Air Berlin nach der Wahl: Wie es jetzt weitergeht

Lesen Sie in diesem Beitrag von Rolf Morrien, wie es bei Air Berlin weitergeht und warum Sie die Finger von Penny Stocks lassen sollten: (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Gestern hat Deutschland gewählt.

Welche Koalition das Steuerruder übernimmt, deutet sich zwar bereits an (Jamaika-Koalition).

Wir werden jedoch erst in einigen Wochen endgültig wissen, wer uns zukünftig regieren wird.

Was aber klar ist, ist, dass der Ausgang der Wahl so gut wie keinen Einfluss auf die Entwicklung der Börsen am heutigen Tag hatte.

Als Stammleser kennen Sie bereits meinen Standardsatz nach Wahlen: Politische Börsen haben kurze Beine!

Zukunft von Air Berlin noch unklar

Was ebenso wie die Koalitionsfrage erst in den nächsten Wochen endgültig geklärt wird, ist, wie es bei der maroden Fluggesellschaft Air Berlin weitergeht.

Die wurde im Wahlkampf noch mit üppigen Millionen-Krediten aus der Staatskasse gestützt (damit es kurz vor der Wahl keine unschönen Negativ-Schlagzeilen gibt).

Jetzt deutet sich jedoch immer mehr an, dass das Unternehmen vor einer Zerschlagung steht.

Seit Tagen kursieren Gerüchte, die Lufthansa werde bei einer Zerschlagung von Air Berlin die größten und attraktivsten Filetstücke für sich ergattern können.

Die Börse nimmt die voraussichtliche Entwicklung bereits vorweg: Die Lufthansa-Aktie klettert nach oben.

Das ist der aktuelle Stand

Heute Nachmittag hat Air Berlin nach der Sitzung des Aufsichtsrats über den Zwischenstand im Bieter-Verfahren berichtet:

Es wurde auf der Grundlage der eingegangenen Angebote beschlossen, dass hinsichtlich der Veräußerung der Lufttransport-Bereiche mit der Deutschen Lufthansa AG und der britischen Fluggesellschaft easyJet als ausgewählten Bietern bis zum 12. Oktober 2017 weiter verhandelt werden soll und Teilveräußerungen in Betracht gezogen werden.

Darüber hinaus teilten die Verantwortlichen von Air Berlin mit, dass hinsichtlich der sonstigen Teilbereiche der Air Berlin-Gruppe die Verkaufs-Verhandlungen mit weiteren Bietern fortgesetzt werden.

Eine Zerschlagung von Air Berlin in mehrere Teile ist damit sehr wahrscheinlich.

Darüber hinaus ist es aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, dass Air-Berlin-Aktionäre leer oder zumindest quasi leer ausgehen werden.

Daher möchte ich an dieser Stelle noch einmal davor warnen, hoch spekulative Penny Stocks, wie es die Aktie von Air Berlin schon eine Weile ist, zu kaufen!

Meiden Sie Penny Stocks!

Falls Ihnen der Begriff „Penny Stocks” nicht geläufig ist, hier zunächst einmal eine kurze Erklärung: Darunter werden Aktien verstanden, die Kurse im Centbereich aufweisen.

D. h., dass die entsprechenden Aktien an der Börse weniger als beispielsweise 1 € oder 1 US-Dollar kosten.

Das suggeriert Anlegern leider vielfach, dass die Aktien besonders billig seien und auch höheres Kurssteigerungs-Potenzial böten als solche, die an der Börse z. B. 100 € oder 100 US-Dollar kosten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie von 10 Cent auf 1 € steigt, erscheint deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie von 100 auf 1.000 € steigt.

Dabei wäre die prozentuale Steigerung jedoch in beiden Fällen völlig identisch.

Es handelt sich dabei um eine fatale Fehleinschätzung, die schon viele Anleger eine Menge Geld gekostet hat.

Daher meine Empfehlung: Meiden Sie Penny Stocks!

Denn aus vermeintlich billigen Aktien wird schlussendlich oftmals ein teures Vergnügen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.