Achtung: Versteckte Gebühren bei angeblich kostenlosen Girokonten

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Ein kostenloses Girokonto bieten viele Banken. Das Problem ist nur: Überall lauern dann doch versteckte Gebühren. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Ein kostenloses Girokonto gehört heute schon zum Standardangebot fast jeder Bank. Die wenigsten Bankkunden sind heute noch bereit, Kontoführungsgebühren zu zahlen.

Was aber die wenigsten Schnäppchenjäger unter den Bankkunden wissen: Sie zahlen dann eben Gebühren für diverse Zusatzservices.

Der Klassiker: Abhebegebühren an Fremdautomaten

Die häufigste Gebühr dürfte die für das Abheben an fremden Automaten sein. Volks- und Raiffeisenbankkunden bedienen sich nur kostenfrei an genossenschaftlichen Automaten (außer Sparda, insgesamt ca. 19.000 Automaten). Sparkassenkunden an Sparkassenautomaten (ca. 25.000 Automaten).

Bei Privatbanken sind die Automatennetze schon dünner, auch wenn es hier ebenfalls Zusammenschlüsse gibt, die den Kunden der jeweiligen Mitgliedsbanken ein kostenfreies Abheben ermöglichen. So beispielsweise die Cash Group (9.000 Automaten) und den Cash Pool (2.500 Automaten inklusive Sparda-Banken).

Wer an einem Automaten außerhalb seines Bankenverbundes Geld zieht, zahlt pro Abhebung im Durchschnitt 4 Euro. Bei vielen Abhebungen läppert sich das schnell zu größeren Beträgen zusammen,

Plötzliche Gebühren bei fehlendem Zahlungseingang

Bei vielen Konten ist die Gebührenfreiheit außerdem an einen Mindest-Zahlungseingang gebunden.

Was im Umkehrschluss heißt: Wenn der Kontoinhaber arbeitslos wird oder als Selbstständiger nur unregelmäßige Zahlungseingänge verzeichnet, werden plötzlich Gebühren fällig.

Auf solche Bedingungen lassen Sie sich also besser nur ein, wenn Sie den regelmäßigen Zahlungseingang in der geforderten Höhe auch wirklich gewährleisten können.

Gebühren für Transaktionen am Schalter und Papier-Überweisungen

Bei vielen Konten ist nur die Online-Version gebührenfrei. Aus- und Einzahlungen am Schalter sowie Papier-Überweisungen kosten aber Geld.

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Wer das Internet-Banking ablehnt, muss wissen: Fünf Freiposten bei den Aus- und Einzahlungen muss die Bank Ihnen auf jeden Fall gewähren. Und das jeden Monat, hat der Bundesgerichtshof entschieden (Az.: XI ZR 80/93, und XI ZR 217/95).

Wenn Sie am eigenen Computer aus Sicherheitsgründen keine Überweisungen tätigen wollen, sich aber die Zusatzkosten für eine Papierüberweisung trotzdem sparen möchten, empfehle ich Ihnen folgendes:

Viele Banken haben inzwischen zentrale Überweisungsterminals in ihren Filialen aufgestellt. Dort können Sie Ihre Transaktionen vornehmen und auch Daueraufträge anlegen oder löschen.

Das Thema Sicherheit ist dann Sache der Bank – sie muss dafür sorgen, dass der Terminal nicht von Hackern, Spähern und Betrügern für falsche Überweisungen missbraucht wird.

Gebühren für den Kontoauszugversand

Die Zusendung von Kontoauszügen per Post lassen sich die meisten Banken bezahlen. Wer kostenfrei bleiben möchte, muss sie sich am Auszugsdrucker selbst holen.

Allerdings ist eine Gebühr nicht rechtmäßig, wenn die Bank Ihnen die Kontoauszüge zwangsweise zusendet. Etwa, weil Sie sie nicht binnen einer bestimmten Frist selbst abgeholt haben. Das hat das Landgericht Frankfurt entschieden (Az.: 2-25 O 260/10), wie ich Ihnen vor kurzem in diesem Newsletter geschrieben habe.

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Glossar heute: Cash Group und Cash Pool

Cash Group: Die Cash Group wurde 1998 gegründet. Dazu gehören alle Groß- und einige weitere Banken: Commerzbank, Comdirect, Deutsche Bank, Postbank, HypoVereinsbank, Norisbank, DAB-Bank, Bankhaus Neelmeyer und Berliner Bank. Alle Mitglieder dieser Cash Group haben sich verpflichtet, ihren Kunden kostenfreie Abhebungen mit der Debitkarten (dazu gehören vor allem die EC-Karten) an allen Automaten zu ermöglichen. Das gilt auch für Kunden der jeweils anderen Mitgliedsinstitute.

Cash Pool: Den Cash Pool gibt es seit dem Jahr 2000. Dazu gehören Targo Bank, Santander, SEB, Wüstenrot, die Sparda-Banken, BB-Bank, Degussa Bank, Nationalbank und Südwestbank. Auch sie ermöglichen den Kunden ein kostenloses Abheben an allen Mitgliedsautomaten.


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Dr. Erhard Liemen
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".