AeroVironment-Aktie: Warum die Aktie des Drohnen-Herstellers in den Keller rauscht

Zugegeben: Anlagen in Rüstungs-Unternehmen sind nicht jedermanns Sache. Eine Analyse des Geschäftsmodells kann aber dennoch spannend sein; so auch bei AeroVironment.

Immerhin handelt es sich bei dem Konzern um den weltweiten Marktführer für unbemannte Fluggeräte, sogenannte Drohnen, für den Militär-Bereich.

Die Marktposition mit der Aussicht auf hohe Zuwächse im Geschäft mit kommerziellen Drohnen für hatten den Kurs in den vergangenen Jahren angetrieben.

Doch langsam kommen die Anleger wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn die Geschäfte laufen deutlich schwächer als erwartet. Entsprechend stark fiel der Kursrutsch (-20%) nach den jüngsten Quartalszahlen aus.

Mit muskelkraftbetriebenen Flugzeugen fing alles an

Bei dem US-Technologie-Konzern handelt es sich übrigens um kein Startup-Unternehmen. Gegründet wurde der Konzern bereits im Jahr 1971.

Sie werden es nicht glauben: In seinen Anfangs-Jahren macht AeroVironment mit Flugzeugen auf sich aufmerksam, die mithilfe purer Muskelkraft betrieben wurden.

Später entwickelten die Ingenieure dann solarbetriebene Flugzeuge bevor der Konzern zum Marktführer für unbemannte Flugzeuge aufstieg.

Aber das ist nicht der einzige Geschäftsbereich – denn die Technologie-Firma entwickelt und produziert auch Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge. Allerdings werden hier nur ungefähr 15% der Umsätze erzielt.

Beeindruckende Wachstums-Geschichte bis 2012

Nach der Jahrtausendwende erlebte der Konzern einen regelrechten Höhenflug:

Die Erlöse kletterten von 2003 – 2012 alleine von 45,8 Mio. Dollar auf 325 Mio. Dollar. Bei einem Gewinn von 30,5 Mio. Dollar hatte die Technologie-Firma die Gewinn-Spanne auf 9,37% verbessert (2003: 1,18%).

Doch seitdem stottert das Getriebe: Im vergangenen Geschäftsjahr lagen die Umsätze mit 264,1 Mio. Dollar knapp 19% unter dem Rekordjahr 2012.

Auch die Gewinn-Marge ist wieder auf schmale 3,39% zusammengeschmolzen.

Hohe Umsatz-Rückgänge im 1. Quartal

Der Jahres-Auftakt ließ ebenfalls wenig Euphorie bei den Anlegern aufkommen. Die Erlöse sackten um 23% auf 36 Mio. € ab. Analysten waren im Vorfeld von 38 Mio. Dollar ausgegangen.

Bei der Gewinn-Entwicklung sah es noch schlimmer aus – denn dem Konzern misslang sogar der Sprung in die Gewinnzone: Unter dem Strich verbrannte AeroVironment 11,6 Mio. Dollar bzw. 0,51 Dollar je Aktie.

Das lag massiv unter den Erwartungen der Experten, die lediglich von einem Verlust von 0,15 Dollar je Anteilsschein ausgegangen waren.

Besonders enttäuschend: Beide Geschäftsbereiche lieferten wenig überzeugende Zahlen ab:

  • Bei den unbemannten Fluggeräten (Drohnen) sackten die Erlöse um 24% auf 30,5 Mio. Dollar ab.
  • Aber auch im Segment „Elektromobilität“ schmolzen die Umsätze deutlich zusammen (-17% auf 5,7 Mio. Dollar).

Als Grund führte Firmenchef Timothy E Conver höhere Entwicklungs-Kosten und eine schwache Absatz-Entwicklung an.

Auftrags-Eingänge sind der einzige Lichtblick

Wenn Sie einen Lichtblick in den Zahlen suchen, werden Sie diesen am ehesten bei dem Auftrags-Bestand finden. Denn mit 74,9 Mio. Dollar liegt dieser zumindest deutlich über dem Niveau des Vorquartals (65,8 Mio. Dollar).

Zugleich hält das Management an seinen Jahreszielen fest: Zwischen 260 und 280 Dollar Umsatz peilt das Unternehmen an. Beim Gewinn sollen dann 0,25 bis 0,35 Dollar je Aktie rausspringen.

Neuausrichtung benötigt mehr Zeit als geplant

Um die Rückgänge zu kompensieren, will der Konzern im Geschäft mit kommerziellen Drohnen mitmischen.

AeroVironment arbeitete in der Vergangenheit bereits in kleinem Umfang mit dem Ölgigant BP zusammen, um Öl-Pipelines in Alaska mit Drohnen zu inspizieren.

Jetzt plant das Unternehmen, seine Bemühungen auf andere Unternehmen, Regionen und Anwendungs-Bereiche (z. B. Landwirtschaft) auszuweiten. Bis erste Erfolge sichtbar werden, könnte es allerdings dauern.

Vor dem Hintergrund der hohen Unsicherheit ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 75 bis 100 trotz des Kurseinbruchs alles andere als ein Schnäppchen.

5. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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