Air Berlin: Anleihe-Gläubigern droht Totalverlust

Am vergangenen Donnerstag habe ich Ihnen an dieser Stelle über den Anleihemarkt berichtet und Ihnen abschließend mit auf den Weg gegeben:

Am Aktienmarkt gibt es nur noch wenige „Schnäppchen“, aber bewertungstechnisch keine Blase. Am viel größeren Anleihemarkt spielen sich dagegen verrückte Dinge ab:

Dort können wir von einer gefährlichen Blase sprechen.

Achten Sie am Zinsmarkt auf vernünftige Laufzeiten und solide Bilanzen. Die Anleihen mit den höchsten Renditen sind dagegen oft tickende Zeitbomben.“

Air Berlin: Nichts zu holen für Anleihe-Gläubiger

Als eine solche „Bombe“ erweisen sich jetzt beispielsweise die Anleihen von Air Berlin:

Nachdem die Berliner Fluggesellschaft in der vergangenen Woche angekündigt hatte, einen Insolvenz-Antrag zu stellen, droht den Anleihe-Gläubigern der Totalverlust.

Denn in der Bilanz von Air Berlin befinden sich nur sehr wenige verwertbare Anlagen, die im Zweifel zu Geld gemacht werden könnten, das dann an die Anleihe-Gläubiger fließt.

Wenn Sie jetzt denken, dass Air Berlin seine Flugzeug-Flotte zu Geld machen könnte, irren Sie sich leider, denn die meisten Flugzeuge hat Air Berlin nur geleast.

Insofern ist bei Air Berlin kaum etwas für die Gläubiger zu holen…

Das Unternehmen hat unbesicherte Anleihen im Umfang von umgerechnet rund 480 Mio. € ausstehen.

Hinzu kommen 2 Wandelanleihen mit einem Volumen von insges. 130 Mio. €, die voraussichtlich ebenfalls nichts mehr wert sind.

Zwar werden voraussichtlich auch die Aktien wertlos verfallen, aber hier lag der Börsenwert schon vor der Pleite bei unter 100 Mio. €.

Der Schaden bei den Anleihen ist also um ein Vielfaches höher.

Immer wieder Ärger mit Hochzins-Anleihen

Ich schreibe an dieser Stelle schon seit Jahren regelmäßig über die Gefahren im Zusammenhang mit Hochzins-Anleihen.

Privat-Anleger lassen sich immer wieder von den hohen Zinskupons locken und zahlen dann am Ende viel Lehrgeld.

Auch die Zinskupons bei den Anleihen der Berliner Fluggesellschaft waren mit Werten zwischen 6,00 und 8,50% auf den 1. Blick reizvoll.

Doch die Fluggesellschaft schreibt seit Jahren hohe Verluste, und der Flugbetrieb konnte bereits seit längerer Zeit nur noch durch Finanz-Spritzen des Großaktionärs Etihad aufrechterhalten werden.

Allein im vergangenen Jahr schrieb Air Berlin einen Verlust von mehr als 780 Mio. € und übertraf damit den vorherigen Rekord-Verlust von 477 Mio. € (aus dem Jahr 2016) noch einmal deutlich.

Hinzu kommt, dass das Unternehmen bis Ende 2016 Schulden in Höhe von 1,2 Mrd. E€ angehäuft hatte.

Insofern war der Kauf von Anleihen von Air Berlin eine hochriskante Wette und kein solides Zins-Investment.

Dafür spricht auch, dass Air Berlin seine Anleihen am Markt für sogenannte Mini-Bonds begab.

Dort sammeln viele Firmen mit nur geringer Kreditwürdigkeit und ohne die Hilfe großer Banken Geld ein, das oft von Privat-Anlegern stammt.

Seit dem Jahr 2010 wurden nach Berechnungen der Beratungs-Gesellschaft Capmacron Mini-Bonds über gut 6,6 Mrd. € platziert.

Die verheerende Bilanz: Bei mehr als 1/3 wurden die Schulden nicht ordnungsgemäß bedient.

Fazit und Ratschlag

Daher möchte ich Sie an dieser Stelle noch einmal vor den Risiken im Zusammenhang mit Anleihen mit (zu) hohen Zinskupons warnen.

Den Gläubigern von Anleihen von Air Berlin rate ich:

Wenden sich an Anlegerschützer wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) oder die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).


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21. August 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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