Air France-KLM: Bullish trotz Alitalia

Alitalia „glänzt“ mit verunglückter Werbeaktion. Der größte Einzelaktionär Air France-KLM wird wohl toben. (Foto: Alexey Boldin / Shutterstock.com)

So kann man natürlich auch an massive Berichterstattung in der Presse kommen. Die italienische Fluggesellschaft Alitalia hat sich wieder außerordentlich (negativ) ins Gespräch gebracht.

Gute Idee

Der Konzern bot auf dem sozialen Netzwerk Facebook potenziellen Kunden folgendes Geschäft an: „Liebe zukünftige Kunden, Ihr erhaltet 25% Rabatt auf unsere Tickets, wenn wir dafür Eure Email-Adresse erhalten.“ Die Idee hätte sich als Geschäft zum beiderseitigen Vorteil entwickeln können.

Die Luftfahrtlinie würde Kontaktdaten erhalten, die in der Werbewirtschaft bares Geld wert sind und die Fluggäste könnten sich über einen ordentlichen Nachlass freuen.

Mangelhafte Durchführung

Wenn, ja, wenn ordentliche Webseitenprogrammierer für Alitalia arbeiten würden. Stattdessen entpuppte sich die Internetpräsenz des Unternehmens als fehlerhaft, so dass bei Bestellungen über die japanische Version satte 240 Euro Rabatt gewährt wurden.

Damit wurden sehr viele Flüge gleich ganz kostenlos. Und im Zeitalter des Internets und der sozialen Netzwerke wie Facebook, Xing oder Twitter spricht sich so etwas mit der Geschwindigkeit eines Steppenfeuers in der Kalahari während der Trockenzeit herum.

Eine Menge Ärger als Quittung

Das Ergebnis: Alitalia machte 0 Euro Umsatz, nahm kein Geld und in Folge dessen eine störrische Haltung ein. Die Tickets wurden flugs storniert und ein internet-getragener Sturm der Entrüstung brach über die Italiener herein.

(Nur der Vollständigkeit halber: Solch eine Zornes-Welle in der virtuellen Welt trägt die Bezeichnung „Shitstorm“. Eine wörtliche Übersetzung erspare ich mir und Ihnen.) Diese Werbeaktion war also zwar gut gemeint, jedoch schlecht durchgeführt und dürfte einigen Verantwortlichen den beruflichen Kopf kosten.

Air France-KLM indirekt betroffen

Auch die Begeisterung bei der Air France-KLM sollte sich in sehr engen Grenzen halten. Der französisch-niederländische Konzern besitzt immerhin 25% an der italienischen Fluglinie. (Alitalia selbst ist seit der Insolvenz 2008 nicht mehr als eigenständige Aktie an der Börse vertreten.)

Point&Figure Air France-KLM: Erstaunlich bullish

Air France-KLM: Nach Rücksetzer durchaus kaufenswert

Erfreulicherweise präsentiert sich die Aktie dennoch sehr bullish. Sie befindet sich im Point&Figure-Chart mit geringen 0,10 Euro pro Kästchen (was dem niedrigen Aktienkurs von rund 6,00 Euro geschuldet ist) in einer Abfolge von Kaufsignalen.

Momentan weist der Anteilschein ein bestätigtes Kursziel von nur 6,25 Euro auf. Bei einem aktuellen Kurs von rund 6,00 sollten Sie vor einem Kauf erst einen Rücksetzer abwarten. Hier bietet sich der Bereich um 5,00 Euro an.

An dieser Stelle verläuft die langfristige Bearish-Resistance-Line (im Chart als rote fallende Linie markiert) als ehemaliger Widerstand, der erst am 1. Oktober überwunden wurde. Hier dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein erneuter Test anstehen.

Mein Fazit:

Die Aktie von Air France-KLM ist aufgrund ihres niedrigen Kurses besonders bei spekulativen Investoren beliebt und dementsprechend recht schwankungsintensiv.

Wer diese Volatilität nicht scheut, kann das eine oder andere „Tänzchen“ mit geringer Positionsgröße im Kaufbereich zwischen 5,00 und 5,20 Euro „wagen“. Hierbei sind Stopps zur Risikobegrenzung Pflicht.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jörg Mahnert
Von: Jörg Mahnert. Über den Autor

Jörg Mahnert, Jahrgang 1966, kam bereits in jungen Jahren in Kontakt mit der Börse. Bereits mit 18 Jahren betreute er sowohl eigene Depots als auch den familiären Aktienbesitz.