilien-Investment (Teil 3)

Der Blockchaintechnik gehört die Zukunft. Das Ausland macht es vor: Wenn es darum geht, Immobilienobjekte zu veräußern oder zu erwerben, macht diese Entwicklung viele starre, teure und zeitrau-bende Abläufe überflüssig. (Foto: karamysh / Shutterstock.com)

Die umwälzenden Vorteile, die mit der Blockchaintechnik verbunden sind, hatte ich Ihnen schon vorgestellt. Sie wissen jetzt Bescheid über …

Manipulationssicherheit: Das »Internet-Kassenbuch« namens Blockchain ist öffentlich zugänglich, wird von Tausenden Privatleuten (»Nodes«) überwacht und durch fortschrittliche Kryptomethoden »unknackbar« verschlüsselt.

Praxistauglichkeit: Im Ausland ist die Blockchaintechnik mit Erfolg in den Prozess des Immobilienhandels eingeführt worden.

Effizienz: Die Blockchaintechnik reduziert das Procedere des Objektan- oder -verkaufs im Idealfall auf wenige Stunden, macht unter anderem den Gang zum Grundbuchamt überflüssig und spart massiv Geld, Mühe und Zeit.

»Schöne neue Welt!«, möchte man bei diesen Aussichten ausrufen.

Aber Moment mal …

Woran hapert es eigentlich noch?

Der Versuch, die Blockchaintechnik auf breiter Front im Immobilieninvestment einzuführen, gleicht in Deutschland dem Unterfangen, einen Sektkorken mit einem Hammer in eine Betonwand einzuschlagen: Widerstände, Widerstände, Widerstände!

Das grundsätzliche Problem besteht darin, dass die Blockchaintechnik und die mit ihr verbundene, rasante Entwicklung der Kryptowährungen einen – ich will es mal so sagen – »anarchistischen«, umstürzlerischen Grundgedanken verfolgen. Und Deutsche hatten es ja noch nie so richtig mit Revolutionen.

Der Bitcoin etwa ist vor gut zehn Jahren unter der Losung »Be Your Own Bank – Sei deine eigene Bank!« angetreten. Ziel: Traditionelle Geldinstitute, aber auch schier übermächtige Zentralbanken sollte der jahrhundertelang unangefochtene Einfluss auf Währungen und finanzielle Transaktionen entzogen werden. Auf diesem »Ho-Chi-Minh-Pfad in eine völlig neue Geld-Gesellschaft« sind die aufrührerischen Kryptowährungen bislang ein immenses Stück vorangekommen – aller spektakulären Währungsturbulenzen zum Trotz.

Das sind die 5 wichtigsten Währungen der WeltNeben dem US-Dollar gibt es noch weitere wichtige Währungen, in denen große Teile des weltweiten Handels abgewickelt werden. › mehr lesen

Vor diesem Hintergrund muss man sie mit gemischten Gefühlen betrachten, die larmoyante Litanei aus mehr oder minder berufenen Mündern, die die gar fürchterlichen Gefahren und Folgen der Blockchaintechnik in den schwärzesten Farben ausmalen.

In wie vielen Fällen mag wohl die Furcht dahinterstehen, dass Kryptowährungen den Geldinstituten unweigerlich mehr und mehr vom Kuchen wegnehmen? Die holzhammerdumpfen Warnungen vor der Konkurrenz erscheinen umso zweifelhafter, je mehr Anzeichen es gibt, dass die Bankenbranche bereits selbst intensiv an der Entwicklung eigener Kryptowährungen arbeitet. Klammheimlich, versteht sich.

Auch im Immobilieninvestment geht es um Pfründe, die verteidigt werden wollen.

Diese Beharrungskräfte führen in einem bis ins Kleinste regulierten Bereich wie dem Immobilieninvestment zu Herausforderungen, die sich bei uns so hartnäckig halten wie Hausschwamm in einem heruntergekommenen Gebäude. Fürs Erste, zumindest.

Denn was geschieht, wenn ein Objekt dank der Blockchaintechnik direkt von Veräußerer zu Erwerber den Besitzer wechseln kann? Also fast so einfach wie bei »Bares für Rares«?

Banken bleiben in weiten Bereichen außen vor; Notare und Grundbuchämter sehen ihre Felle davonschwimmen.

Zwar werden Finanzierungen, Kaufverträge und Grundbucheinträge durch die neue Technik nicht überflüssig. Aber es ist ja gerade der administrative Aufwand, der einen beträchtlichen Teil der Kosten verursacht. Kosten, die bislang als im Vorübergehen verdiente Einnahmen in den Kassen von Notaren und Ämtern landen. Diese bequemen finanziellen Schleppnetze werden per Blockchain gekappt. Und die bisherigen Nutznießer müssen neue Fischgründe suchen.

Apropos Kosten: Die bleiben, auch wenn der institutionelle Widerstand einst gebrochen sein wird. Es ist zweifellos teuer, alle Abläufe, Computerprogramme und Schnittstellen auf die Blockchaintechnik umzustellen. Und eine Aufgabe, die sich nicht »nebenbei« erledigen und bezahlen lässt.

Aber wenn die Geschichte eins gezeigt hat, dann das: Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Jedenfalls nicht auf die Dauer.

Ich lege mich fest: In absehbarer Zeit wird der Erwerb oder der Verkauf eines Immobilienobjekts nicht mehr in derselben starren, zeitfressenden und kostenintensiven Form ablaufen, die auf nicht wenige Investoren fast schon abschreckend wirkt. Freuen wir uns auf diese Zeiten!

In meinem nächsten Beitrag werde ich wieder auf aktuelle Entwicklungen im Immobilieninvestment eingehen. Schauen Sie also nächste Woche wieder rein!


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Von: Paul Misar. Über den Autor

Paul Misar, Entrepreneur mit aktuell 11 Firmen (einigen davon im Immobilienbereich), Bestseller-Autor, Speaker of the Year 2013 und gefragter Experte auf dem Gebieten“ finanzielle Freiheit“ und  Immobilien.