Airbus: Schulterschluss mit Bombardier zum Nulltarif

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Voll des Lobes ist die internationale Presse heute für die Mehrheits-Übernahme des Flugzeugbauers Airbus.

Wir möchten uns in die Schlange der Gratulanten einreihen, denn die Übernahme der Bombardier-Tochter CSALP zu 50,1% wird vollkommen zu Recht gefeiert.

Es ist ein Deal, von dem die Aktionäre beider Seiten profitieren, von dem beide Konzerne sehr stark profitieren – und der die Konkurrenten Boeing und Embraer unter Druck setzt.

Bombardier-Aktie legt kräftig zu

Bombardier und die Aktionäre des Flugzeug-Herstellers haben mehrere schwierige Jahre hinter sich:

Vor 2 Jahren musste sogar die kanadische Provinz Quebec einspringen, um dem Unternehmen finanziell unter die Arme zu greifen.

Die Aktie hat aufgrund schleppender Geschäfte dementsprechend schlecht abgeschnitten und in den vergangenen 5 Jahren 20% an Wert eingebüßt.

Das hört sich vielleicht nicht nach sehr viel an – doch der kanadische TSX hat im gleichen Zeitraum um über 30% zugelegt und die Wirtschaftslage war gut.

Zumindest heute ist das vergessen; die Aktie der Kanadier steigt um 20% auf den höchsten Stand seit Januar 2015.

Die Hoffnung, dass mit dem neuen starken Partner endlich der Verkauf angekurbelt wird, beflügelte das Papier.

Auch Airbus-Aktie mit sattem Plus

Ebenfalls deutlich im Plus ist die Aktie des Bieters:

Am Nachmittag verteuerte sich der Airbus-Anteilsschein sowohl im deutschen als auch im französischen Handel um 5% auf über 80 € und führte die jeweilige Gewinnerliste an.

Normalerweise kommt die Aktie des Bieters bei einer Übernahme unter Druck, da Geld abfließt und das Risiko steigt. Doch in diesem Fall begrüßen Investoren und Analysten den Deal.

C-Serie mit großem Marktpotenzial

Ein Grund könnte sein, dass gar kein Geld abfließt, oder besser gesagt: nur indirekt abfließt. Statt eines Kaufpreises einigten sich die beiden Seiten hierauf:

Die Bombardier-Tochter kommt in den Genuss des etablierten Airbus-Netzwerks und profitiert u. a. von der Kompetenz im Verkauf und in der Produktion.

Airbus-Chef Tom Enders beziffert die Nachfrage nach Flugzeugen in der Größenordnung 100 – 150 Passagiere auf 6.000 in den kommenden 20 Jahren.

Er sehe nicht, warum der Großteil der Flugzeuge aus der C-Serie stammen soll.

Schulterschluss könnte Zollstreit beenden

Bislang sind die weltweiten Bestellungen des Bombardier-Hoffnungsträgers jedoch mau ausgefallen. Das Orderbuch summiert sich auf 350 Maschinen.

Grund für die schwache Nachfrage war v. a. die Unsicherheit von Fluggesellschaften, ob Bombardier überhaupt an der Linie festhalten kann.

Mit Airbus im Rücken dürften die Sorgen der Kunden jedoch weggefegt werden.

Gleichzeitig profitiert die Bombardier-Tochter von der Verlagerung der Endproduktion in das Airbuswerk im US-Bundesstaat Alabama.

Die US-Regierung hatte erst vor wenigen Wochen wegen angeblich illegaler Subvention die Einfuhr kanadischer Flugzeuge mit einem Strafzoll in Höhe von 300% belegt.

Dies machte einen Kauf für US-Kunden unwirtschaftlich. Durch die Endfertigung in Alabama und der Schaffung neuer Arbeitsplätze könnte der Zollnachteil jetzt vom Tisch sein.

Airbus sichert sich Zugriff auf komplette C-Serie

Die Mehrheits-Übernahme der C-Serie zum Nulltarif ist ein ausgesprochen guter Deal für Airbus.

Und es zeigt, dass Bombardier bei den Verhandlungen aufgrund der aus dem Ruder gelaufenen Kosten mit den Rücken zur Wand stand.

Die Übernahme-Bedingungen sind so gewählt, dass die Allianz für Airbus fast risikolos ist und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine wirtschaftliche Katastrophe wird.

Sollte sich der Schulterschluss dagegen als besonders erfolgreich entpuppen, hat Airbus folgende Rechte:

  • in 2023 zunächst den 19%-Anteil der Provinz Quebec zu übernehmen
  • und in 2025 dann auch noch den verbliebenen Bombardier-Anteil zu kaufen.

Die heutige Freude der Airbus-Aktionäre ist also durchaus begründet.


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17. Oktober 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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