Air-Berlin-Übernahme: Bevorzugte Gespräche mit Lufthansa und Easyjet

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Air-Berlin-Aktie legt in 2 Wochen um 100% zu – Hoffnung der Aktionäre auf versteckten Hangar aus Gold wird allerdings enttäuscht werden. (Foto: Dawid Lech / Shutterstock.com)

Die Übernahme der insolventen Air Berlin nimmt Gestalt an:

Nachdem gestern der Gläubiger-Ausschuss tagte, heißt es heute von Insidern, dass mit Branchen-Primus Lufthansa und Easyjet bevorzugte Gespräche geführt werden sollen.

Von dem, was dann noch übrig bleibt, darf sich das Trio Niki Lauda/Condor/ ThomasCook passende Teile heraussuchen.

Statt einer Komplett-Übernahme kommt es also, wie erwartet, zu einer Zerschlagung.

Entscheidung des Gläubiger-Ausschusses mit einem faden Beigeschmack

Bei der Air-Berlin-Filetierung sollen die beste Stücke an die Lufthansa gehen.

Aus Verbrauchersicht mag das komisch klingen, denn schließlich hat die Lufthansa bereits auf verschiedenen Strecken eine gefühlte Monopol-Stellung.

Doch wenn betrachtet wird, dass sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt relativ schnell wohlwollend zur Übernahme großer Teile durch die Lufthansa aussprachen, dann wundert es nicht.

So hat der kommende Deal – wenn er so ausfällt, wie jetzt berichtet wird – nicht nur einen faden Beigeschmack, sondern vermutlich auch noch ein juristisches Nachspiel:

2 unterlegene Bieter kündigten an, den Rechtsweg zu prüfen.

Lufthansa übernimmt bis zu 78 Maschinen – für Condor und Co. bleibt nur die Resterampe

Bis die Übernahme-Gespräche abgeschlossen sind, wird es Medienberichten zufolge noch bis zum 12. Oktober dauern.

Der jetzige Stand ist, dass die Lufthansa die Air-Berlin-Tochter Nikki sowie weitere Flugzeuge und Mitarbeiter übernimmt.

Easyjet hat es wohl v. a. auf den Standort Berlin abgesehen und daneben noch Interesse an einzelnen Verbindungen an den Standorten München, Düsseldorf und Hamburg.

Wenn Lufthansa und Easyjet mit der Speisekarte durch sind, dürfen die anderen Interessenten bieten.

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Hoffnung auf verstecktes Goldlager im Hangar? – Air-Berlin-Aktie steigt um 100%

Für alle Air-Berlin-Zocker zunächst die gute Nachricht: Ihr Geld ist noch nicht weg!

Die vielen Interessenten sind für einen ordentlichen Übernahme-Preis hilfreich, und die Chance auf eine Zahlung am Ende des Prozesses lebt weiter.

Die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende doch noch etwas für die Aktionäre hängen bleibt, ist zwar nach wie vor gering, doch das scheint viele nicht zu stören.

Die Air-Berlin-Aktie schoss gestern Abend und heute Morgen entsprehcend weiter in die Höhe.

Zwischenzeitlich kostete das Papier 0,50 €. Wer auf Basis der vorliegenden Informationen zu dem Preis zugreift, der ist schon sehr optimistisch.

Anfang September wechselte die Aktie noch für die Hälfte den Besitzer.

Und es gibt gute Gründe, warum jemand auch zu dem Kurs nicht einstieg. Wer dennoch zugriff, konnte sein Geld in kürzester Zeit verdoppeln.

Firmen-Insider trennt sich von Air-Berlin-Aktien im Volumen von über 500.000 €

Auch wenn es für einige Zocker jetzt gut aussieht: Vor solchen Wetten warnen wir Privat-Investoren ausdrücklich!

Für die meisten Anleger enden Pleite-Wetten mit einem hohen oder sogar mit einem Total-Verlust.

Sie würden den Unternehmens-Anteil eines insolventen Konzerns kaufen und haben kein Mitspracherecht.

Wenn es um die Begleichung der Schulden geht, stehen Sie ganz weit hinten in der Schlange. Bei Air Berlin kommt noch Folgendes hinzu:

Joachim Hunold, Mitglied des Verwaltungsrats, hat vom 04. – 07. September Air-Berlin-Aktien zu unter 0,30 € und im Volumen von über 500.000 € auf den Markt geworfen.

Ohne die Motivation von Herrn Hunold zu kennen, sind die Verkäufe für eine Investitions-Entscheidung wohl nicht förderlich.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.