Aixtron-Aktie: Wie es nach der geplatzten Übernahme weitergeht

Es hätte so eine schöne Weihnachts-Überraschung werden können, aber so richtig daran geglaubt hatte ohnehin niemand mehr.

Jetzt kam dann auch die offizielle Mitteilung der chinesischen Investoren, die ihr Übernahme-Angebot nach dem Veto des US-Präsidenten Barrack Obama zurückgezogen haben.

Die Reaktion der Anleger fiel entsprechend drastisch aus. Der Abverkauf der Aktien drückte den Unternehmenswert auf mittlerweile nur noch 426 Mio. €.

Damit liegt der Börsenwert deutlich unter dem Kaufangebot der Chinesen, die immerhin bereit waren, 670 Mio. € auf den Tisch zu legen.

Was der abgeblasene Deal für Aixtron bedeutet und wie sich der Konzern alleine aus seiner misslichen Lage befreien könnte, erfahren Sie jetzt.

Aixtron im Porträt

Der Konzern aus Herzogenrath bei Aachen ist ein führender Anbieter in der Marktnische spezieller Depositions-Anlagen, welche bei der Produktion von Halbleitern und Verbindungs-Halbleitern zum Einsatz kommen.

Mit einem rund 40%igen Marktanteil ist Aixtron derzeit Nr. 2 im Markt für MOCVD-Anlagen, die u.a. zur Produktion von LEDs benötigt werden.

Das Geschäft von Aixtron ist sehr forschungsintensiv.

Von den rund 800 Mitarbeitern entfällt ca. 1/3 auf den Bereich „Forschung und Entwicklung“, wodurch der Maschinenbauer extrem hohe Vorlaufkosten für neue Produkte hat.

Rund 90% der Umsätze erzielt Aixtron in asiatischen Märkten (insbesondere China, Taiwan, Korea).

Hohe Markteintritts-Barrieren, aber trotzdem hohes Risiko

Aixtron sichert sich ihre Technologie- und Innovationsführerschaft durch den Ausbau der Forschungs- und Entwicklungs-Tätigkeit mit Fokus auf die Bedürfnisse der Kunden.

Zwar ergeben sich durch die hohe Komplexität der Anlagen, der darauf laufenden Prozesse und der sehr hohen Qualitäts-Anforderungen enorme Markteintritts-Barrieren, aber eben auch enorm hohe Kosten.

Preisdruck und hohe Entwicklungskosten drücken Aixtron in die roten Zahlen

Trotz der Marktposition ist die Geschäfts-Entwicklung des Maschinenbauers desaströs. Zuletzt hatte Aixtron unter Preisdruck und hohen Entwicklungskosten zu leiden und steckt daher in den roten Zahlen.

Für Sie zum Vergleich: Im Jahr 2011 machte Aixtron bei 611 Mio. € Jahres-Umsatz noch einen Gewinn von 79,5 Mio. €.

Im vergangenen Geschäftsjahr kam die Firma gerade einmal auf Erlöse von 197,8 Mio. € und verbrannte dabei 29,5 Mio. €.

In keinem der 4 letzten Jahre schaffte es der Konzern in die Gewinnzone. Vielmehr summierten sich die Verluste auf horrende 338,6 Mio. €. Auch in diesem Jahr dürfte der Konzern in den roten Zahlen landen.

Was folgt nach dem gescheiterten Deal

Die Übernahme hätte die strategischen Möglichkeiten von Aixtron deutlich verbessert.

Mit dem finanzkräftigen Partner aus China hätte das Technologie-Unternehmen Geld für weitere Produkt-Entwicklungen und die Expansion ins Ausland erhalten.

Zudem erhoffte man sich Zugang zum milliardenschweren chinesischen Markt, auf dem sich auch amerikanische Konkurrenten wie Veeco oder Applied Materials tummeln. Daraus wird nichts.

Die Konzernführung muss jetzt schnell reagieren. Denn auf eine Erholung der Märkte bei den etablierten Produkten zu hoffen, ist hoch riskant und könnte sich als eklatante Fehlentscheidung entpuppen.

Viel wahrscheinlicher ist es, das sich Aixtron verkleinert, also Technologie-Bereiche abgibt und mit einem spezialisierten Angebot weitermacht.

Dies dürfte allerdings nicht ohne massive Einschnitte und einen Kahlschlag bei den Mitarbeitern vonstattengehen.

Zugleich hat das Unternehmen Hilfe bei der Bundesregierung beantragt, um das langfristige Überleben zu sichern.

12. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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