Actelion-Übernahme fast durch: Was wird aus Idorsia?

Die Übernahme des Schweizer Biotech-Konzerns Actelion ist so gut wie gelaufen.

Der US-amerikanische Bieter Johnson&Johnson teilte mit, dass nach Ablauf der Anmeldefrist 77% der Actelion-Aktionäre dem Übernahme-Angebot zugestimmt haben.

Bedingung für einen erfolgreichen Abschluss war eine Annahmequote von 67%.

Mit dem OK der Aktionäre fehlen Johnson&Johnson nun nur noch wettbewerbsrechtliche Freigaben, die der Konzern im 2. Quartal zusammenhaben will.

Bis zum Ende des Quartals soll der Deal dann abgeschlossen sein.

Einigung auf 30 Mrd. Dollar-Deal nach zähen Verhandlungen

Es war eine holprige Übernahme, die erst im 2. Anlauf zustande kam.

Als sich die beiden Parteien im November vergangenen Jahres an den Verhandlungstisch setzten, scheiterten die Gespräche an unterschiedlichen Preisvorstellungen.

Johnson&Johnson brach die Gespräche ab und überließ dem französischen Pharma-Konzern Sanofi das Feld.

Kurz vor Weihnachten überlegte es sich Johnson&Johnson dann jedoch noch einmal anders und kehrte an den Verhandlungstisch zurück.

Im Januar dann der Durchbruch: Die beiden Parteien einigten sich auf einen Deal im Volumen von 30 Mrd. Dollar.

Forschung wird abgekoppelt

Aktionäre erhalten von Johnson&Johnson für ihre Actelion-Aktie 280 Franken in bar.

Der Preis liegt mehr als 60% über dem Kursniveau vor Aufkommen der Übernahme-Gerüchte und gilt als sehr großzügig.

Zusätzlich zu der hohen Übernahme-Prämie erhalten die Actelion-Aktionäre eine Aktie des neu gegründeten Unternehmens Idorsia.

Die Abspaltung beherbergt die Erforschung wichtiger Actelion-Wirkstoffträger. 5 dieser Wirkstoffe befinden sich sogar schon in der 2. (von 3) klinischen Entwicklungs-Phase.

An dem neuen Unternehmen wird Johnson&Johnson ebenfalls beteiligt:

16% werden die US-Amerikaner direkt halten, über eine Wandelanleihe haben sie das Recht zum Erwerb weiterer 16%.

Was ist die Abspaltung wert?

Immer wieder werde ich gefragt, welchen Wert die Idorsia-Aktie haben könnte. Die Bandbreite reicht von 2 – 20 Franken.

Dies liegt daran, dass viel davon abhängt, wie die Forschungs-Pipeline des neuen Konzerns bewertet wird.

Je nachdem welche Erfolgs-Wahrscheinlichkeit den 11 wichtigsten Wirkstoffen zugetraut wird, schwankt der Wert des Betriebs dramatisch.

Was ich Ihnen schon einmal sagen kann: Die 2 Franken erscheinen bei der mit 1 Mrd. Franken ausgestatten Firma weit weg vom wirklichen Preis.

Wenn „Standardwerte“ für den Forschungs-Erfolg genommen werden und angenommen wird, dass unter den Idorsia-Investoren „Fans“ des Actelion-Chefs Jean Paul Clozel sind, liegt meine Preisvorstellung eher bei 12 Franken je Aktie.

Wie könnten Investoren vorgehen?

Dieser Preis muss nicht direkt zum Börsenstart von Idorsia auf der Anzeigetafel erscheinen.

Gut möglich, dass zunächst Investoren ihre Actelion-Investition „glatt stellen“ wollen und daher die Aktie unter Druck gerät.

Es könnte sich also für Sie lohnen, mit einem Verkauf des Übernahme-Bonus Idorsia ein paar Wochen zu warten.

Oder Sie vertrauen dem höchst erfolgreichen Forscher Clozel und bleiben gleich länger investiert.

Wenn der ein oder andere Wirkstoff sich als Treffer entpuppt, dann kann die Idorsia-Aktie schon 2018 deutlich höher notieren.

31. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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