Aixtron-Aktie: Totgesagte leben länger

Anleger feiern die Neuausrichtung des Herzogenrather Spezialmaschinenbauers Aurelius. Hier finden Sie alle aktuellen Informationen: (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Das lange Tal der Tränen bei Aixtron gipfelte im vergangenen Jahr in der missglückten Übernahme durch Grand Chip Investment aus China.

Doch mittlerweile hat sich die Stimmung bei dem Herzogenrather Halbleiter-Hersteller drastisch verbessert.

Den Eindruck muss man zumindest gewinnen, wenn man sich den Aktienkurs näher ansieht.

Nach einer desaströsen Kurs-Entwicklung in den vergangenen Jahren (2014: -9%, 2015: -56%, 2016: -18%) setzten die Papiere seit Jahresbeginn zu einer kräftigen Gegenbewegung an:

Um satte 75% ging es nach oben, was den Titel an die Gewinnerliste des TEC-DAX, dem deutschen Aktienindex für kleine bis mittelgroße Technologiewerte, beförderte.

Was ist der Grund für die stramme Aufwärts-Bewegung?

Sind die enormen Kursgewinne fundamental untermauert oder handelt es sich nur um eine technische Gegenbewegung?

Wie schätzen die Analysten die aktuelle Lage ein?

Aixtron im Porträt

Aixtron ist ein führender Anbieter von Beschichtungs-Anlagen für die Halbleiter-Industrie.

Die Produkte der Gesellschaft werden von einem breiten Kundenkreis zur Herstellung von leistungsstarken Bauelementen für elektronische und optoelektronische Anwendungen auf Basis von Verbindungs-, Silizium- und organischen Halbleiter-Materialien sowie Kohlenstoff-Nanostrukturen genutzt.

Mit einem rund 40%igen Marktanteil ist Aixtron derzeit Nr. 2 im Markt für MOCVD-Anlagen, die u. a. zur Produktion von LEDs benötigt werden.

Von den rund 800 Mitarbeitern entfällt ca. 1/3 auf den Forschung und Entwicklung. Rund 90% der Umsätze erzielt Aixtron in asiatischen Märkten (v. a. China, Taiwan, Korea).

Hohe Markteintritts-Barrieren spiegeln sich nicht in Gewinnen wider

Aixtron fokussiert sich auf Depositions-Technologien und sichert ihre Technologie- und Innovationsführerschaft durch den Ausbau der Forschungs- und Entwicklungs-Tätigkeit mit Fokus auf die Bedürfnisse der Kunden.

Die hohe Komplexität der Anlagen, der darauf laufenden Prozesse und die sehr hohen Qualitäts-Anforderungen erheben enorme Markteintritts-Barrieren.

Dennoch ist es dem Spezialmaschinenbauer seit 4 Jahren nicht mehr gelungen in die Gewinnzone zu kommen.

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Von den einstigen Glanzzeiten mit 1 Mrd. € Umsatz (2010) und einer Gewinnmarge von über 24% ist so gut wie nichts mehr übriggeblieben.

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Aixtron gerade einmal einen Umsatz in Höhe von 215,4 Mio. €.

Auch wenn die Verluste zuletzt deutlich verringert wurden , fuhr der Halbleiter-Spezialist in den vergangenen 4 Jahren Verluste in Höhe von 438 Mio. € ein.

Neuausrichtung soll es jetzt richten

Aber das deutsche Technologie-Unternehmen blieb nicht untätig:

Erst kürzlich gab der LED- und Chip-Industrie-Ausrüster den Verkauf seines US-Geschäfts bekannt.

Aixtron will sich vom dortigen Geschäft mit Anlagen zur Fertigung von Speicherchips verabschieden.

Zwar müssen die Behörden noch ihr OK geben, aber die Firma geht davon aus, dass der Deal noch in der 2. Jahreshälfte durch ist.

Käufer für das Anlagengeschäft ist eine Tochter der südkoreanischen Eugene Technology. Der Kaufpreis soll zwischen 45 und 55 Mio. Dollar liegen.

Lichtblick im 1. Quartal

Ein Grund für den massiven Kurs-Aufschwung dürften auch die Zahlen zum 1. Quartal gewesen sein.

Denn dank der guten Auftragslage und Nachfrage nach Produktions-Anlagen für Opto- und Leistungs-Elektronik, LEDs sowie für Speicher-Anwendungen stieg der Umsatz von 21,4 auf 53,6 Mio. €.

Das ist der höchste Umsatz im Jahres-Startquartal seit 2011. Auch operativ war ein Silberstreif am Horizont zu erkennen:

Zwar dominierten weiter rote Zahlen die Bilanz, aber mit einem Verlust von 13,5 Mio. € standen 13% weniger auf der Uhr als im Vorjahres-Quartal.

Jahres-Planung wird beibehalten

Zuletzt wurde die im Februar abgegebene Prognose für das laufende Geschäftsjahr bestätigt.

Demnach wird mit einem Auftrags-Eingang und mit Umsatz-Erlösen von jeweils insges. 180 – 210 Mio. € gerechnet.

Im nächsten Jahr soll dann wieder ein positives Vorsteuer-Ergebnis erzielt werden.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.