Adobe Systems-Aktie: US-Softwarehersteller bestätigt Milliardendeal

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Adobe Systems-Aktie: Softwarespezialist meldet Milliardenzukauf. Cloud-Segment wird gestärkt und soll für kräftigen Wachstumsschub sorgen (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Übernahmewelle rollt weiter durch die Technologiebranche. Gerade hat Adobe Systems, der US-Spezialist für Multimediaanwendungen, die größte Übernahme seiner Firmengeschichte bekanntgegeben. Für insgesamt 4,75 Milliarden Dollar will der Softwarekonzern den Marketing Spezialisten Marketo schlucken.

Den Aktionären scheint es zu gefallen. Der Kurs von Adobe notiert mit 265 Dollar nur knapp unter dem erst kürzlich markierten Allzeithoch. Besonders die Langfristanleger dürfte es freuen. Alleine im zurückliegenden Fünfjahreszeitraum haben die Papiere um mehr als 430% an Wert zugelegt.

Adobe Systems im Portrait

Adobe Systems ist ein US-amerikanisches Softwareunternehmen. Der Konzern bietet Software, mit dem Kunden digitale Inhalte erstellen, veröffentlichen und die Wirkung messen können. Zum Angebot gehören Grafik- und Bildbearbeitungsprogramme, Audio- und Videoschnittsysteme und Webanalyse-Tools. Einige der bekanntesten Produkte sind Photoshop, Acrobat, Flash und Dreamweaver.

Die Software von Adobe Systems Inc. wird an Hardwarehersteller, Softwareentwickler und Dienstleister sowie an Individualkunden und die Werbeindustrie geliefert. Die integrierten Softwarelösungen werden von Unternehmen aller Größen eingesetzt.

Beeindruckende Wachstumsgeschichte

Die Geschäftsentwicklung des Graphikspezialisten kann sich durchaus sehen lassen. So kletterten die Umsätze seit 2003 von 1,29 auf zuletzt immerhin 7,30 Milliarden Dollar. Parallel dazu verbesserte sich der Gewinn um 536% auf 1,69 Milliarden Dollar im vergangenen Geschäftsjahr. In den letzten Jahren setzte der Konzern konsequent auf den Aufbau einer Cloud-Strategie, d.h. die Software wird von den Kunden gegen eine monatliche Gebühr gemietet und nicht mehr wie in früheren Jahren gekauft.

Dadurch sinken zwar die Erlöse zu Beginn, auf lange Sicht winken aber stabilere Umsätze und vor allem höhere Gewinnmargen. Für Sie zum Vergleich: Lag vor fünf Jahren die Gewinnmarge bei 7,15%, so wurden im letzten Geschäftsjahr bereits 23,20% erzielt. Mittlerweile macht das Abo-Modell 88% der Gesamterlöse aus und führt zu niedrigeren Kosten.

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Warum diese Aktie besonders vom Cloud Computing Trend profitiertMit der Einführung der Creative Cloud änderte sich das Sentiment für Adobe Systems schlagartig. › mehr lesen

Adobe schluckt Marketing Spezialisten und stärkt die „Experience Cloud“

Mit der gerade angekündigten Übernahme von Marketo für 4,75 Milliarden Dollar stärkt Adobe sein Experience Cloud-Geschäft. Sie müssen wissen: Marketo bietet eine cloud-basierte Automations-Software an, die Kunden dabei unterstützen soll, eine Marketing-Kampagne von Anfang bis Ende erfolgreich abzuschließen.

Außerdem stellt Marketo Ihren Kunden Informationen zur Verfügung, die sie für personalisierte Werbeaktionen nutzen können. Zu den insgesamt 6.000 Kunden zählen kleine Firmen aber auch große Konzerne wie Microsoft, Hyundai, Panasonic, Charles Schwab, GE und Canon.

Die Experience Cloud, in der Marketingtechnologien sowie Daten und Analysen enthalten sind, wird für Adobe in Zukunft immer wichtiger. In 2017 erzielte der Geschäftsbereich mit 2,03 Milliarden US-Dollar Umsatz bereits 27% der Gesamterlöse. Alleine im letzten Quartal zeigte der Geschäftsbereich ein Umsatzwachstum von 18%.

Übernahme teuer, aber strategisch sinnvoll

Auf den ersten Blick macht der Zukauf durchaus Sinn. Die Produktpalette ergänzt sich hervorragend und beide Firmen haben viele gemeinsame Kunden. Jetzt kann Adobe alles aus einer Hand anbieten und seine Position gegenüber Wettbewerbern wie Microsoft, Salesforce oder Oracle verbessern.

Dabei hatte Adobe offenbar schon zu Zeiten des Börsengangs in 2013 ein Auge auf die Firma geworfen. Vor zwei Jahren wurde Marketo dann von der Investmentfirma Vista für 1,8 Milliarden Dollar von der Börse genommen. Über die genauen Geschäftszahlen gibt es keine wenig Auskünfte. Informationen der Ratingagentur Moody’s zufolge lag der Jahresumsatz zuletzt bei 321 Millionen Dollar. Damit würde Adobe immerhin mehr als das 14-fache der Erlöse für Marketo auf den Tisch blättern. Ein stolzer Preis, der vor allem auf der strategischen Bedeutung des Deals basiert.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.