Adidas im Sprint zu alter Stärke

Die Aktie des Sportartikelherstellers Adidas legte seit Mitte September um gut 16 Prozent zu. (Foto: chrisdorney)

In den vergangenen, äußerst unruhigen Börsenwochen stach Adidas positiv heraus: die Aktie des Sportartikelherstellers legte seit Mitte September um gut 16 Prozent zu. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex DAX notiert derzeit knapp zwei Prozent niedriger als vor vier Wochen.

Der DAX-30-Wert profitiert dabei von der neuen Strategie, die Adidas-Chef Herbert Hainer im Sommer verkündete.

Denn immer stärker wird der künftige Weg der Franken sichtbar. „Fokussierung“ und „Schnelligkeit“ sind zwei Schlagwörter, mit denen sich der Veränderungsprozess bei Adidas am besten beschreiben lässt.

So sponsert die Drei-Streifen-Marke künftig nur noch Einzelsportler und Vereine mit beinahe globaler Bedeutung.

Clubs wie Manchester United und Bayern München gehören dazu, der Zweitligaclub 1. FC Nürnberg nicht mehr – trotz jahrzehntelanger Verbundenheit und räumlicher Nähe zum fränkischen Hauptquartier.

New York, London und Shanghai statt Moskau

Nachdem über Jahre hinweg Osteuropa und hier speziell Russland als wichtige Wachstumsmärkte galten, stehen sie nun nicht mehr im Fokus.

80 Prozent des künftigen Umsatzwachstums will Adidas in vier Regionen erzielen: Nordamerika, Lateinamerika, China und Westeuropa.

Im Rahmen der bis 2020 ausgeflaggten Strategie „Creating the New“ will sich Adidas dabei künftig deutlich sichtbarer machen. Mit großen Flagship Stores in Los Angeles, New York, London, Paris, Shanghai und Tokio setzt das Unternehmen auf große Abstrahleffekte auf die gesamten Regionen.

Adidas-Aktie auf der Überholspur2016 war ein doppelter Erfolg: Die Adidas-Aktie schaffte nicht nur die DAX-Krone, sondern zog auch deutlich an US-Konkurrent Nike vorbei: › mehr lesen

Sie sollen bis 2016 realisiert sein, dann sollen direkt Läden in Barcelona, Berlin und Mailand folgen.

Schließlich will Adidas deutlich näher an die Kunden heranrücken als bisher. Sämtliche Absatzkanäle – vom stationären Handel bis hin zum Onlinegeschäft – sollen miteinander verknüpft werden. Adidas verspricht sich hiervon eine bessere Kontrolle, Synergien und wertvolles Wissen über den einzelnen Kunden.

Vom nächsten Jahr an will Adidas sogar Schuhe nach individuellem Kundenwunsch direkt im Laden fertigen.

Aktienrückkauf sorgt für steigende Dividende

Für weiteren Optimismus sorgt das laufende Aktienrückkauf-Programm. Seit November 2014 kauft Adidas regelmäßig eigene Aktien zurück und vernichtet sie. Die Aktienzahl sank so seit Januar 2015 bereits um 4,3 Prozent – Tendenz steigend.

Denn insgesamt will Adidas bis Herbst 2017 für 1,5 Mrd. Euro eigene Aktien erwerben und zwecks Kapitalherabsetzung vernichten.

Entsprechend entfällt auf jede Aktie mehr vom Unternehmensgewinn und von der Dividendensumme. Jeder einzelne Adidas-Aktionär erhält also mehr vom Kuchen. Angesichts der bereits heute attraktiven Dividendenrendite von 2,15 Prozent ist auch dies eine hervorragende Perspektive.

Schließlich liegt das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 20 – im historischen Vergleich, aber auch gegenüber Wettbewerbern wie Nike oder Puma, ist die Adidas-Aktie damit günstig bewertet.

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.