Aixtron-Aktie: Tot geglaubte leben länger

Aixtron-Aktie: Spezialmaschinenbauer im Rally-Modus. Warum Aixtron die Sieger-Aktie im TEC-DAX war und jetzt liefern muss (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Ein erfolgreiches Börsenjahr geht zu Ende. Dabei lief es besonders für deutsche Nebenwerte ausgesprochen gut. Während der DAX um gut 13% zulegen konnte, verzeichnete der TEC-DAX, also der deutsche Index für kleine bis mittelgroße Technologiewerte, einen Zuwachs von über 40%.

Der mit Abstand größte Gewinner im TEC-DAX war die Aktie des deutschen Maschinenbauers Aixtron, die um 272% an Wert zulegen konnte. Nach einer ausgeprägten Schwächephase (2014: -9%; 2015: -56%; 2016: -22%) hat die Aktie damit wieder einiges an Boden gut gemacht. Allerdings sind die Papiere mit einem Jahresschlusskurs von 11,58 Euro noch Lichtjahre von ihrem Höchstkurs aus dem Jahr 2000 (87 Euro) entfernt.

Aixtron im Porträt

Aixtron ist ein weltweit führender Anbieter von Beschichtungs-Anlagen für die Halbleiter-Industrie. Die Produkte des Unternehmens werden von einem breiten Kundenkreis zur Herstellung von leistungsstarken Bauelementen für elektronische und optoelektronische Anwendungen genutzt. Eingesetzt werden diese Bauelemente beispielsweise in der Display-Technik, der Signal- und Lichttechnik, Glasfaser-Kommunikations-Netzen, drahtlosen und mobilen Telefonie-Anwendungen, LEDs oder auch in der Photovoltaik.

Von den rund 800 Mitarbeitern entfällt ca. 1/3 auf den Forschungs-und Entwicklungs-Bereich. Rund 90% der Umsätze erzielt der deutsche Technologiebetrieb in asiatischen Märkten (insbesondere in China, Taiwan und Korea). Zu den Kunden zählen viele namhafte internationale Elektronikkonzerne wie Osram, Philips, Merck, Mitsubishi, Sumitomo oder Samsung sowie zahlreiche kleinere Hersteller mikro- und optoelektronischer Bauelemente.

Hochgelobt und tief gefallen

Über einige Jahre ritt der Maschinenbauspezialist aus Herzograth regelrecht auf einer Erfolgswelle. Alleine im Fünfjahreszeitraum bis 2010 vervielfachten sich die Umsätze von 139,4 auf 783,7 Millionen Euro. Im profitabelsten Jahr der Firmengeschichte (2019) erzielte Aixtron eine beachtliche Gewinnmarge von 24,56%. Doch in den Folgejahren sorgten massive Überkapazitäten und Preisdruck für enormen Gegenwind. Die Folgen waren eklatant.

Die Umsätze sanken auf unter 200 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren. Für Sie zum Vergleich: Damit lagen die Umsätze gerade einmal so hoch wie der zuvor im Jahr 2010 erreichte Jahresgewinn. Von der Gewinnzone war der Technologiekonzern dann ohnehin weit entfernt. Seit 2012 operiert Aixtron in der Verlustzone und musste seither über 360 Millionen Euro an Verlusten ausweisen.

Schwaches US-Geschäft wird verkauft

Doch mittlerweile gibt es wieder Licht am Ende des Tunnels. Gerade ist der Technologiekonzern dabei sein schwächelndes US-Geschäft mit Speicherchipanlagen zu veräußern. Zukünftig will sich Aixtron auf das Kerngeschäft auf Anlagen zur Herstellung von Leuchtioden und Chips zur Steuerung von Stromflüssen konzentrieren. Damit könnte die Firma auch von einem möglichen Boom bei Elektroautos profitieren.

Konzernführung prophezeit operativen Turnaround

Unterdessen kommt auch operativ die Trendwende näher. In den ersten neuen Monaten kletterten die Umsätze um 65% auf 176,3 Millionen Euro. Auch konnten die Verluste auf 20,6 Millionen Euro weiter eingedämmt werden (Vorjahresvergleich: -30,4 Millionen Euro). Im kommenden Geschäftsjahr will der Konzern operativ wieder in die Gewinnzone vorstoßen.

US-Investor baut Anteil weiter aus

Mittlerweile zeigen sich auch einige Großanleger wieder optimistischer und bauen ihre Aktienbestände weiter aus. Erst vor wenigen Tagen hat die US-Fondsgesellschaft Oppenheimer Funds bekanntgegeben, dass sie mittlerweile 5,16% aller Aixtron-Aktien hält (vorher: 3,08%). Kurz zuvor hatten mit BlackRock und T.Rowe zwei weitere US-Investoren Anteile des deutschen Maschinenbauers erworben.

Aixtron in der Bringschuld

Eins steht aber nach der Kursrally fest. Aixtron muss jetzt liefern. Die durchschnittlichen Gewinnschätzungen der Analysten liegen bei 11 Cent je Aktie. Das entspricht einem stolzen Kurs- Gewinn-Verhältnis von 97. Sollte dem Maschinenbauer der operative Turnaround nun doch nicht gelingen, dürfte die Aufwärtsbewegung schnell zu Ende sein.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.