Aer Lingus: Starke Geschäftszahlen – doch Politik ist gegen den Deal

Die irische Luftfahrtgesellschaft Aer Lingus hat heute die Geschäftszahlen für das vierte Quartal  sowie für das Gesamtjahr 2014 vorgelegt und konnte damit die Erwartungen des Marktes erreichen.

Wie die Iren mitteilten, wurde im Vorjahr dank großer Nachfrage auf der Langstrecke sowohl Umsatz als auch Gewinn kräftig gesteigert. Unter dem Strich verbuchte die Gesellschaft einen Gewinnsprung von 18% auf 72 Mio. Euro.

Wenn Sie Aer Lingus-Aktionär sind, dürften Ihnen die starken Geschäftszahlen Freude bereitet haben. An anderer Stelle dagegen sorgten Neu-Informationen für Ernüchterung:

Die Politik stemmt sich offenbar gegen eine Übernahme durch die British Airways-Mutter IAG.

Aer Lingus: Nicht nur Management entscheidet über Deal

Hintergrund: Aer Lingus ist seit mehreren Jahren Übernahme-Kandidat und hat bereits mehrfach Angebote erhalten. Sehr hartnäckig zeigte sich dabei der lokale Konkurrent Ryanair, dem jedoch bisher die Wettbewerbsbehörden bei jedem Übernahme-Versuch einen Riegel vorschoben.

Zuletzt versuchte es der britische Konkurrent IAG. Eine Erstofferte wurde zunächst zurückgewiesen, doch nach einer Aufstockung signalisierte das Aer Lingus-Management Übernahme-Bereitschaft.

IAG will aber mit einem Angebot nur ernst machen, wenn neben der Zustimmung von Aer Lingus, auch Ryanair und der Staat Irland bereit sind, ihre Anteile zum Angebotspreis von 2,55 Euro je Aktie abzugeben.

Ryanair grundsätzlich bereit Anteil abzugeben – Politik verlangt weitere Zugeständnisse

Ryanair hielt sich nach dem Angebot von IAG zunächst bedeckt, zeigte sich jedoch vor wenigen Tagen grundsätzlich bereit, den Anteil zu einem fairen Preis abzugeben. Ob der Billigflug-Anbieter damit 2,55 Euro meint, ließ er allerdings offen.

Deutlich reservierter zeigte sich die irische Politik: Der irische Verkehrsminister Pascal Donohoe teilte heute mit, dass noch einiges zu besprechen sei, bevor der Staat sich vom 30%-Anteil trennen werde.

So stehen immer noch Jobgarantien und der Umgang mit den Aer Lingus-Slots am Londoner Flughafen Heathrow zur Debatte.

Aktie weiter unter Angebotspreis: Deal-Chance fällt – fundamentale Stärke steigt

Die negativen Neuigkeiten und die soliden Geschäftszahlen sorgten für einen unveränderten Aer Lingus-Aktienkurs. Mit 2,25 Euro notiert die Aktie weiterhin deutlich unter dem wahrscheinlichen Angebotspreis.

Dies signalisiert Ihnen, dass der Markt alles andere als von einem Deal überzeugt ist. Die grundsätzliche Chance ist zwar da und es handelt sich auch um Übernahme-Fakten (nicht bloße Gerüchte) – doch entscheidet die Politik, ob der Deal stattfindet oder nicht.

Politische Entscheidungen sind nicht immer die richtigen Entscheidungen. Gerade bei Einzelfällen, wo wenig Schaden angerichtet wird – aber viele Stimmen gewonnen werden können –, besteht die Gefahr einer Fehlentscheidung.

Hier suchen 2 Unternehmen einen wirtschaftlich sinnvollen Zusammenschluss. Der Übernahme-Kandidat ging aktiv auf die Politik zu und hat die Vorteile klar gemacht – dennoch droht ein Deal am politischen Widerstand zu scheitern.

Es stellt sich die Frage, wie weit IAG weiteres Entgegenkommmen anbieten kann und dennoch den Deal vor den Investoren zum Angebotspreis rechtfertigen kann.

Gut möglich, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist und die sinnvolle Übernahme ausbleibt.

24. Februar 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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