Adyen: Wirecard-Rivale weiter auf Wachstumskurs

Wirecard Konkurrent Adyen

Der Zahlungsdienstleister Adyen profitiert von der Wirecard-Krise - und punktet mit einem hohen Wachstum im Corona-Quartal. (Foto: Pavel Kapysh / shutterstock.com)

Während der Wirecard-Skandal weiter medial aufgearbeitet wird, hat der niederländische Rivale Adyen gerade seine Zahlen vorgelegt. Von Krise keine Spur: Der Zahlungsdienstleister konnte seine Anleger abermals mit hohen Wachstumsraten beglücken und scheint vom Absturz Wirecards zu profitieren. Auch wenn der Ruf der Branche durch den Betrugsfall leidet, das Neukundenwachstum Adyens scheint der Skandal zu beflügeln. Immer mehr Kunden des Aschheimer Konzerns klopfen bei Adyen an die Tür und wollen zu dem niederländischen Unternehmen wechseln.

Adyen im Portrait

Adyen ist ein niederländischer Dienstleister auf dem Gebiet der Zahlungsabwicklung mit Sitz in Amsterdam. Pieter van der Does und Arnout Schuijff zählten 2006 zu den Gründern von Adyen. Die Gründer hielten die damals bestehenden Systeme für die digitale Zahlungsabwicklung für veraltet und erkannten in der Entwicklung von neuen Zahlungsplattformen eine Marktlücke.

Der Unternehmensname Adyen entstammt der Kreolsprache Sranan und bedeutet so viel wie „von vorne beginnen“. Zu den frühen Investoren gehörten unter anderem Mark Zuckerberg, Jack Dorsey und der singapurische Staatsfonds Temasek. Seit 2017 verfügt das Unternehmen über eine europäische Banklizenz. Durch die Software Adyens können verschiedene Bezahlmethoden im stationären Handel, online und mobil angeboten werden. Die letztliche Zahlung wird auch über das Unternehmen abgewickelt.

Inzwischen beschäftigt der Konzern knapp 1.500 Mitarbeiter in mehr als 20 Standorten weltweit.

Deutlich mehr Transparenz als bei Wirecard

Was Alter, abgewickeltes Transaktionsvolumen, Tätigkeitsschwerpunkt und internationale Ausrichtung angeht, sind Adyen und Wirecard ziemlich gut vergleichbar. Das Herzstück beider Gesellschaften ist eine digitale Plattform zur Abwicklung von Zahlungs-Transaktionen. Allerdings sind die Niederländer wesentlich transparenter, was ihre Geschäfte angeht. Adyen konzentriert auf Partnerseite sein Geschäft zu zwei Drittel auf Europa. Zudem generiert der Konzern rund ein Drittel der Einnahmen durch Reisebuchungen.

Der Online-Zahlungsdienstleister Adyen hat seinen Um­satz im ersten Halbjahr zwar kräftig steigern können. Das Nettoergebnis ging allerdings zurück. Außerdem führte der deutliche Ausbau der Mitarbeiterzahl zu kräftig erhöhten Ausgaben.

Kräftiges Wachstum im Corona-Quartal….

Die gerade vorgestellten Geschäftszahlen hatten es in sich: Adyens wickelte im ersten Halbjahr Umsätze von 129,1 Milliarden Euro ab, ein Plus von 23% zum Vorjahreszeitraum. Während insbesondere Reisezahlungen eingebrochen sind, feuerte der Online-Handel auf allen Zylindern und sorgte bei Adyen für deutlichen Rückenwind.

Insgesamt kletterte der Umsatz auf 279,9 Millionen Euro. Besonders hohes Wachstum verzeichnete der Konzern in Nordamerika (+58 %), gefolgt von Asien-Pazifik (+28 %) und Europa(+21 %).

…..aber Gewinn leicht unter Erwartungen

Mit einem operativen Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 40,9 Millionen Euro (+12 %) wurden die Analystenerwartungen um 3,1 Millionen Euro verpasst. Entsprechend ging die Ebitda-Marge um 5,6 Prozentpunkte auf 50,3% zurück. Vor allem höhere Investitionen drückten das Ergebnis. Immerhin gab es 266 Neueinstellungen im ersten Halbjahr. Unter dem Strich schrumpfte das Nettoergebnis um 15% auf 78,4 Millionen Euro zusammen.

Was die Zukunft angeht, zeigt sich die Konzernführung zuversichtlich, was auch die deutliche Aufstockung des Personals deutlich macht. An den Wachstumszielen (+20-30% beim Umsatz) halten die Niederländer unterdessen fest.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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