Actavis nach der Einkaufstour: Starke Zahlen, neuer Name, Kapitalerhöhung

Das Übernahme-Geschäft hat das Schweizer Pharma-Unternehmen Actavis gehörig verändert. Nach einer Reihe von Zukäufen bleibt nicht mehr viel vom eigentlichen Unternehmen. Jetzt verschwindet auch noch der Name. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Wenn jemand vor drei Jahren gesagt hätte, dass das Pharma-Unternehmen Actavis im Februar 2015 einen bereinigten Quartalsgewinn von 3,91 $ je Aktie bei einer Marktkapitalisierung von 75 Mrd. $ erzielen wird, dann wäre er wahrscheinlich nur müde belächelt worden.

Doch das sind die aktuellen Zahlen. Denn viel hat sich getan, bei dem ehemals kleinen Schweizer Übernahme-Kandidaten. Nach der Übernahme durch die amerikanische Watson Pharmaceuticals, welche den Namen des Übernahme-Kandidaten annahm, wuchs die neue Actavis selbst mit Zukäufen.

Dabei wurden 3 Groß-Übernahmen getätigt. Zunächst kaufte das Unternehmen im Frühjahr 2013 Warner Chilcott für 8,5 Mrd. $, ein Jahr später für 25 Mrd. $ Forest Labs und im November vergangenen Jahres einigte sich das Unternehmen mit dem Botox-Hersteller Allergan auf eine 66 Mrd. $ schwere Übernahme. 100 Mrd. $ gab das Unternehmen aus, dass 2012 für 4,25 Mrd. $ den Besitzer wechselte.

Übernahme-Strategie zahlt sich für Aktionäre aus

Aktionäre können sich angesichts der Kursentwicklung über den Kaufrausch der Chef-Etage nicht beschweren. Normalerweise gerät die Aktie des Bieters bei Zukäufen unter Druck, weil Geld aus dem Unternehmen abfließt und Integrationsrisiken die Prognose erschweren.

Anders bei Actavis: Das Geld war gut investiert, wie eine mittelfristige Betrachtung des Aktienkurses zeigt. Wenn Sie dem Unternehmen Ende 2013 Ihr Vertrauen schenkten, dann liegen Sie mit der Investition aktuell rund 100% im Gewinn.

Und geht es nach den jüngsten Actavis-Analysen, dann ist das Potenzial weiterhin hoch. Für RBC Capital Markets ist die Aktie sogar ein „Top Pick“.

Bieter nimmt Name des Übernahme-Kandidaten an

Von der eigentlichen Actavis aus dem Jahre 2011 ist nach der Übernahmen-Serie nicht mehr viel übrig geblieben. Das Unternehmen ging bereits 2012 in Watson auf und ohne Namensänderung wäre das Unternehmen bei vielen Anlegern schon in Vergessenheit geraten.

Kapitalerhöhung Bezugsrecht – Unternehmen profitieren mehr als AktionäreKapitalerhöhung Bezugsrecht – das bedeutet es für den Kleinanleger › mehr lesen

Was damals nicht passierte, dürfte jedoch in den kommenden Jahren kommen. Actavis kündigte an, dass der Pharma-Konzern den Namen des Übernahme-Kandidaten Allergan annehmen wird. Damit wird auch die letzte Erinnerung an dem Schweizer (streng genommen isländischem) Pharma-Unternehmen verblassen.

Voraussetzung für die Namensannahme ist lediglich der Deal-Abschluss. Den erwartet Actavis in den kommenden Wochen.

Aktie trotz milliardenschwerer Kapitalerhöhung kaum belastet

Zur Finanzierung der Allergan-Übernahme hat Actavis gestern eine Kapitalerhöhung angekündigt. Da dadurch der Unternehmensanteil bestehender Aktionäre geringer wird, fällt in der Regel der Kurs.

Auf den Actavis-Kurs hatte das jedoch nur eine geringe Auswirkung. Obwohl die Kapitalerhöhung mit 8,4 Mrd. $ über 10% der Marktkapitalisierung ausmacht, verliert die Aktie nicht einmal 3%. Heute kann die Aktie sogar gegen den Markt zulegen und notiert nur knapp 1 $ unter Allzeithoch.

Die Allergan-Übernahme wird als wesentlicher Kurstreiber angesehen. Der Erfolg des Zukaufs ist angesichts des hohen Kaufpreises quasi auch Pflicht. Actavis setzte sich in einem spannenden Bieter-Kampf gegen den Pharma-Riesen Valeant durch.

Auch wenn der Name Actavis verschwindet – der spannende Übernahme-Krimi des Unternehmens wird nicht so schnell in Vergessenheit geraten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.