Air Berlin: Aktie nach Insolvenz im Sinkflug

Der Großaktionär Etihad aus den Vereinigten Arabischen Emiraten dreht der strauchelnden Fluggesellschaft Air Berlin den Geldhahn zu. (Foto: Art Konovalov / Shutterstock.com)

Was lange währt, wird nicht immer gut. Denn schon lange lag die drohende Insolvenz von Air Berlin in der Luft.

Jetzt hat der Großaktionär Ethiad der strauchelnden Fluggesellschaft endgültig den Geldhahn zugedreht.

Bei jährlichen Verlusten von über 800 Mio. € blieb der Gesellschaft nur noch der Weg in die Insolvenz.

Die Anleger dürfte die Meldung zwar wenig überrascht, aber dennoch heftig geschmerzt haben. Denn alleine am gestrigen Tag raste die Aktie zeitweilig um über 40% in den Keller.

Fluggesellschaft mit US-Wurzeln

Die Wurzeln der Fluggesellschaft reichen bis ins Jahr 1978 zurück:

Nachdem der Pilot Kim Lundgren im Zuge der Ölpreiskrise seine Arbeit bei der Pan Am verlor, gründete er Air Berlin als Charterfluggesellschaft im US-Bundesstaat Oregon.

Denn nach dem 2. Weltkrieg durften bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 nur Flugzeuge der Siegermächte West-Berlin anfliegen.

Der 1. Flug der Gesellschaft führte am 28. April 1979 mit einer Boeing 707 von Berlin nach Palma de Mallorca. 1981 wurden die beiden 707er durch 2 kleinere Boeing 737 ersetzt.

Air Berlin spezialisierte sich auf Ziele rund um das Mittelmeer, Palma war lange Zeit das meistangeflogene Ziel der Gesellschaft.

Und neben den zentralen und erfolgreichen Charterflügen rund ums Mittelmeer bot die Fluggesellschaft Anfang der 80er-Jahre auch eine wöchentliche Verbindung mit einer Boeing 707 von Berlin via Brüssel nach Orlando an.

Der Höhenflug von Air Berlin

Nach der Wiedervereinigung musste sich die damals noch amerikanische Fluggesellschaft komplett neu ausrichten.

Mit der Umwandlung zu einer deutschen Fluggesellschaft begann eine Erfolgsgeschichte:

Mit Flugzeugen für Reiseveranstalter brachte der Konzern reisehungrige Passagiere an Urlaubsziele rund ums Mittelmeer.

Schon 1993 bestellte die Fluggesellschaft bei Boeing 26 neue Flugzeuge.

Die Einführung des Mallorca-Shuttles von 12 deutschen Städten auf die Balearen-Insel 5 Jahre später war ein voller Erfolg:

Air Berlin wuchs und stieg schon 2003 zur zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft auf.

Kräftiges Wachstum bei schwachen Margen

Die Erfolgsgeschichte hielt noch einige Jahre an – zumindest suggeriert das ein Blick auf die Umsatz-Entwicklung:

USA: So schlecht steht es um die WirtschaftDonald Trump wird bald der neue US-Präsident sein. Aktuell kündigt er viel an – aber die Frage ist doch, was er tatsächlich umsetzen kann? › mehr lesen

Immerhin kletterten die Erlöse alleine von 1,21 Mrd. € in 2005 bis auf 4,31 Mrd. € im Jahr 2012.

Trotz des immensen Wachstums, primär getrieben durch Zukäufe anderer Fluggesellschaften wie Belair, DBA, LTU und Niki, schaffte es die Airline aber nie richtig Geld zu verdienen.

Ohnehin ging es bereits seit Längerem steil bergab: Im vergangenen Geschäftsjahr lagen die Umsätze nur noch bei 3,78 Mrd. € und die Verluste türmten sich weiter auf.

Alleine in den zurückliegenden 4 Geschäftsjahren verbrannte Air Berlin über 1,9 Mrd. €.

Letztmalig gelang der Sprung in die Profitabilität im Jahr 2012 mit einem hauchdünnen Jahresgewinn von gerade einmal 7 Mio. €.

Aber auch dieser Gewinn war nicht operativ bedingt, sondern auf den Verkauf des Vielflieger-Geschäfts an Ethiad zurückzuführen.

Strategie-Änderung bringt keinen nachhaltigen Erfolg

Im vergangenen Jahr zog die Konzernführung die Notbremse und verordnete dem Konzern eine radikale Strategie-Änderung:

Air Berlin entwickelte sich zur klassischen Netzwerk-Fluglinie. Das Ferien-Fluggeschäft wurde ausgelagert und die Flugzeug-Flotte nahezu halbiert.

Doch angesichts der anhaltenden Verschlechterung der Ertragslage hat der Großaktionär Ethiad nun den Stecker gezogen.

Immerhin gehören der Airline aus Abu Dhabi seit 2011 knapp 30% der Anteile.

Wiederholt hatte der Konzern dem deutschen Unternehmen mit Geldspritzen unter die Arme gegriffen; letztmalig hat Ethiad im April 250 Mio. € nachgelegt.

Bundesregierung springt mit Kredit ein

Unterdessen springt die Bundesregierung nach der verkündeten Insolvenz ein und sichert den Flugbetrieb von Air Berlin in der Urlaubszeit mit einem Übergangs-Kredit von 150 Mio. €.

Aufgrund des Insolvenz-Rechtes wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenz-Antrags einzustellen.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass der Kredit durch die Vermarktung der sogenannten Slots (Start- und Landerechte) vollständig zurückgezahlt werden kann.

Alle hoffen auf Lufthansa

Nun ruhen die Hoffnungen v. a. auf dem deutschen Branchen-Primus Lufthansa. Verhandlungen dazu liefen bereits, erklärte Air Berlin am Dienstag.

Sie hat ein Interesse daran, weil sie Flugzeuge von Air Berlin geleast hat, die für ihre Töchter Eurowings und Austrian Airlines im Einsatz sind.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.