Adva Optical: Übernahmegerücht endet in Kurssturz

Reden ist Silber – Schweigen ist Gold. Besonders dann, wenn man mit brisanten Übernahme-Gerüchten von sich reden macht und dadurch die operative Schwäche des eigenen Unternehmens in den Hintergrund rückt. Geschehen ist das beim deutschen TecDax-Wert Adva Optical.

Der Vorstandsvorsitzende Brian Protiva sorgte kürzlich in einem Interview mit dem Deutschen Anleger Fernsehen selbst für Übernahme-Phantasie: „Vielleicht ist das Potenzial unserer Zusammenarbeit (Anm.: mit Juniper Networks) so groß, dass wir zusammenkommen. Eine Übernahme will ich da nicht ausschließen.“ Direkt nach dem Interview stieg der Aktienkurs. Anleger witterten eine heiße Übernahme-Story.

Bei Adva bleibt der Aufschwung aus

Mit den jetzt vorgelegten Quartalszahlen bekommt die Äußerung einen faden Beigeschmack. Denn Umsatz und Gewinn blieben beim Glasfaserspezialisten deutlich hinter den Erwartungen zurück. Unter dem Strich musste das TecDax-Unternehmen sogar einen Verlust ausweisen.

War die Übernahme-Story vielleicht nur der Hilferuf eines Unternehmen, das schon gemerkt hat, dass die hohen Erwartungen in Zukunft aus eigener Kraft nur schwer zu erfüllen sind? Wollte das Unternehmen bewusst von dem schwachen operativen Geschäft ablenken?

Während viele andere Unternehmen den Aufschwung nutzen können und mittlerweile sogar wieder Gewinne auf Vor-Krisenniveau erwirtschaften, kämpft Adva mit roten Zahlen. Bis das Unternehmen wieder Gewinne schreibt, wird es aus Sicht des Managements sogar noch ein wenig dauern.

Investoren-Vertrauen beschädigt

Anleger quittierten die schwachen Zahlen in einem starken Gesamtmarkt mit einem Kurssturz. In der Spitze verlor die Aktie auf Tagesbasis 20%. Bis zum Hoch von knapp 8 Euro im Februar 2011 ist es ein weites Stück. An der Frankfurter Börse kostet eine Adva-Aktie nur noch rund 5,20 Euro.

Angesichts der schwachen Zahlen ist es auch fraglich, ob die Aktie in absehbarer Zeit wieder in Regionen von 8 Euro vorstoßen kann. Viele Analysten haben bereits angekündigt, die Kursziele des Unternehmens neu berechnen zu müssen.

Viel schlimmer wird aber der Vertrauensverlust sein, der jetzt auf der Aktie lastet. Wenn ein Vorstands-Chef das Unternehmen in den Medien so offensiv ins Gespräch bringt und gleichzeitig ahnen oder sogar wissen muss, dass der Kurs nach den Geschäftszahlen verlieren wird, dauert es lange, bis die Investoren wieder Vertrauen fassen.

Übernahme-Kandidaten auf Herz und Nieren prüfen

Kommt es zu Übernahmen, winken satte Kurs-Gewinne. Auch der Kurs der Adva Optical-Aktie würde im Falle einer Übernahme kräftig zulegen. Doch der Kurssturz zeigt auch, was passieren kann, wenn eine Aktie nur von Übernahme-Gerüchten lebt und von den fundamentalen Daten nicht gestützt wird.

Anleger sollten daher bei der Wahl des Übernahme-Kandidaten darauf achten, dass ein Unternehmen auch fundamental eine Investition rechtfertigt. Übernahme-Profis können dann mit einer Doppelchance (fundamental unterbewertet + Übernahme-Chance) hohe Renditen erwirtschaften.

Bei Adva wird sich jetzt zeigen, ob der Vorstand die Lage richtig eingeschätzt hat. Wenn er Adva bei gut 7 Euro je Aktie als Übernahme-Kandidat sieht, müssten bei 5,20 Euro die Käufer serienweise vor der Tür stehen. Das wird spannend.

26. April 2011

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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