Aercap: Milliardendeal wirbelt Markt für Flugzeugleasing kräftig durcheinander

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Aercap legt eine 30 Milliarden Dollar-Offerte für Gecas auf den Tisch: Der Zusammenschluss schafft neuen Riesen im Markt für Flugzeugleasing. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Der Deal ist ein Paukenschlag und sorgt für eine neue Kräfteverteilung auf dem Markt für Flugzeugleasing. Die irische Flugzeug-Leasingfirma Aercap Holdings will für 30 Milliarden Dollar GE Capital Aviation Services (Gecas) schlucken. Damit setzt General Electric-Chef Larry Culp den Umbau des US-Mischkonzerns weiter voran.

Die Amerikaner trennen sich von ihrem Jet-Leasinggeschäft und legen es mit dem irischen Konkurrenten AerCap zusammen. Durch die Fusion entsteht der mit Abstand weltweit größte Anbieter für Flugzeugleasing. Das wiederum dürfte nicht ohne Auswirkungen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing bleiben. Denn die Marktmacht des neuen Riesen nimmt mit der Transaktion deutlich zu.

Umbau bei General Electric setzt sich ungebremst fort

General Electric war einmal einer der mächtigsten Mischkonzerne der Welt. In der Finanzkrise wäre die US-Industrie-Ikone aber beinahe Opfer ihrer strauchelnden Finanzsparte geworden. Viele Probleme, unter denen GE heute noch leidet, gehen auf GE Capital zurück. Daher setzt GE-Boss Larry Culp alles daran, den Konzern zu verschlanken. Das Ziel: GE soll sich auf das Kerngeschäft mit Gesundheitstechnik, Turbinen und Flugzeugtriebwerken fokussieren. So wurde bereits das Geschäft mit Laborausrüstung für Biotech- und Pharmaunternehmen für 21 Milliarden Dollar an Danaher veräußert.

Vor diesem Hintergrund macht auch der jüngste Deal durchaus Sinn, da er den immensen Schuldenberg von General Electric senken kann. Immerhin soll der Verkauf von Gecas 30 Milliarden Dollar in die Kasse spülen. Rund 24 Milliarden Dollar sollen in bar fließen. Der Rest, ein 46%-iges Aktienpaket am fusionierten Flugzeugriesen, könnte GE nach 15 Monaten veräußern. Sollte der Deal über die Bühne gehen, dann hätte GE den gewaltigen Schuldenberg seit 2018 um 70 Milliarden Dollar reduziert.

Historischer Deal unter Flugzeugvermietern

Die Dimension des Deals ist gewaltig: Zusammen kommen Aercap und GE Capital Aviation Services (Gecas) auf mehr als 2000 Flugzeuge und 300 Hubschrauber. Damit wäre der Konzern dreimal so groß wie die Nummer drei auf dem Markt, die irische Avolon, die zum angeschlagenen chinesischen HNA-Konzern gehört.

Dabei besteht die gemeinsame Flotte zu rund 60% aus Kurzstreckenmaschinen, die in Zukunft deutlich stärker gefragt sein dürften. Flugzeuge mit neuartigen, sparsameren Antrieben sollen 2024 drei Viertel des Bestandes ausmachen.

Für Aercap großer Schluck aus der Pulle

Für Aercap ist die geplante Mega-Übernahme eine bedeutende Nummer. Da die Barkomponenten (24 Mrd. Dollar) über die Aufnahme von Fremdmitteln erfolgen soll, wird die Verschuldung deutlich ansteigen. Sollte die Branche sich schnell wieder erholen, dürfte das allerdings kein Problem für die Niederländer sein. Im Vor-Corona-Jahr 2019 war Aercap hochprofitabel: Bei einem Umsatz von 4,68 Milliarden Dollar blieb immerhin ein Reingewinn von 1,14 Milliarden Dollar hängen. In 2020 gingen die Umsätze dann auf 4,32 Milliarden Dollar zurück und Aercap rutschte in die Verlustzone (-299 Mio. Dollar).

Zusammenschluss stärkt Marktmacht

Wie bei Großfusionen üblich, sollen nach dem Zusammenschluss natürlich auch Kostenvorteile durch den Wegfall von Doppelfunktionen realisiert werden. Dies ist gerade im schwierigen aktuellen Umfeld hilfreich, in dem Kunden Zahlungsaufschübe verlangen und Verträge kündigen wollen. Zudem dürfte sich der Zusammenschluss mit der massiv gestiegenen Einkaufsmacht bei den Flugzeugbauern positiv auf die Margen auswirken.

Wettbewerbsbehörden könnten Deal blockieren

Gerade in dieser entstehenden Marktmacht könnte aber auch ein Risiko liegen. General Electric und Aercap rechnen zwar damit, das Geschäft in neun bis zwölf Monaten unter Dach und Fach zu bringen. Aber erst einmal müssen die Aercap-Aktionäre und die Regulierungsbehörden ihren Segen geben. Angesichts der Bedeutung der beiden Unternehmen dürften die Regulierungsbehörden die Megaübernahme ganz genau unter die Lupe nehmen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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