Adyen: Niederländischer Zahlungsabwickler winkt bei Wirecard ab

Wirecard Konkurrent Adyen

Der Wirecard-Rivale Adyen ist im Höhenflug - im ersten Quartal gab es ein deutliches Umsatzplus. (Foto: Pavel Kapysh / shutterstock.com)

Die Aufbereitung des Wirecard-Skandals steckt noch in den Anfängen. Zugleich versucht der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé bereits Teile der Pleitefirma gewinnbringend an den Mann zu bringen. Was liegt da näher, auch bei dem niederländischen Wirecard-Rivalen Adyen anzuklopfen? Immerhin verfügt die Firma über ein nahezu identisches Geschäftsmodell. Während der Wirecard-Kurs implodiert ist, kletterte der Preis für Adyen-Papiere gerade auf eine neues Rekordhoch. Seit dem Jahreswechsel hat die Aktie über 80% an Wert zugelegt.

Adyen im Portrait

Adyen ist ein niederländischer Dienstleister auf dem Gebiet der Zahlungsabwicklung mit Sitz in Amsterdam. Pieter van der Does und Arnout Schuijff zählten 2006 zu den Gründern von Adyen. Die Gründer hielten die damals bestehenden Systeme für die digitale Zahlungsabwicklung für veraltet und erkannten in der Entwicklung von neuen Zahlungsplattformen eine Marktlücke.

Der Unternehmensname Adyen entstammt der Kreolsprache Sranan und bedeutet so viel wie „von vorne beginnen“. Zu den frühen Investoren gehörten unter anderem Mark Zuckerberg, Jack Dorsey und der singapurische Staatsfonds Temasek. Seit 2017 verfügt das Unternehmen über eine europäische Banklizenz. Durch die Software Adyens können verschiedene Bezahlmethoden im stationären Handel, online und mobil angeboten werden. Die letztliche Zahlung wird auch über das Unternehmen abgewickelt.

Inzwischen beschäftigt der Konzern mehr als 1.000 Mitarbeiter in mehr als 20 Standorten weltweit.

Deutlich mehr Transparenz als bei Wirecard

Was Alter, abgewickeltes Transaktionsvolumen, Tätigkeitsschwerpunkt und internationale Ausrichtung angeht, sind Adyen und Wirecard ziemlich gut vergleichbar. Das Herzstück beider Gesellschaften ist eine digitale Plattform zur Abwicklung von Zahlungs-Transaktionen. Allerdings sind die Niederländer wesentlich transparenter, was ihre Geschäfte angeht. Adyen konzentriert auf Partnerseite sein Geschäft zu zwei Drittel auf Europa. Zudem generiert der Konzern rund ein Drittel der Einnahmen durch Reisebuchungen.

34% Umsatzplus im ersten Quartal

Im Startquartal zeigten die Niederländer weiterhin ein hohes Wachstumstempo. Insgesamt verarbeitete der Konzern ein Transaktionsvolumen von 67 Milliarden Euro (+38%). Das ganze mündete in einen Nettoumsatz von 135,5 Millionen Euro, was 34% über dem vergleichbaren Vorjahresquartal lag. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stellte sich auf 63,6 Millionen Euro (+16%). Damit erzielte Adyen eine EBITDA-Marge von 47%.

Adyen kein Interesse an Wirecard-Teilen

Im Rahmen der Zerlegung des deutschen Rivalen Wirecard winkte Adyen jetzt frühzeitig ab. Der Konzern wird sich nicht an der Zerlegung des insolventen Wettbewerbers beteiligen und nicht für einzelne Unternehmensteile bieten.

Der Kommunikationschef von Adyen bezeichnete das Geschäftsmodell seines Unternehmens als relativ simpel. Damit könne man aber gutes Geld verdienen. Drittlizenzaktivitäten, die bei Wirecard eine wichtige Rolle spielten, gibt es bei Adyen nicht. In Asien sei der Konzern mit einer Dependance in Singapur vertreten.

Die Anleger scheinen die höhere Transparenz zu schätzen. Nach dem jüngsten Höhenflug ist der Börsenwert auf inzwischen 40 Milliarden Euro angeschwollen. Damit ist der kleinere Rivale deutlich mehr wert als Wirecard zu seinen Spitzenzeiten.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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