Adva-Aktie: Analystenkommentar sorgt für Kursrally

Analystenkommentar löst Kursrally aus. Anleger hoffen auf Wende in 2018. Hohe Unsicherheit hält an (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Nach einem verkorksten letzten Jahr mit einem Kursrückgang von über 25% führte die Aktie des Spezialisten für glasfaserbasierte Übertragungstechnik zuletzt die Gewinnerliste an. Alleine am vergangenen Freitag setzten sich die Papiere mit einem Zuwachs 11% an die Spitze des Index für kleine und mittelgroße deutsche Technologieaktien TEC-DAX. Auch wenn sich operativ noch gar nichts getan hat – ein positiver Analystenkommentar reichte aus, um die Aktie aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

Adva im Porträt

Die Adva Optical Networking aus Martinsried ist ein international führender Anbieter von Telekommunikationsinfrastrukturlösungen für den Einsatz, das Management und die Bereitstellung von Netzwerken und Hochgeschwindigkeitsdiensten. ADVA ist weltweiter Marktführer bei Ethernet-Zugangslösungen und hält bei optischen Transportlösungen für Metronetze in der Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten und Afrika) mit einem Marktanteil von 7% eine starke Wettbewerbsposition.

Zu den Kunden der Gesellschaft zählen Unternehmen sowie große internationale Netzbetreiber. Seit 1994 wurden die Lösungen von Adva Optical Networking weltweit von über 250 Netzbetreibern und mehr als 10.000 Unternehmen eingesetzt.

Langfristig solide Zuwachsraten

Mit seiner Positionierung konnte der Konzern in den zurückliegenden Jahren solide Wachstumsraten verzeichnen. So kletterten die Umsätze seit 2002 von 88,1 auf 566,7 Millionen Euro in 2016. Zugleich drehte Adva Optical einen kleinen Verlust (-1,3 Millionen Euro) in einen Gewinn von 21,5 Millionen Euro. Mit einer Gewinnspanne von 3,8% wirtschaftete das Unternehmen aber deutlich schlechter als im Jahr zuvor (6,08% Marge).

Schwaches drittes Quartal sorgte für Unmut

Auch im vergangenen Jahr lief nicht alles rund bei Adva. Besonders die letzten Zahlen zum dritten Quartal hatten es in sich. Die zuvor gesenkten Prognosen wurden verfehlt. inzu gesellten sich Probleme mit Kunden und Lieferanten, die für Druck sorgten. Unter dem Strich rauschten die Umsätze um 30% auf 111,2 Millionen Euro in den Keller.

Das Betriebsergebnis hatte sich auf Proforma-Basis um mehr als 9 Millionen Euro verschlechtert und lag mit 0,8 Millionen Euro sogar im roten Bereich. Unterm Strich musste Adva wegen der Kosten für die MRV-Integration (Übernahme im August 2017) sogar einen Quartalsverlust von 14 Millionen Euro ausweisen. Für Sie zum Vergleich: Im vergleichbaren Vorjahresquartal erzielte die Firma noch einen Gewinn von 3,3 Millionen Euro.

Positiver Ausblick für das Schlussquartal

Lediglich der Ausblick für das vierte Quartal sorgte für einen Hoffnungsschimmer. Bei Erlösen zwischen 115 und 130 Millionen Euro peilt der Technologiekonzern wieder eine Gewinnrendite von bis zu 5% an. Dabei sollen vor allem die Wachstumsmärkte mit der Cloud und Mobilität für Rückenwind sorgen.

Analyst sieht Wendepunkt

Jetzt sehen auch erste Analysten wieder Licht am Ende des Tunnels. So sieht eine deutsche Privatbank auf Grund der niedrigen Lagerbestände Chancen für die Aktie. Angesichts einer niedrigeren Kostenbasis könnte ein deutlich überproportionaler Gewinnsprung bevorstehen. Aber Sie sollten wissen: Diese Einschätzung ist mit hoher Unsicherheit verbunden. Denn operativ gibt es noch einiges zu tun.

Ein Blick in die Historie zeigt Ihnen, dass das Adva-Management nicht immer mit treffsicheren Prognosen glänzen konnte. Charttechnisch hat sich durch die Kursrally das Bild zwar wieder aufgehellt. Aber bis zur Vorlage der finalen Zahlen und des Ausblicks am 22. Februar dürfte die Aktie hohen Schwankungen unterliegen, die vornehmlich dem Prinzip Hoffnung zuzuschreiben sind.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.